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Die Richterin konnte sich einen bissigen Hinweis nicht verkneifen. - © Symbolfoto
Die Richterin konnte sich einen bissigen Hinweis nicht verkneifen. | © Symbolfoto

Einbruch mit Folgen "So blöd, sich filmen zu lassen": Einbrecher stiehlt kiloweise Schokolade

Als der Einbrecher zu guter Letzt auch noch den Alarm auslöste, flüchtete er vom Tatort. Weit kam er jedoch nicht.

Nils Middelhauve
19.07.2021 | Stand 19.07.2021, 08:26 Uhr

Bielefeld. Gelegenheit macht bekanntlich Diebe - und im vorliegenden Fall ist diese Weisheit absolut wörtlich zu nehmen. Als der 32-jährige Anton Z. die Gelegenheit witterte, in einer Gaststätte auf verbotene Weise sein Einkommen etwas aufzubessern, brach er in das Gebäude ein. Doch außer Spesen nichts gewesen: Nicht nur, dass Z. aus dem Lokal lediglich 2,5 Kilogramm Kuvertüre mitgehen ließ - bald darauf wanderte er auch noch in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht verurteilte ihn nun wegen Einbruchdiebstahls zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten.

Vor Gericht legte der Dieb ein umfassendes Geständnis ab

Das Redebedürfnis des aus Estland stammenden Anton Z. schien nach der erlittenen Untersuchungshaft recht groß zu sein. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sich der Angeklagte in seinem Redefluss in der Verhandlung vor dem Schöffengericht nur durch sehr deutliche Ansprachen von Richterin Astrid Salewski stoppen ließ. Dort legte der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte nun ein umfassendes - und wortreiches - Geständnis ab.

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Demnach hatte Z. bereits vor einiger Zeit in Coesfeld gelebt und gearbeitet, war dann jedoch zunächst nach Estland zurückgekehrt. Schließlich begab sich der 32-Jährige, der nach eigenen Angaben auch ein Drogenproblem hat, auf der Suche nach Arbeit erneut in die Bundesrepublik und landete so schließlich in Bielefeld.

Bilder der Überwachungskamera zeigten unzweifelhaft den Angeklagten

In den frühen Morgenstunden des 2. Aprils dieses Jahrs führte ihn sein Weg an einer am Niederwall gelegenen Gaststätte vorbei. Dabei bemerkte Z., dass ein Oberlicht des Lokals geöffnet war. Spontan fasste er den Entschluss, in der Gaststätte nach Stehlenswertem zu suchen und kletterte durch das Fenster in das Gebäude. Doch fand sich nicht das mutmaßlich erhoffte Bargeld. Auch der Versuch, einen Zigarettenautomaten zu öffnen, misslang. Schließlich griff sich der Einbrecher 2,5 Kilogramm Kuvertüre im Wert von rund 20 Euro und verließ das Lokal.

Doch wollte sich Z. mit dieser etwas kläglichen Ausbeute offenbar nicht abfinden: Er begab sich zu einem ein Stockwerk höher gelegenen Restaurant. Der Versuch, ins Innere des Lokals zu gelangen, scheiterte allerdings. Als Z. bei diesem Bemühen schließlich auch noch den Alarm auslöste, gab er sein Vorhaben auf und flüchtete.

Doch damit des Schicksals Unbill nicht genug: "Er war auch noch so blöd, sich von der Überwachungskamera aufzeichnen zu lassen", sagte Richterin Salewski in der Verhandlung in einer Mischung aus Verwunderung und Resignation. Die Folge: Anton Z. landete kurz darauf in Untersuchungshaft. Dieser Schokoladendiebstahl hatte sich definitiv nicht gelohnt.

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