0
Infotafel: Die Realität unterscheidet sich sehr von dieser Darstellung, und die Mahnung, nicht zu füttern, wird auch permanent ignoriert.
Infotafel: Die Realität unterscheidet sich sehr von dieser Darstellung, und die Mahnung, nicht zu füttern, wird auch permanent ignoriert.

Gütersloh Zu viel Futter fürs Federvieh

Ibrüggers Teich im Stadtpark droht "umzukippen"

Rainer Holzkamp
28.01.2015 | Stand 27.01.2015, 22:18 Uhr

Gütersloh. Trotz diverser Bemühungen in den vergangenen Jahren hat sich die Wasserqualität in Ibrüggers Teich im Stadtpark nicht verbessert. Insbesondere im Sommer mieft es. Auf Initiative der BfGT sollen nun weitere Anstrengungen unternommen werden, ein "Kippen" des Sees zu vermeiden. BfGT-Experte Marvin Strothmeier, der sich als semiprofessioneller Biologe bezeichnet und selbst Wasseranalysen bei einem Bielefelder Institut beauftragt hat, ist sich mit der Verwaltung einig, wo die Hauptursache des Problems zu finden ist: in der hohen Population der Enten, deren Hinterlassenschaften wesentlich zur Überdüngung des Teichs beitragen. Laut Strothmeier führt die geringe Sauerstoffkonzentration in Verbindung mit dem hohen Algenvorkommen zur Bildung von Faulschlamm. "Das Ganze macht uns seit langem Sorgen", räumte der Leiter des Fachbereichs Grünflächen, Bernd Winkler, vor dem Umweltausschuss ein. Aufs Korn genommen werden sollen die Enten freilich dennoch nicht. Denn dass sie sich in ihrer Umgebung so wohlfühlen, liegt an einer anderen Spezies: dem Menschen. Der neigt wie andernorts auch im Fall des Teichs am Stadtpark dazu, Wasservögeln nicht nur die Restbestände häuslichen Toasts vor den Schnabel zu werfen. "Da wird vielmehr Brot wannenweise verfüttert", lautet die übereinstimmende Beobachtung des sachkundigen Bürgers und der Verwaltung. Info-Tafeln, die zur Aufklärung und zur Unterlassung beitragen sollten, seien "mit mäßigem Erfolg" installiert worden, berichtete Winkler. Man habe zugegebenerweise nichts anderes erwartet. Heißt: Es wird weiter munter gefüttert - und ausgeschieden. Größere Hoffnungen ruhen auf anderen Schritten. Da ein von der Verwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten im vorigen Sommer einen allzu geringen Fischbesatz festgestellt hatte, wird zunächst an diesem Punkt gearbeitet. Denn schon die vor zehn Jahren ausgesetzten Hechte hätten sich leider nicht vermehrt. Daher sind nun zusätzliche Laichplätze eingerichtet worden. Winkler wies ferner darauf hin, dass auf Dauer die Probleme nicht auf den Teich beschränkt blieben. Letztlich leide durch den Ablauf auch die Qualität der Dalke. Die Situation sei aber noch nicht dramatisch. Ein Ausbaggern des Schlamms komme daher nicht in Frage. Das sei überdies eine kostspielige Angelegenheit. Daher soll einstweilen die Wirkung der bereits eingeleiteten Schritte abgewartet werden. Erfolge trauen die Fachleute unter anderem den frisch ausgesetzten Teichmuscheln zu. Die Schlammspezialisten sind berühmt für ihre filtrierende Funktion. Das ändert aber nichts an dem von Winkler ausgegebenen Hauptziel: Weniger füttern. Aber wie soll das erreicht werden? Auf diese Frage gab es im Ausschuss keine Antwort. Dafür gestern Mittag eine klare Ansage am Teich: "Das lass' ich mir nicht nehmen", sagte eine Frau am Ufer und warf die mitgebrachten Bröckchen mitten ins wilde Geschnatter.

realisiert durch evolver group