Parkour-Papa: Dank großzügiger Unterstützung des Unternehmers Werner Gehring steht der mit 1.600 Quadratmetern größte Parkour-Park, in dem sich Claus-Peter "Pit" Mosner sportlich aktiv zeigt, kurz vor der Fertigstellung. Die Feuertaufe soll beim "10. Gütersloher Parkour-Camp" vom 20. bis 22. Juli erfolgen. - © Jens Dünhölter
Parkour-Papa: Dank großzügiger Unterstützung des Unternehmers Werner Gehring steht der mit 1.600 Quadratmetern größte Parkour-Park, in dem sich Claus-Peter "Pit" Mosner sportlich aktiv zeigt, kurz vor der Fertigstellung. Die Feuertaufe soll beim "10. Gütersloher Parkour-Camp" vom 20. bis 22. Juli erfolgen. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Im Juni öffnet in Gütersloh Deutschlands größter Parkour-Park

Trendsport: Die Parkour-Landschaft an der Ahornallee soll im Juni eröffnet werden - und daran sind die Gütersloher Traceure nicht unbeteiligt. Deutschlands größte Anlage ist einem Geburtstag zu verdanken

Jens Dünhölter

Gütersloh. Selten hat ein Geburtstagsgeschenk buchstäblich wohl so große Sprünge ermöglicht. Anlässlich seines 80. Geburtstages am 26. Januar 2015 stellte der Unternehmer Werner Gehring der Stadt Gütersloh eine Million Euro zur Verfügung - zweckgebunden für den bereits realisierten Brunnen vor dem Theater, den Bau einer Anlage für die Trendsportart Parkour sowie die Beteiligung an der Umgestaltung des Rathausvorplatzes. Mit dem seit 2012 unter Beteiligung der Traceure (so werden die Sportler genannt) von langer Hand bis ins kleinste Detail ausgeklügelten Parkour-Park an der Ahornallee steht das zweite dieser Herzensprojekte so gut wie in den Startlöchern. Noch ist hier und da ein wenig Feintuning nötig, weshalb die insgesamt 1.600 Quadratmeter große Anlage am hinteren Ende der Freifläche des LAZ-Nord-Nebenplatzes aus versicherungstechnischen Gründen vorsichtshalber mit einem Bauzaun umgeben ist. Angepeilter Starttermin Anfang/Mitte Juni Wenn der zum geplanten Starttermin - angepeilt ist Anfang bis Mitte Juni - jedoch fällt, steht der Eroberung durch "die wohl aktivste Szene der ganzen Bundesrepublik", wie Sozialdezernent Joachim Martensmeier einmal feststellte, nichts mehr im Weg. Ihre richtige Feuertaufe wird die bewusst Urbanität mit Natur verbindende Begegnungsstätte jedoch vermutlich erst beim "10. Gütersloher Parkour-Camp" vom 20. bis 22. Juli zu bestehen haben. "Wir planen den Umzug von der Janusz Korczak-Schule an den neuen Standort", will sich Claus-Peter "Pit" Mosner (43) von Fachbereich Jugend und Bildung der Stadt mit Rücksicht auf mögliche Eventualitäten noch nicht endgültig festlegen. Falls es klappt, werde man "aus doppeltem Anlass gebührend feiern". Der Erziehungswissenschaftler vom Fachbereich Jugend und Bildung der Stadt gilt in Gütersloh gewissermaßen als Parkour-Papa. Aus einem extrem stark frequentierten Projekt zur Jugendprävention initiierte der von allen nur Pit genannte Mosner 2009 das erste kleine Parkour-Camp. Ab 2012 kamen zu den alljährlich stattfindenden Camps regelmäßig mehr als 200 Gäste aus Deutschland und halb Europa. Gütersloh gilt auch aufgrund seines von vielen Städten und Kommunen bestaunten Konzeptes als heimliche Hauptstadt der aus der schnellen Fortbewegung in der Natur samt des kreativen Überwindens von Hindernissen entstandenen Sportart. "Hohe Variationsmöglichkeiten" "Der derzeit größte Parkour-Park in Deutschland", so die mit den Planungen betraute Diplom-Ingenieurin für Landschafts-Architektur Daniela Toman (47) vom Fachbereich Grünflächen der Stadt, wird diese Ausnahmestellung durch die Einbindung der Hauptprotagonisten während der Gestaltungsphase und ihre aus der Praxis stammenden Ideen oder Vorschläge ohne Zweifel weiter zementieren. Für Pit Mosner bedeutet die Parkour-Wurzeln widerspiegelnde bewusste Kombination aus Natur-, Beton-, Stahl- und Holzelementen mit vermutlich 100.000 Schwung-, Sprung-, Hangel-, Balancier- und Kletterelementen indes viel mehr als "hohe Variationsmöglichkeiten". Der kreisförmig gebaute Platz mit dem einer Einfallstraße nachempfundenen Mittelgang nebst verschiedene Ortsteile symbolisierenden Stationen sei so konzipiert, "dass man von jedem Einstiegspunkt unabhängig von der Laufrichtung ohne Bodenberührung einmal in die Runde laufen kann", so Mosner. Natürlich sei die Anlage "unser Stolz, wir können es kaum erwarten, bis es endlich los geht." Der 330.000 teure Park ermögliche den Kletterkünstlern "einen intensiven Trainingsalltag, bei dem buchstäblich große Sprünge gemacht werden können", freut sich der Ansprechpartner der Jugendlichen. "Wenn Du zu Dir selbst findest, brauchst du keinen Wettbewerb" Die Bedeutung für die auf kommerzielle Nutzung und Wettbewerb verzichtende Parkour-Szene, betont Pit Mosner, sei indes eine andere: "Es ist Ausdruck einer gelebten, engagierten Jugendkultur, einer Jugendkultur, die sich einmischt, die etwas verändert." Das funktioniere nur, "wenn man Jugendkultur ernst nimmt." Um diesen Geist zu untermauern, werden die Mottos der bisherigen Camps als bunte Graffitis auf den die Urbanität unterstreichenden grauen Wänden verewigt. "Train hard, run easy" (Trainiere hart, laufe leicht) leuchtet im Eingangsbereich auf. Aber auch das 2018-Überthema "True spirit has no competition" (Wenn Du zu Dir selbst findest, brauchst Du keinen Wettbewerb) soll die Parkour-Idee nachhaltig transportieren.

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