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Vor dem Wohnheim am Fuchsweg 23 geschah am vergangenen Sonntag die Auseinandersetzung zwischen den beiden Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft. - © Andreas Frücht
Vor dem Wohnheim am Fuchsweg 23 geschah am vergangenen Sonntag die Auseinandersetzung zwischen den beiden Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft. | © Andreas Frücht

Gütersloh Mit Axt und Sense: Streit in Flüchtlingsunterkunft eskaliert

Ein Algerier und ein Marokkaner sollen vor dem Wohnheim am Fuchsweg mit einem Axtstiel, Stein und einer Sense aufeinander losgegangen sein - Es ist nicht der erste Vorfall dort

Benedikt Schülter
22.08.2018 | Stand 22.08.2018, 11:37 Uhr

Gütersloh. Waldemar Bauer war einer der ersten, die am vergangenen Sonntag den Polizeinotruf wählten. Gegenüber seines Hauses in Gütersloh-Avenwedde beobachtete der 74-Jährige dramatische Szenen. Dort vor der Flüchtlingsunterkunft am Fuchsweg 23 habe er gesehen, wie zunächst ein Mann einen Anderen gejagt habe und es dann im Anschluss zu einer wilden Prügelei kam. Dabei hätten die Kontrahenten mit einem großen Stein und einem mindestens 60 Zentimeter langen Axtstiel aufeinander eingeprügelt. „Mit welcher Gewalt und Brutalität, die sich geschlagen haben hat mich unheimlich erschreckt", sagt Bauer. Den Vorfall machte die Polizei erst auf Nachfrage der NW öffentlich. Pressesprecherin Katharina Felsch bestätigt einen Einsatz, der um 17.30 Uhr an der Flüchtlingsunterkunft stattfand. Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung So hätten zwei benachbarte Zimmerbewohner eine Auseinandersetzung gehabt. Dabei habe ein 29-jähriger Marokkaner einen 24-jährigen Algerier leicht verletzt. Gegen den Marokkaner wurde ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Neben einem Stein und dem Axtstiel sei dabei sogar eine Sense im Spiel gewesen, schreibt die Gütersloher Polizei auf Nachfrage. Es habe sich wohl auch herausgestellt, dass der Axtstiel und die Sense von einem angrenzenden Gehöft gestohlen wurden. Bisher seien die Hintergründe noch unklar. Beide Männer würden laut Polizei kein Deutsch sprechen. Die Bewohner wurden laut Polizeisprecherin Katharina Felsch „räumlich getrennt". Was das konkret bedeutet ist unklar. Für Nachfragen stand die Polizeisprecherin nach 16 Uhr nicht mehr zur Verfügung. 19 Strafanzeigen in den vergangenen 12 Monaten Das Ereignis vom vergangenen Sonntag ist kein Einzelfall. Laut Polizei habe es in den vergangenen zwölf Monaten mehrere Polizeieinsätze dort gegeben. Insgesamt seien 19 Strafanzeigen erstattet worden. Diese würden sich im Bereich von Körperverletzungsdelikten, ausländerrechtlichen Verstößen und weiteren Delikten bewegen, schreibt Polizeisprecherin Felsch. Davon können die Bauers ein Liedchen singen. Im Garten des Ehepaares ist die Welt noch in Ordnung. Was sich in der direkten Nachbarschaft von Waldemar und seiner Frau Renate seit geraumer Zeit abspielen würde, passt aber so gar nicht zu dem gemütlichen Ambiente ihres Hauses. „Wir fühlen uns schon lange nicht mehr wohl, seit in der Flüchtlingsunterkunft gegenüber nur noch Männer wohnen", sagt Waldemar Bauer. Laustärke in der Nacht sei unerträglich Der Vorfall am vergangenen Sonntag sei nur die Krönung gewesen. Grundsätzlich hätten sie nie ein Problem mit der Einrichtung gehabt. Zumal vorher dort Familien mit Kindern gewohnt hätten. Die Probleme seien dann mit den jungen Männern gekommen. Ständig gebe es dort Ärger. Dabei legen die Bauers aber Wert darauf, dass sie bisher nie direkt von den Bewohnern der Unterkunft angegangen worden seien. Im Gegenteil, ihnen gegenüber seien sie stets freundlich. Doch immer wenn sie diese auf die Missstände ansprechen würden, ändere sich trotzdem nichts. Die Lautstärke dort in der Nacht sei oft unerträglich, sagt Renate Bauer. Und die Zustände dort seien unhaltbar. Dort sei es dreckig. Viele der Bewohner seien betrunken, würden sogar Drogen nehmen. Die Bauers sind nicht die einzigen, die sich über die Zustände in ihrer direkten Nachbarschaft ärgern. Eine Mutter von drei Kindern beklagt, dass sie um die Sicherheit ihrer Kinder fürchte. "Die Stadt Gütersloh legt auf ein sicheres Leben in der Nachbarschaft großen Wert" Dabei hätten diese noch mit den Flüchtlingskindern, die vorher in der Unterkunft gewohnt hätten, gespielt. „Gehen sie mal dorthin und schauen sie mal wie beispielsweise die Küche und die sanitären Anlagen aussehen. Das ist menschenunwürdig. Da müsste sich die Stadt mehr kümmern", sagt sie. Auf Anfrage schreibt die Sprecherin der Stadt Gütersloh, Elisabeth Menke: „Die Stadt Gütersloh legt auf ein ruhiges, sicheres Leben in der Nachbarschaft selbstverständlich großen Wert und prüft daher, wie die Situation in der Unterkunft Fuchsweg weiter entspannt werden kann.

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