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Der Parkplatz neben Stadthalle und Theater. - © Andreas Frücht
Der Parkplatz neben Stadthalle und Theater. | © Andreas Frücht

Gütersloh Bekommt Gütersloh bald ein neues Sterne-Hotel?

Die Stadt Gütersloh bereitet die EU-weite Ausschreibung für ein Hotel neben Theater und Stadthalle vor - dazu gehört auch der Bau eines neuen Parkhauses

Ludger Osterkamp
13.02.2019 | Stand 12.02.2019, 18:04 Uhr

Gütersloh. Die Stadt startet einen neuen Anlauf für ein Hotel am Theater. Es ist der dritte. Nach zwei gescheiterten Versuchen 2008/2009 und 2013 ist die Stadt optimistisch, nun endlich das stets erträumte Ensemble von Theater, modernisierter Stadthalle und einer Drei-bis Vier-Sterne-Herberge umsetzen zu können. Eine EU-weite Ausschreibung ist in Vorbereitung. Ob sich die Geduld auszahlt? „Wir sind zuversichtlich", sagt Baudezernentin Nina Herrling. Das Hotelgeschäft wachse, auch in Gütersloh sei die Bettenauslastung stark gestiegen. Das schlage sich vermehrt in Anfragen von Hotelbetreibern und Projektentwicklern nieder, und manche bezögen sich explizit auf das besagte Grundstück. „Wir halten den Zeitpunkt nun für günstig", sagte Herrling. Auch ein Parkhaus ist in Planung Die Vorarbeit ist längst geleistet. Für das 2.900 Quadratmeter große Grundstück besteht seit mehr als sieben Jahren ein Bebauungsplan, der einen Hotelneubau beinhaltet. In der nun vorbereiteten Ausschreibung, über die am Donnerstag nächster Woche die Fraktionen im Immobilienausschuss des Stadtrates zu entscheiden haben, ist zudem der Bau eines Parkhauses vorgesehen. Dieses Parkhaus, so Herrling, sei erforderlich. Die circa 80 Stellplätze, derzeit mehr oder weniger provisorisch auf dem Gelände verteilt, würden dadurch mindestens kompensiert. Da eine Tiefgarage teuer ist, es im Parkhaus an der AOK zudem an öffentlichen Parkkontingenten mangelt, sei der Neubau eines Parkhauses die einzig realistische Variante. In früheren Plänen war noch von einer Tiefgarage die Rede gewesen. 100 Betten der gehobenen Kategorie Gesucht wird nun nach einem potenten Investor, der ein Gebäude errichtet, das optisch im Einklang mit dem weißen Theaterkubus und der bald neuen Stadthallenfassade steht und der das Betreiberkonzept gleich mitliefert. Demnach soll das Haus rund 100 Betten der gehobenen Kategorie haben. Auf Tagungs- und Seminarräume soll das Hotel weitgehend verzichten – diese finden die Gäste schließlich gleich nebenan in der Stadthalle. Diesen Aspekt hatte Kulturdezernent Andreas Kimpel von Anfang an im Sinn. Mit einem Hotel in der direkten Nachbarschaft, so die Idee, lasse sich das Tagungsgeschäft der Stadthalle leichter betreiben. Die Vermarktung der Räume könnte leichter fallen, im übrigen auch des Theaters. Tagen, Unterhaltung genießen, schlafen – dieser Dreiklang werde funktionieren. Wettbewerbsverzerrung? Allerdings sieht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband genau diesen Aspekt kritisch. Dehoga-Kreisvorsitzender Andreas Kerkhoff, zugleich Hotelier des Appelbaum, sagte ein rein auf Übernachtung und Frühstück setzendes Hotel direkt neben den Kulturräumen sei möglicherweise wettbewerbsverzerrend. So könnte es von den benachbarten, mit Steuergeld bezahlten Tagungskapazitäten profitieren, ohne selbst auch nur einen Cent darin investiert zu haben. Außerdem sei damit zu rechnen, dass Stadthalle und Theater bei der Vermarktung ihrer Räume auf das Hotel verweisen. „Mit anderen Worten", so Kerkhoff: „Auch das Marketing für das Hotel wäre in Teilen steuerfinanziert." Die Dehoga werde diese Dinge und auch das übrige wirtschaftliche Binnenverhältnis zwischen Hotel und Kulturräumen kritisch im Blick behalten. Auslastung in Gütersloh bei 50 bis 60 Prozent Dass die Nachfrage nach Hotelbetten in Gütersloh zuletzt gestiegen ist, sei allerdings Fakt, so Kerkhoff. „Die Auslastung in der Stadt liegt mittlerweile bei 50 bis 60 Prozent." Das liege vor allem an der Konjunktur. Kerkhoff „Geht es der Wirtschaft gut, geht es den Hotels gut. Das war schon immer so. In einer Stadt wie Gütersloh, die weniger vom Tourismus, sondern vor allem von ihrer Industrie und den starken Unternehmen lebt, gilt das ganz besonders." Ihren Umsatz machen die Gütersloher Hoteliers daher vor allem montags bis donnerstags, an den Wochenenden ist es dagegen eher ruhiger. 21 Hotelbetriebe gibt es in Gütersloh, mit 1.154 Betten. Der Bedarf für ein weiteres Hotel sei vorhanden, so Herrling. „Wir nehmen zunehmend wahr, dass Übernachtungsgäste in die Nachbarkommunen ausweichen müssen." Dass zum Beispiel bei Hausmessen der heimischen Unternehmen deren Besucher gezwungen seien, außerhalb Güterslohs übernachten zu müssen, sei ein Umstand, mit dem weder die Stadt noch die Gäste zufrieden seien. Überdies sei zu berücksichtigen, dass jeder Übernachtungsgast Geld dalasse – einer Berechnung zufolge gibt ein Kongressteilnehmer als touristischer Gast durchschnittlich 250 Euro pro Tag im Einzelhandel und in der Gastronomie aus.

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