Blumen zum Gedenken an den Toten in der Schillerstraße - © andreas frücht
Blumen zum Gedenken an den Toten in der Schillerstraße | © andreas frücht

Kreis Gütersloh / Kreis Paderborn Tod nach Einsatz in Mastholte - Vorwürfe gegen Gütersloher Polizei

Ein dreifacher Familienvater stirbt in der vergangenen Woche nach einem Polizeieinsatz in Mastholte. Die Umstände bleiben mysteriös. Die Angehörigen des Toten stellen Strafanzeige

Benedikt Schülter

Kreis Gütersloh/ Kreis Paderborn. Oleg Iljenko ist wütend und noch immer fassungslos. Das, was vergangene Woche in der Schillerstraße in Rietberg-Mastholte geschah, hat der Hamburger immer noch nicht richtig verarbeiten können. Während eines Polizeieinsatzes starb sein Bruder Pawel Iljenko. Dieser war am vergangenen Montag mit seinem Auto liegengeblieben. Laut Anwohnern machte der Mann einen verwirrten Eindruck. Angeblich soll er mit Steinen geworfen haben. Besorgte Anwohner riefen die Polizei. Die herbeigerufenen Beamten brachten den Mann zu Boden und fixierten ihn. Der Einsatz endete mit dem Tod des dreifachen Familienvaters aus Paderborn. Der Sarg musste geschlossen bleiben Oleg Iljenko ist gemeinsam mit einem weiteren Bruder, der seinen Namen nicht in Zeitung lesen will, zu der Stelle gekommen, an der sein Bruder starb. Er möchte, dass die Presse über den mysteriösen Fall berichtet. Und er möchte sich mit einer Zeugin treffen. Laut einer gemeinsamen Presseerklärung der Polizei und der Bielefelder Staatsanwaltschaft, die am Tag nach dem Einsatz an die Presse verschickt wurde, habe die Obduktion ergeben, dass der Mann an inneren Verletzungen gestorben sei. Doch diese Version stellen die Angehörigen in Frage. Sie haben den Hamburger Rechtsanwalt Alexander Kin engagiert und Strafanzeige gegen die beteiligten Polizisten bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft gestellt. Oleg Iljenko sieht müde aus. Die Strapazen der vergangenen Tage sind ihm anzusehen. Er ist in schwarz gekleidet. Gerade kommt er von der Beerdigung seines Bruders in Paderborn. „Wir mussten den Sarg geschlossen lassen. Der Bestatter hat uns geraten, dass wir diesen Anblick den Kindern ersparen", sagt er. Nach sechs Tagen wurde der Leichnam seines Bruders freigegeben. Das Gesicht von Pawel sei förmlich „zermatscht" gewesen. Iljenko verzieht das Gesicht. Zeugin spricht von tretenden Polizisten Und es sind nicht nur diese Anhaltspunkte, die ihn stutzig machen. „Wir haben mittlerweile vier Zeugen, die uns gesagt haben, dass die Polizisten auf meinen Bruder eingetreten haben, obwohl dieser schon längst mit Fesseln fixiert war", so Iljenko. Eine dieser Zeugen ist eine Anwohnerin, die sich dazu gesellt. Sie habe gesehen, wie ein Polizist auf den am Boden Liegenden eingetreten hätte. Das könne sie bezeugen. Der Einsatz sei unverhältnismäßig gewesen, ist sie überzeugt. Iljenko hakt nach: „Wurden sie kontaktiert, um eine Aussage zu machen?" Die Frau schüttelt den Kopf. Fragt man in der Siedlung nach, bekommt man so gut wie keine Antworten. Eine Passantin rät den Reportern, sofort wieder in die Redaktion zu fahren. „Hier wird ihnen niemand was sagen", sagt sie und radelt davon. Ein paar Meter weiter kommt ein Mann mit einem Kind die Schillerstraße entlang. Auch von ihm sind keine näheren Informationen zu erfahren. Natürlich sei der Tod von Pawel Iljenko im Dorf ein großes Thema, doch gegenüber der Öffentlichkeit wolle man nichts sagen. Das hätten die Leute hier so untereinander abgesprochen. „Wir wollen hier mit dem Thema abschließen", sagt ein Mann. Einer will aber sprechen. "Wir geben keine Ruhe" Der junge Familienvater spricht von einem „Drama", das sich direkt vor seiner Haustür abgespielt habe. Er habe gesehen wie Pawel Iljenko sich gegen die Beamten wehrte. Der Gefesselte habe auch einmal kurz aufgeschrien, sagt der Zeuge. Den Einsatz der Beamten bezeichnet er als „heftig". Von Tritten habe er aber nichts mitbekommen. Bisher sei aber auch er, weder von der Polizei, noch von der Staatsanwaltschaft befragt worden. Die Geschichte bleibt rätselhaft und unklar. Bisher gibt es auch von den ermittelnden Behörden keinerlei weitere Informationen. Die Bielefelder Polizei verweist auf die Staatsanwaltschaft. Doch der ermittelnde 39-jährige Staatsanwalt Veit Walter gibt sich schmallippig. Von ihm gibt es derzeit keine Informationen zum Stand der Ermittlungen. Dagegen gibt sich Oleg Iljenko kämpferisch: „Wir wollen Gerechtigkeit. Wir geben keine Ruhe", sagt er zum Abschied.

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