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Mantel des Schweigens: Gegenüber der Presse wollten die meisten Bewohner an der Schillerstraße nichts mehr sagen. - © Andreas Frücht
Mantel des Schweigens: Gegenüber der Presse wollten die meisten Bewohner an der Schillerstraße nichts mehr sagen. | © Andreas Frücht

Gütersloh/Rietberg/Paderborn Mysteriöser Todesfall stört Mastholter Siedlungs-Idyll

In der Schillerstraße in Mastholte liegen die Nerven blank. Nach dem Tod des Paderborners Pawel Iljenko 
vor gut zwei Wochen schotten sich die Anwohner ab.

Benedikt Schülter
24.07.2018 | Stand 26.07.2018, 19:25 Uhr

Gütersloh/Rietberg/Paderborn. Es ist heiß und die Sonne brennt auf den Asphalt der Schillerstraße in Mastholte. Ein wenig Schatten spendet nur das kleine Bushäuschen am Rande der kleinen Siedlung. Es ist ruhig. Nur vereinzelt fahren Autos an den gepflegten Vorgärten der Siedlung vorbei. Wie eine Insel, umgeben von Feldern, stehen hier die knapp 20 Ein- und Mehrfamilienhäuser. Hier ist man unter sich. Der Zusammenhalt zwischen den alteingesessenen Bewohner sei sehr stark, sagen Anwohner. Der Fall um den Tod von Pawel Iljenko aus Paderborn, der hier, direkt neben dem Bushäuschen, am 9. Juli ums Leben kam, hat das scheinbare Idyll nachhaltig gestört. Spätestens, nachdem es auch Ermittlungen nicht nur gegen die Polizeibeamten, sondern auch gegen beteiligte Anwohner gibt, liegen die Nerven hier blank. In jedem Fall muss festgestellt werden, woher die augenscheinlichen Gesichtsverletzungen des Toten kommen. Bilder des Verstorbenen, die von den Angehörigen gemacht wurden, unterstreichen das. Außerdem gibt es, laut dem Bruder des Verstorbenen, Oleg Iljenko, ein Foto, auf dem sein Bruder einen Verband um den Ellenbogen trägt. Woher kommen die Verletzungen? Bewohner reagieren feindselig Auf NW-Nachfragen reagieren ein paar Bewohner gereizt bis feindselig. Ein Mann setzt mit seinem Fahrzeug zurück. Er will sehen, mit wem sich die Reporter unterhalten. Er soll, dem Vernehmen nach, an dem Ereignis direkt beteiligt sein. Wut zeichnet sich auf dem Gesicht des Mannes ab. Er wolle sich auf gar keinen Fall zu dem Fall äußern, sagt er. Man habe ihm gesagt, dass er unter keinen Umständen mit der Presse reden dürfe. Dann beschleunigt er und rast davon. Es zieht sich durch wie ein roter Faden. Die meisten der Anwohner wollen nicht reden. Manche wirken verunsichert. Viele berichten davon, dass man ihnen gesagt habe, dass man nicht mit der Presse sprechen dürfe. Wer ihnen das gesagt habe, wollen sie aber nicht preisgeben. Es wirkt fast so, als habe jemand den Mantel des Schweigens über die Schillerstraße geworfen. Die Gemeinschaft hält zusammen. So scheint es. Gebet am Mastholter See Josef Wimmelbücker zumindest lässt auf den Ort nichts kommen. Hier liege man sehr abgelegen, deswegen sei der Zusammenhalt sehr wichtig, sagt er am Telefon. Am fraglichen Tag habe er von den Ereignissen nicht viel mitbekommen. Er wüsste aber, dass sich viele Eltern Sorgen wegen dem Mann gemacht hätten. Diese hätten die Sicherheit ihrer Kinder in Gefahr gesehen. Er habe gesehen, wie mehrere Eltern um den von der Polizei gefesselten Mann gestanden hätten. Eine Frau, die bis Ende vergangenen Jahres in der Schillerstraße gelebt hat, schwärmt immer noch von der tollen Nachbarschaft untereinander. Auch sie spricht von den vielen Kindern, die in der Schillerstraße spielen würden und um deren Sicherheit die Bewohner besorgt gewesen seien. Für Pawel Iljenko hätten Anwohner der Schillerstraße gemeinsam ein Gebet am Mastholter See abgehalten. Aber: Nicht jeder Einwohner ist in der Gemeinschaft integriert. Vor allem Zugezogene berichten, dass es eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen und den Alteingesessenen geben würde. Der Vorfall vor zwei Wochen habe diesen Eindruck nur weiter verschärft, sagen sie.

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