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Vertreterinnen und Vertreter von Nabu und BUND vor einem Jahr mit der plakativen Absage für den Parkplatz - © Peter Unger
Vertreterinnen und Vertreter von Nabu und BUND vor einem Jahr mit der plakativen Absage für den Parkplatz | © Peter Unger

Tierschutz statt Stellflächen Endgültige Absage für neuen Parkplatz Obersee in Bielefeld

Bielefelder Anwohner und Fußballer müssen weiter mit hohem "Parkdruck" durch Ausflügler leben. Die umstrittene Entscheidung hat auch Folgen für Wohnmobilisten.

Stefan Becker
26.10.2022 | Stand 26.10.2022, 15:42 Uhr

Bielefeld. Autos oder Amphibien? Der Kampf um die Grasnarbe auf einer Wiese im Schatten des Viadukts ist entschieden. Am späten Donnerstagnachmittag votierten in der Schildescher Bezirksvertretung (BV) die Politikerinnen und Politiker von den Grünen und der Linken zusammen mit den Stimmen der Sozialdemokraten für den Erhalt des Lebensraums von Fröschen, Kröten und Lurchen.

Die endgültige Absage an das über viele Jahre verfolgte Parkplatz-Projekt auf der eigens für den Zweck angekauften Wiese bedeutet auch eine erneute Planung für den Bau eines weiteren Stellplatzes für Wohnmobilisten.

Steve Kuhlmann von der CDU zeigte sich in seinem Plädoyer zugunsten des Parkplatzes enttäuscht über den „Sinneswandel“ der SPD, die seinerzeit maßgeblich an der Findung eines Kompromisses beteiligt gewesen sei. Noch vor zwei Jahren habe man gemeinsam eine naturnahe und im Umfang reduzierte Parkplatz-Variante beschlossen. Diesen Sommer hätte die Verwaltung eigentlich ihr Konzept für die Umsetzung vorstellen sollen – doch mit der Kehrtwende der SPD sei dies nun hinfällig geworden und damit die Arbeit von vier Jahren vergebene Mühe.

Keine Chance ohne Schotter für den Parkplatz

Kuhlmann titulierte den 2020 vereinbarten Kompromiss als „charmante Lösung“ für einen Übergangsparkplatz, der nur an den Wochenenden öffnen sollte: nicht gepflastert oder asphaltiert, sondern wie von der Verwaltung vorgeschlagen an den neuralgischen Stellen geschottert. Genau darin bestehe das Problem, erwiderte SPD-Mann Jörg Benesch: Weil der Parkplatz keine Chance ohne Schotter habe, komme das praktisch einer Versiegelung der Fläche gleich, und das lehne man ab.

Das städtische Grundstück, zum Bau des Parkplatzes erworben, misst rund 13.000 Quadratmeter. - © schultheiss formac
Das städtische Grundstück, zum Bau des Parkplatzes erworben, misst rund 13.000 Quadratmeter. | © schultheiss formac

Gestützt werde die Position zudem von Gutachten, die Naturschützer des Nabu und BUND gemeinsam formuliert hätten. Deren Kernaussage steht seit einem Jahr plakativ auf einem Banner auf dem Nachbargrundstück der Wiese: Schutz der örtlichen Amphibien. Vehement wehrte sich Benesch gegen das Stigma des Umfallens und begründete die Abkehr vom einstigen Beschluss mit einem Umdenken in Krisenzeiten: Klimaschutz im Großen, Krötenrettung im Kleinen.

„In der Krise verändert man sein Verhalten. Dies betrifft auch das Thema Mobilität. Hier bedarf es entsprechender mutiger Entscheidungen, um auch die Zukunft der Stadt und ihr Klima zu sichern.“ Ein erster Versuch in diese Richtung sollte der Schönwetter-Bus zum Obersee sein, der mangels Fahrgästen sowie reichlich Kritik von Anwohnern wieder aus dem MoBiel-Fahrplan gestrichen wurde.

Seekrug demnächst mit Fahrradstation

Als Alternative dazu soll MoBiel nun prüfen, ob die Takte der bestehenden Buslinien an den Wochenende verdichtet werden können, um wenigsten so mehr Besucher für eine Anreise ohne eigenes Auto zu begeistern. „Wenn ich auf die steigenden Auto-Zulassungen in Bielefeld schaue, geht dieses Modell etwas an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei“, kommentiert Seekrug-Wirt Christian Schulz die Absage an den Parkplatz. Schließlich zähle der Obersee zu den populärsten Ausflugszielen in der Region und locke auch viele Besucher aus dem Umland, die nicht alle mit dem Fahrrad kämen. Für die Radler sei aber demnächst eine eigene Fahrradstation am Seekrug angedacht, es gebe bereits Verhandlungen dazu mit MoBiel.

Die Falken vom benachbarten Halhof wollten laut Schulz die Wochenend-Öffnung des Parkplatzes managen, von dem dann auch die kickenden Gäste des VfL Schildesche profitiert hätten. Denn seit dem Aufstieg der 1. Herren-Mannschaft kämen Gegner und Fans aus Peckeloh oder Ravensberg – und ganz gewiss nicht mit dem Fahrrad, erklärte der Vereinsvorsitzende Oliver Stüwe die Situation auf dem Platz am Viadukt. Dasselbe gelte für die Damenmannschaft in der Bezirksliga und die 19 Junioren-Teams.

Abstimmung endet 11:4 für die Amphibien

In der Debatte in der BV ging Gregor Spalek von der FDP als Anwalt der Vereins-Interessen des Traditionsvereins in die Offensive. Sie nutze diese „Steilvorlage“ gerne, sagte Susanne Kleinekathöfer von der SPD und konterte mit den Heimspielen der Arminen: Zu denen würden die Fans schließlich auch mit der Stadtbahn anreisen. Spalek versucht noch auf Zeit zu spielen, die Entscheidung bis zur nächsten Sitzung zu vertagen, doch die Schildsker Vertreterinnen und Vertreter der Rathauskoalition kannten kein Pardon und baten zu Abstimmung: Die endet mit einem eindeutigen 11:4.

Diese Wiese am Obersee bleibt weiter eine Wiese und Refugium für Amphibien. - © Peter Unger
Diese Wiese am Obersee bleibt weiter eine Wiese und Refugium für Amphibien. | © Peter Unger

Mit dem Aus für den Parkplatz beginnt auch die erneute Suche nach einem weiteren Standort für Wohnmobile. Wegen des Krachs der nächtlichen Güterzüge sei die Lage am Fuße des Viadukts zwar suboptimal gewesen, griff Steve Kuhlmann (CDU) die Kritik an dem Platz auf, doch galt er der Verwaltung als Favorit im Rennen mit sechs weiteren potenziellen Plätzen rund um den See.

SPD-Mann Jörg Benesch votierte für eine Erweiterung des bestehenden Stellplatzes auf dem Johannisberg, da der in der Szene sehr gut angenommen werde. Die dort bereits versiegelte Fläche beträgt rund 9.000 Quadratmeter.

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