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Schäferhund-Malinois-Mix Chips, anderthalb Jahre jung und ungestüm, braucht sportliche Menschen, die ihn halten können. Viel interessanter als Tierheimleiterin Anja Langer am anderen Ende der Leine findet er all die aufregenden Gerüche, die ihn von allen Seiten locken. - © Silke Kröger
Schäferhund-Malinois-Mix Chips, anderthalb Jahre jung und ungestüm, braucht sportliche Menschen, die ihn halten können. Viel interessanter als Tierheimleiterin Anja Langer am anderen Ende der Leine findet er all die aufregenden Gerüche, die ihn von allen Seiten locken. | © Silke Kröger

Wieder geöffnet 300 Tiere im Bielefelder Tierheim warten auf ein Zuhause

Seit gut einer Woche ist das Bielefelder Tierheim endlich wieder offen. In der Vermittlung sind rund 300 Tiere, vom Kanarienvogel bis zur Schlange.

Silke Kröger
20.07.2021 | Stand 06.08.2021, 16:01 Uhr

Bielefeld. Freude und Leid liegen bekanntlich oft nah beieinander. Das gilt auch im Bielefelder Tierheim. Dort ist zur großen Erleichterung der Mitarbeiter die Wiedereröffnung vor gut einigen Tagen „sehr positiv“ verlaufen, berichtet Leiterin Anja Langer spürbar erfreut. „Wir hatten ja seit vergangenen Oktober geschlossen. Jetzt sind wir zurück im Leben.“ Im Schnitt seien in der vergangenen Woche rund 50 Besucher täglich gekommen, am Samstag sogar 83. „Uns haben die Menschen sehr gefehlt. Und nichts geht über ein persönliches Beratungsgespräch – auch wenn wir nicht einmal schlecht vermittelt haben.“

Gefragt waren Familienhunde, Katzen und Kleintiere

Gefragt waren während der vergangenen Monate in Bielefeld – wie bundesweit – besonders die freundlichen, unkomplizierten Familienhunde. Doch auch für anspruchsvollere Hunde – Malinois etwa, Staffordshire Terrier oder die willensstarken Hütehunderassen - gab und gibt es immer wieder Interessenten. Für Katzen wie für Kleintiere sei die Nachfrage während der langen Monate der Schließung ebenfalls „erfreulich hoch“ geblieben, sagt Langer rückblickend.

Tierheim legt Wert auf nachhaltige Vermittlung

Allerdings gestaltet sich die Zusammenführung von Mensch und Tier nicht immer einfach. Die Bielefelder Tierschützer legen viel Wert darauf, nachhaltig zu vermitteln und beiden Seiten gerecht zu werden. Dass sich Leute genau in einen Hund „verlieben“, der mit seinen Ansprüchen gar nicht zu ihren Lebensverhältnissen passt, kommt immer wieder vor. Und: „Gerade bei Kleintieren stößt man noch auf sehr Unverständnis“, bedauert die Tierheimleiterin. Dass die viel Platz, Zeit sowie Pflege brauchen und mindestens zu zweit gehalten werden sollten – „das ist für manche Menschen tatsächlich neu“. Was Langer angesichts der breiten Palette an Möglichkeiten, sich vorab umfassend zu informieren, doch etwas erstaunlich findet.

Kater Flecky (Foto) möchte gern mit seiner Mutter Halinka umziehen. - © Silke Kröger
Kater Flecky (Foto) möchte gern mit seiner Mutter Halinka umziehen. | © Silke Kröger

Illegaler Welpenhandel bleibt aktuell

Solche Unwissenheit kann böse Folgen haben. Für beide Seiten. Das hat sich in der Coronapandemie besonders bei den Welpen gezeigt. „Das ist ein Thema, das uns nicht mehr loslässt“, befürchtet Anja Langer. Und es seien ja nicht immer illegale Händler, aus deren Fängen viel zu junge Vierbeiner befreit würden und dann in der Tollwut-Quarantäne des Tierheims landeten. „Oft sind es auch Menschen, die in gutem Glauben einen jungen Hund kaufen, und beim Tierarzt stellt sich dann raus, es fehlt die Tollwut-Impfung.“ Aktuell harren gerade wieder drei niedliche Winzlinge lange Wochen in der Einrichtung darauf, dass sie wieder zu ihren Besitzern zurückdürften.

Kater Smart möchte im neuen Zuhause gern nach draußen. - © Silke Kröger
Kater Smart möchte im neuen Zuhause gern nach draußen. | © Silke Kröger

Neubau des Quarantäne-Bereichs geplant

Weil der Quarantäne-Bereich, der noch aus den 70er Jahren stammt, seit Monaten ständig voll sei – derzeit logieren im hinteren Auslauf zudem zwei sichergestellte Dobermänner -, müsse dort dringend etwas getan werden, erklärt die Tierheimleiterin. „Wenn dort nur ab und zu ein Hund untergebracht werden soll, ist das gerade noch okay, aber diese Menge – das geht gar nicht.“ Deshalb laufe es wohl nun auf einen Neubau an gleicher Stelle hinaus. Dafür muss das Tierheim allerdings erst die Mittel zusammenbekommen.

Corona-Soforthilfe in Höhe von 7.500 Euro

Das war in einer Zeit, in der die Einrichtung monatelang geschlossen sein musste, es keinerlei Feste oder Spendenaktionen gab, die Geld in die Kasse gespült hätten, ein kaum lösbares Problem. Zumal es vielen anderen Stellen ebenfalls knapp war – und ist. „Auch wenn wir in Bielefeld noch einigermaßen zurechtkommen“, sagt Langer. Und das Tierheim hier wie andere eine Corona-Soforthilfe in Höhe von 7.500 Euro vom Bundesumweltministerium bekommen habe. Die ist bereits im Dezember 2020 vom Bundestag bewilligt worden. Vorletzte Woche, am 8. Juli, ist das Geld in Bielefeld eingetroffen. Langer: „Das meiste davon ist auch schon ausgegeben. Was übrig bleibt, nutzen wir für den Bau der Quarantäne.“

"Corona"-Rückgaben bundesweit ein "Riesenthema"

Froh waren die Tierschützer nicht nur, dass es mit der staatlichen Unterstützung doch noch geklappt hat. Sondern auch darüber, dass bislang kein einziges vermitteltes Tier „coronabedingt“ zurückgegeben wurde. „Das ist zwar bundesweit ein Riesenthema, aber unsere Zahlen bestätigen das nicht“, sagt Langer. Das zeige einmal mehr, wie wichtig intensive Beratung und das gegenseitige langsame Kennenlernen von Mensch und Tier vorab mit gemeinsamen Gassigängen und Probetagen sei. Hunde, die zurückkämen, weil die Familiensituation sich geändert hat oder der Besitzer verstorben sei, „die sind ruckzuck wieder vermittelt“.

Helfer und Gassi-Geher gesucht

Aktuell sind 25 Hunde – vom Kaukasischen Owtscharka Balou bis zum kleinen Mischling Elsa – in der Vermittlung. Außerdem 115 Katzen, 100 Vögel (Nymphen- und Wellensittiche, Kanarienvögel, Tauben), rund 60 Kaninchen, Meerschweinchen und Farbratten sowie drei Schildkröten. Und Kornnatter Snake. Interessenten können an den Öffnungstagen (Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag, 15 bis 18 Uhr) einfach vorbeikommen und sich beraten lassen. Wer aktiv mithelfen möchte, ist ebenfalls sehr willkommen. Langer: „Uns fehlen Menschen, die mit etwas komplizierteren Hunden Gassi gehen können, die die notwendige Sachkunde haben oder sie erlernen möchten.“ Und handwerklich begabte Unterstützer: „Bei uns gibt es immer was zu tun.“

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