Gütersloh teilt sich die Produktion von Waschmaschinen ab 2020 mit einem Werk in Ksawerow. - © Raimund Vornbäumen
Gütersloh teilt sich die Produktion von Waschmaschinen ab 2020 mit einem Werk in Ksawerow. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Miele-Zusage: Keine betriebsbedingten Kündigungen in deutschen Werken

Gespräche mit der IG Metall will die Miele-Geschäftsführung nur für den Standort Gütersloh führen

Gütersloh. Miele hat am Dienstag versichert, dass es in keinem einzigen seiner acht deutschen Werke zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. Miele sei das letzte Unternehmen seiner Branche, das den größten Teil seiner Produktion in Deutschland unterhalte. Nie habe es nur eine einzige betriebsbedingte Kündigung gegeben, und das werde auch so bleiben.

Miele äußerte sich einen Tag nach einer Pressekonferenz von Gesamtbetriebsrat und IG Metall. Darin wies Technik-Geschäftsführer Stefan Breit das als Forderung formulierte Angebot der Gewerkschaft zurück, „Zukunftsverträge" für alle deutschen Standorte abzuschließen. Das halte man für unnötig, so Breit. Bedarf sehe Miele allein in Gütersloh. Dort, in seiner Gerätefertigung am Stammsitz, will das Unternehmen bekanntlich bis zum Jahr 2025 rund 500 Stellen abbauen, vornehmlich über die Altersstruktur.

Kein Grund zur Beunruhigung

Breit versicherte, auch in Gütersloh sei das Ziel, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen, „erreichbar und realistisch". Allerdings sei das kein Selbstläufer. „Hier liegt eine Menge Arbeit vor uns, nicht nur mit Blick auf die Kostenstrukturen, sondern auch mit Blick auf Themen wie Aus- und Fortbildung. Wenn hierzu die IG Metall Ideen beisteuern möchte, hören wir uns diese gerne an." In allen anderen Werken bestehe kein Grund zur Beunruhigung. Eher rüste man sich für weiteres Wachstum und investiere in die Werke.

Wie kaum ein anderes Unternehmen achte und fördere Miele die Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung, so Breit. Er sehe nicht, wie die IG Metall oder sonstige Dritte Anlass hätten, daran zu zweifeln. In Gütersloh wie in Bielefeld investiere Miele jedes Jahr, ohne Aufhebens, zweistellige Millionenbeträge.

Gerade erst seien in Gütersloh 17 Millionen Euro in eine Anlage geflossen, die Edelstahl-Flansche für die Waschmaschinentrommel herstellt. Konzernweit habe man in die Einführung der neuen Einbaugeräte-Generation „7.000" und die dafür erfolgte Umrüstung der Anlagen einen „stattlichen dreistelligen Millionenbetrag" investiert, davon allein mehr als 50 Millionen Euro in das Geschirrspülerwerk in Bielefeld.

Dort, in Bielefeld, produziere man seit zwei Jahren in voller Auslastung, teilweise in drei Schichten und inklusive Samstag. Mit der Investition im tschechischen Unicov, wo Miele gerade eine zweite Montagelinie für Geschirrspüler hochfährt, schaffe man die Herausforderung für weiteres Wachstum.

"Wir stellen wieder Mitarbeiter ein"

Die bislang verkündeten 180 Stellen, die durch die Verlagerung nach Unicov in Bielefeld verloren gehen sollen, seien, so Breit, keinesfalls in Stein gemeißelt. Bei den ebenfalls in Bielefeld produzierten Staubsaugern sehe man zudem das Ende der Absatzdelle erreicht. „Wir stellen wieder Mitarbeiter ein und nehmen noch dieses Jahr eine neue Montagelinie in Betrieb." Voraussichtlich im Herbst dürfte Miele auf dem Markt der stark nachgefragten Akku-Staubsauger mit einem eigenen Modell herauskommen.

Von der Gewerkschaft geäußerte Sorgen zu den beiden Komponentenwerken in Euskirchen (Antriebe) und Warendorf (Kunststofftechnik) wies Breit zurück. In Warendorf etwa habe man gerade für vier Millionen Euro neue Spritzmaschinen gekauft, „eine deutliche Erweiterung unserer Kapazität. Für weitere drei Millionen Euro entsteht hier unser neues Technikum, ein mehrstöckiger Anbau mit Hallenflächen, eigenem Maschinenpark, Büro- und Schulungsräumen." Die Sorge der IG Metall, beim Werk in Euskirchen sei ein Ende absehbar, hatte Miele bereits vergangene Woche als „völlig abwegig" zurückgewiesen.

"Gütersloh bleibt der größte Standort"

Breit versicherte, Gütersloh bleibe der größte Standort – „als Zentrale der Gruppe, als Sitz der Vertriebsgesellschaft Deutschland, als Kompetenzzentrum für Elektronikkomponenten und Digitalisierung und als der größte Produktionsstandort für unsere Waschmaschinen".

Bei den Waschmaschinen müsse sich Miele der Tatsache stellen, dass starke Wettbewerber den Preisdruck schürten; teilweise seien deutsche Fabrikate für weniger als 300 Euro zu haben, auch Firmen aus Korea und China drängten auf den Markt. Eine Miele-Maschine dagegen liege derzeit zwischen 799 und 2.000 Euro. Dieser qualitätsbegründete Preisabstand dürfe nicht unverträglich groß werden, mahnte Breit, daher sei der Bau des neues Werkes im polnischen Ksawerow wichtig.

Einsparung bei Material- und Sachkosten

Die Unsicherheiten, die die diversen Effizienzprogramme bei der Belegschaft im Konzern weckten, seien nachvollziehbar, so Breit. Bei McKinsey, das ein Sparpotenzial von mehr als 100 Millionen Euro jährlich identifizieren soll, sei die Analysephase nun abgeschlossen. Eines der Ergebnisse: Der größere Teil der realisierbaren Einsparung werde nicht in den Werken, sondern im Bereich der Material- und Sachkosten gesehen, „die ihrerseits etwa 50 Prozent der Gesamtkosten von Miele ausmachen".

Auch die Verwaltungsstrukturen seien Teil der Analyse, ebenso wie das Zusammenspiel zwischen der Zentrale und den fast 50 Vertriebsgesellschaften. Breit: „Daher gibt es auch Bereiche, in denen mittel- und langfristig weniger Beschäftigte arbeiten werden als heute. So etwas hat es aber immer gegeben, auch bei Miele."

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