Diese Sense kam beim Streit zum Einsatz. Die Polizei stellte sie nicht als Beweismittel sicher. - © Andreas Frücht
Diese Sense kam beim Streit zum Einsatz. Die Polizei stellte sie nicht als Beweismittel sicher. | © Andreas Frücht

Gütersloh Flüchtlingsheim am Fuchsweg: „Das ist ein richtig kriminelles Camp“

Nach der Attacke zweier Bewohner mit einer Sense, einem Axtstiel und einem Stein berichtet ein Zimmernachbar von schlimmen Zuständen - dort gehe es nicht nur um Gewalt

Gütersloh. Die Naturidylle am Fuchsweg trügt. Das bestätigen viele Nachbarn und Bewohner der Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose der Stadt Gütersloh. Der Vorfall vom vergangenen Sonntag, als zwei Männer mit einem Axtstiel, einer Sense und einem Stein aufeinander losgingen, ist wohl nur ein Vorfall von vielen. Nachbarn berichten gegenüber der NW, dass es schon seit Monaten immer wieder Polizeieinsätze in der Einrichtung, in der derzeit 18 Männer aus Nordafrika, Schwarzafrika sowie aus Krisengebieten in Vorderasien und im restlichen Asien leben, geben würde. Sie wollen auch mehrfach Elitepolizisten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) dort in Aktion gesehen haben. Axt und Sense wurden von einem Landwirt gestohlen Die Szenen von Sonntag seien der Gipfel gewesen, erzählt eine Anwohnerin. Es sei schon ein surrealer Anblick gewesen, wie einer der Heimbewohner mit der geschulterten Sense und dem Axtstiel in der Hosentasche den Feldweg zu seiner Unterkunft stolziert sei, sagt sie. Der Gewaltausbruch, der dann folgte, habe sie erschreckt. Auch der Landwirt, von dessen Gehöft der Axtstiel und die Sense gestohlen wurden, zeigt sich im Gespräch mit der NW schockiert. Die Sense könne er nicht mehr benutzen. Die sei völlig verbogen, sagt er. Warum die Polizei die Sense nicht als Beweismittel sichergestellt hat, kann er nicht sagen. Dagegen nahmen die Ermittler den Axtstiel, an dem Blut geklebt habe, mit, berichtet der Landwirt. Seit in der Unterkunft in der Nähe nur noch Männer leben würden gebe es Probleme, sagt er. Hygienische Bedingungen seien schlecht Einer der dort lebenden Männer spricht von einem traurigen Leben, was er hier habe. Die Zustände in dem Heim seien „katastrophal". Nicht nur die hygienischen Bedingungen seien schlecht. Der Mann sei vor fünf Monaten hier eingezogen. Die Einrichtung. „Das ist ein richtig kriminelles Camp", sagt er. Hier würden viele schlechte Menschen leben. „Gewalt ist hier an der Tagesordnung", so sagt er. Vor fünf Personen habe er regelrecht Angst. Viele hätten mit Drogen zu tun. Es werde übermäßig viel Alkohol getrunken. Sicherheitskräfte haben Angst Er habe gesehen, wie Drogen auch in der Einrichtung verkauft würden. In der vergangenen Woche habe die Polizei, laut des Bewohners, einen Haftbefehl gegen einen Dealer in der Einrichtung vollstreckt. Man fühle sich hier einfach nicht sicher, sagt er. Er verschließe seine Zimmertür immer und versuche, den Kontakt zu anderen Bewohnern zu meiden. Besonders nachts sei es schlimm. Sogar die Sicherheitskräfte hätten Angst. Diese hätten auch den Kampf zwischen den beiden Kontrahenten vom Sonntag nicht verhindern können. Zeugen hatten auch gegenüber der NW berichtet, dass eine Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes mit der Situation überfordert gewesen sei. "Der eine hat geschlagen, als ob er jemanden töten wolle" Der Bewohner berichtet von der Brutalität, mit dem die beiden aufeinander eingeprügelt hätten. „Der eine hat geschlagen, als ob er jemanden töten wolle", berichtet er. Mittlerweile sei einer der beiden Männer in ein anderes Flüchtlingsheim an der Kaiserstraße gebracht worden, sagt er. Der andere ist weiterhin in der Unterkunft am Fuchsweg. Auf Nachfrage möchte sich der Mann nicht dazu äußern, wie das Ereignis abgelaufen sei. Für ihn ist die Geschichte aber anscheinend gelaufen: „Das ist mein Bruder. Es gibt kein Problem mehr. Die Sache ist erledigt", sagt er und verschwindet in seinem Zimmer.

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