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Andreas Kruse (65) ist Direktor des Instituts für Gerontologie der Uni Heidelberg. Seit 2003 ist der Professor Vorsitzender der Altersberichtskommissionen der Bundesregierung. Er ist zudem Mitglied des Deutschen Ethikrats, der bereits seit April mahnt, dass „die aktuellen freiheitsbeschränkenden Infektionsschutzmaßnahmen fortlaufend kritisch zu evaluieren“ seien. - © Philip Benjamin
Andreas Kruse (65) ist Direktor des Instituts für Gerontologie der Uni Heidelberg. Seit 2003 ist der Professor Vorsitzender der Altersberichtskommissionen der Bundesregierung. Er ist zudem Mitglied des Deutschen Ethikrats, der bereits seit April mahnt, dass „die aktuellen freiheitsbeschränkenden Infektionsschutzmaßnahmen fortlaufend kritisch zu evaluieren“ seien. | © Philip Benjamin

Bielefeld Ethikrat: "Ohne Menschenwürde für Senioren ist der Schutz inhuman"

Eine Tochter, die sich nicht mehr von ihrer sterbenden Mutter verabschieden kann, alte Menschen, die in der Isolation ihres Einzelzimmers den Lebensmut verlieren. Der Ruf nach Veränderung wird lauter.

Susanne Lahr
14.06.2020 | Stand 15.06.2020, 11:16 Uhr

Herr Kruse, Sie sind Altersforscher und Mitglied im Deutschen Ethikrat. Wie beurteilen Sie die derzeitige Lage der Senioren in Pflegeheimen, die zu Hochsicherheitstrakten geworden sind? Und die Situation für deren Angehörige?Andreas Kruse: Der Schutz vor einer Infektion von Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern ist ein hohes Gut. Wir haben gesehen, was es bedeutet, wenn das Coronavirus in ein Heim eindringt. Aber: Wo Schutz verordnet wird, muss auch ein tragfähiges Angebot vorgehalten werden. Nur Schutz allein ist völlig unzureichend.

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