Corinna Koptik von der Polizei-Pressestelle in Gütersloh. - © Andreas Frücht
Corinna Koptik von der Polizei-Pressestelle in Gütersloh. | © Andreas Frücht

Gütersloh Polizeibericht: Wer bestimmt, welche Informationen rausgegeben werden?

Aus aktuellem Anlass hat die Neue Westfälische im Innenministerium NRW nachgefragt – wer bestimmt eigentlich, wer was erfährt?

Nicole Hille-Priebe
23.08.2018 | Stand 23.08.2018, 12:04 Uhr

Gütersloh. „Es gibt keine interne Anweisung, dass über Kriminalität von Flüchtlingen und Zuwanderern nicht berichtet werden soll. Die Transparenz, die durch die Berichterstattung in der Gesellschaft geschaffen wird, ist uns sehr wichtig", stellte Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums NRW, im Gespräch mit der Neuen Westfälischen klar. Hintergrund seiner Aussage war eine Anfrage dieser Zeitung an die Polizei Gütersloh zu Zwischenfällen wie dem vom vergangenen Sonntag in der Flüchtlingsunterkunft am Fuchsweg, der im offiziellen Polizeibericht am Montag nicht auftauchte – im Gegensatz zu einer Unfallflucht, mehreren Unfällen sowie Einbrüchen im Kreis Gütersloh. Anlass genug, einmal nachzuhaken und zu fragen: Wer entscheidet eigentlich, worüber die Öffentlichkeit informiert wird – und worüber nicht? "Unsere Polizeibehörden sind autonom" „Unsere 50 Polizeibehörden in NRW sind autonom, was die Pressearbeit angeht. Wie sie das organisieren, ist Sache der Mitarbeiter der Pressestelle", sagte Beus, der zugleich mit dem Gerücht einer Medienzensur aufräumte, das immer wieder in der Öffentlichkeit kursiert: „Natürlich gibt es keine solche Anweisung, die kann es aus unserer Sicht auch gar nicht geben. Bei einem Verbrechen ist es egal, welchen Status jemand hat." Allerdings, so Beus weiter, gelte der Pressekodex, nach dem die Nationalität eines Täters nicht auftauchen sollte, wenn sie nichts mit der Straftat zu tun habe. „Bei Sexualdelikten von Zuwanderern gab es bei uns auch intern viele Diskussionen. Aber wir sagen: Ja, darüber muss man berichten. Das ist unsere Linie und das wissen auch die Polizeibehörden", betonte der Sprecher des Innenministeriums. Einzig ermittlungstaktische Gründe oder Vorbehalte seitens der Staatsanwaltschaft könnten einer zeitnahen Veröffentlichung entgegen stehen. Pressestelle entscheidet, welche Informationen rausgehen Bei der Gütersloher Kreispolizeibehörde sind Corinna Koptik und ihre Kollegin Katharina Felsch verantwortlich für den täglichen Polizeibericht. „Unsere Medienarbeit informiert anlassbezogen die Öffentlichkeit, um diese zu sensibilisieren, Sachverhalte darzustellen oder zur Mitwirkung zu veranlassen", antwortet Corinna Koptik auf die Frage, wer bei der Kreispolizeibehörde über die Auswahl der Vorkommnisse, die im Polizeibericht veröffentlicht werden, entscheidet. „Im Rahmen dieser und weiterer rechtlicher Vorgaben entscheidet die Pressestelle der Kreispolizeibehörde in enger Abstimmung mit der Behördenleitung über die Auswahl der Vorkommnisse, über die informiert wird. Bei etwa 18.000 Straftaten und 10.400 Verkehrsunfällen im Jahr im Kreis Gütersloh erfolgt die Auswertung aller Vorfälle nach Medienrelevanz und dem Informationsinteresse der Bevölkerung", so Koptik weiter. Fragen bleiben unbeantwortet Insbesondere spielten hier unter anderem Sachverhalte eine Rolle, die in der Öffentlichkeit stattgefunden haben oder als stark belastend und beunruhigend empfunden werden. „Bei dem Vorfall vom 19. August, 17.30 Uhr, Fuchsweg, handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung zweier namentlich bekannter Männer innerhalb eines Gebäudes sowie einen Diebstahl", erklärt Corinna Koptik auf eine Frage, die so gar nicht gestellt wurde. Vielmehr wollten wir wissen, warum die Polizei bislang nicht über 19 weitere Vorfälle sowie Polizeieinsätze am Fuchsweg berichtet hat, zu denen es in den vergangenen 12 Monaten offenbar gekommen ist.

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