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Spendenübergabe am Rütli: Thomas Reuter vom DRK (l.) nimmt Lebensmittel von Nesrettin Akay entgegen. - © Eike J. Horstmann
Spendenübergabe am Rütli: Thomas Reuter vom DRK (l.) nimmt Lebensmittel von Nesrettin Akay entgegen. | © Eike J. Horstmann

Tipps für Helfer Zeit, Lebensmittel, Unterkünfte: So hilft Bielefeld den Geflüchteten

Die Not der vor dem Krieg fliehenden Menschen ist groß. Doch auch die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Es wird fast alles benötigt. Eine Übersicht.

Eike J. Horstmann
14.03.2022 | Stand 14.03.2022, 12:31 Uhr

Bielefeld. Die Zahl der vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchteten Menschen nimmt täglich zu, auch in Bielefeld sind inzwischen zahlreiche Flüchtlinge angekommen. Groß ist allerdings auch die Hilfsbereitschaft der Bielefelder. Die Stadt versucht nun, die vielen geflohenen Männer, Frauen und Kinder und die vielen Hilfs- und Unterstützungsangebote zusammenzubekommen.

Darüber, warum die Flüchtlinge so zahlreich nach Bielefeld kommen, kann nur spekuliert werden. Ein Grund wird die starke ukrainisch-russische Community in der Stadt sein, zu der gezielt Verwandte und Freunde flüchteten. Viele Ukrainer sind zudem Teil der jüdischen Kultusgemeinde. Ein anderer Grund ist wohl auch die Kommunikation der Ukrainer untereinander. „Unser Infomaterial wurde in zahlreichen Gruppen auf Telegram geteilt“, sagt Kadim Uzunyayla von der Stadt. „Das hat sicher auch viele nach Bielefeld gezogen.“

Große Flüchtlingszahl: "Schon mehr als das Doppelte von 2016“

Schon morgens früh am Freitag (13. März) erscheinen die ersten Männer, Frauen und Kinder vor der Beratungsstelle am Rathaus, im Verlauf des Tages und am Samstag werden es immer mehr, die auf die bereits vorhandenen Unterkünfte wie das Rütli, das Kultur- und Kommunikationszentrum Sieker (KuKs) oder das Jugendgästehaus verteilt werden. Am Freitagnachmittag waren bereits 1.331 Menschen in Bielefeld registriert worden. „Innerhalb von zehn Tagen ist das ein Drittel dessen, was in der großen Flüchtlingsbewegung 2015 nach Bielefeld gekommen ist“, so Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger. „Und schon mehr als das Doppelte von 2016.

Im Gegensatz zur Situation vor sieben Jahren kann die Stadt heute aber auf einen großen Erfahrungsschatz und auf bereits erprobte Konzepte zurückgreifen. Und auch die Bürgerinnen und Bürger selbst können erneut kräftig dabei helfen, die Not der Menschen zu lindern und sie in Bielefeld Willkommen zu heißen.

Unterkunft

Knapp die Hälfte der bislang angekommenen Ukrainer konnte in privaten Häusern und Wohnungen untergebracht werden, die andere Hälfte hat in Einrichtungen wie dem Rütli in Stieghorst oder dem KuKs in Sieker Unterschlupf gefunden. Da aber davon auszugehen ist, dass der Zustrom anhalten wird, werde man jetzt auch zu „ungemütlichen Lösungen kommen müssen, um die Menschen vor Obdachlosigkeit zu schützen“, so Nürnberger.

Olha Borysiuk und Kateryna Dkhtiarchuk (v.l.) lassen sich von Kadim Uzunyayla und Irina Grinko von der Stadt Bielefeld beraten. - © Barbara Franke
Olha Borysiuk und Kateryna Dkhtiarchuk (v.l.) lassen sich von Kadim Uzunyayla und Irina Grinko von der Stadt Bielefeld beraten. | © Barbara Franke

Dazu gehört, dass bestehende Kapazitäten erweitert oder bereits 2015 als Unterkünfte genutzte Gebäude wie die Großsporthalle an der Heeper Straße aktuell wieder umgewandelt werden. So sollen kurzfristig weitere 700 Plätze geschaffen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Unterbringung sind allerdings private Unterkünfte, die aktuell zahlreich bei der Stadt eingehen. Einzelne Zimmer werden nicht benötigt, gesucht werden in sich geschlossene Wohneinheiten. „Die Angebote sollten möglichst detailliert sein“, sagt Uzunyayla. Wie ist der Zustand? Wie viele Zimmer stehen zur Verfügung? Ist die Wohnung möbliert? Und auch: Werden Haustiere akzeptiert? „Fotos sind hier sehr hilfreich“, sagt Halil Güner von der Stadt Bielefeld. Die Anfragen, die per E-Mail eingesendet werden können, werden sondiert und überprüft – das könne mit Blick auf die derzeitige Flut von eingehenden Mails allerdings etwas dauern. gefluechtete-ukraine@bielefeld.de

Sachspenden

Auch Sachspenden werden dringend benötigt. „Gebraucht wird vor allem das, was man bei einer Flucht nicht direkt als Erstes mitnimmt“, sagt Fritz-Fabian Soll von der Stadt. Kleidung ist noch am ehesten vorhanden, was fehlt sind eher Bettwäsche, Decken, Handtücher oder Kochgeschirr. Am Rütli werden zudem auch Lebensmittel benötigt, von Mehl und Zucker über löslichen Kaffee, Fertigsuppen, Müsliriegel bis zu Trinkpäckchen.

Erwünscht sind auch Hygieneartikel wie Shampoo, Duschgel, aber auch ganz profane Haushaltsprodukte wie Spülmittel oder Müllbeutel. Für die Kleinsten unter den Flüchtlingen werden Babynahrung oder Windeln benötigt. Da die Lagerkapazitäten aber nicht unendlich sind und die Bedarfe sich täglich ändern, wird um eine Anfrage per E-Mail gebeten. Was die Menschen in den in den kommenden Tagen eröffneten Großunterkünften am Dringendsten benötigen, muss noch ermittelt werden. „Da wird noch ein Aufruf gemacht werden“, kündigt Nürnberger an. gefluechtete-ukraine@bielefeld.de

Zeitspenden

Wer sich ehrenamtlich einsetzen will und Zeit erübrigen kann, hat ebenfalls die Möglichkeit, sich für die geflüchteten Menschen einzusetzen. Idealerweise sollte Ukrainisch oder Russisch beherrscht werden, teilweise hilft aber auch Englisch. Einsatzmöglichkeiten wären ganz pragmatisch bei Behördengängen, aber auch bei der Freizeitgestaltung wie bei Sportangeboten oder einer Führung durch die Stadt. „Das kann ganz individuell sein“, sagt Soll.

Doch gerade für Kinder und Jugendliche sei es wichtig, regelmäßig die Unterkünfte verlassen und einen freien Kopf bekommen zu können. Interessierte können sich per Mail bei der Stadt oder bei der Freiwilligenagentur melden: www.freiwilligenagentur-bielefeld.de

Geldspenden

Wer gezielt Flüchtlinge in Bielefeld unterstützen will, kann Geld an den Bielefelder Flüchtlingsfonds spenden, der von der Stiftung Solidarität und der Stadt betrieben wird. Dadurch erhalten die ankommenden Menschen schnell und unbürokratisch eine finanzielle „Solidarhilfe“, um die Zeit bis zur Bewilligung staatlicher Unterstützung zu überbrücken und die größte Not zu lindern. www.bielefelder-fluechtlingsfonds.de

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