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Gut 300 Antifaschisten haben am Freitagabend der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

 - © Barbara Franke
Gut 300 Antifaschisten haben am Freitagabend der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

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400 Antifaschisten protestieren gegen Neonazis und gedenken der Opfer der Pogromnacht

Jens Reichenbach
08.11.2019 | Stand 09.11.2019, 00:15 Uhr

Bielefeld. Gut 400 Demoteilnehmer haben sich am Freitagabend auf den Weg gemacht, um in der Bielefelder Innenstadt der Opfer der Novemberpogrome 1938 zu gedenken. Unter dem Demo-Motto "Gedenken heißt kämpfen" zogen die Demonstranten vom Hauptbahnhof durch die Fußgängerzone zum Jahnplatz und weiter zur Turnerstraße, wo in der Nacht vom 9. auf den 10. November die Bielefelder Synagoge von Nazis niedergebrannt wurde. Aufgerufen zu der Demo hatte das "Antifaschistische Bündnis Bielefeld" mit dem Ziel, an die Opfer des Faschismus zu gedenken. Am Ende der Demo sprachen die Veranstalter von 800 Teilnehmern. Die Polizei sprach von gut 400 Teilnehmern. Bei den Novemberpogromen 1938 wurden damals etwa 800 jüdische Mitbürger ermordet, berichtete eine Sprecherin des Bündnisses. "Die Pogrome markieren den Übergang von der antisemitischen Diskriminierung zur gezielten Verfolgung von Juden. Es folgte die millionenfache systematische Ermordung und Vernichtung." Neonazis in Bielefeld - "Das darf nicht sein" Entsprechend kraftvoll wollte das Antifa-Bündnis ein Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus setzen. "Wir wollen, dass dieses Wochenende allein dem Gedenken gilt", ruft eine Frau am Lautsprecher. "Dass am Samstag Neonazis und Holocaustleugner durch Bielefeld laufen, darf nicht sein." Die engagierte Antifaschistin und Demoteilnehmerin Raphaela Kula ist über das bevorstehende Erscheinen einer extrem rechten Szene in Bielefeld entsetzt: "Ich finde das total schlimm. Hier wird den Neonazis ein roter Teppich ausgerollt." Sie selbst lade schon seit langer Zeit Shoa-Überlebende nach Bielefeld ein. "Was soll ich diesen Menschen sagen, was bei uns los ist?" Aus Holland sei sie bereits auf die Neonazis angesprochen worden. Am Jahnplatz warnte die Gruppe "Antinationale Linke Bielefeld" vor einem weiteren Erstarken der gesellschaftlichen Rechten und vor daraus resultierendem rechtem Terror. Zuletzt offenkundig geworden durch den Mord an Walter Lübcke in Kassel oder dem antisemitischen Anschlag in Halle. Seit 1990 wurden laut einem Redebeitrag 198 Menschen Opfer von Neonazi-Gewalt. Die letzte Strecke zwischen Rathaus und dem Gedenkstein an der Turnerstraße legten die Demonstranten schweigend zurück. Eine Sprecherin betonte anschließend: "Heute wollten wir in aller Würde den Opfern des Faschismus gedenken. Morgen werden wir den Antisemiten keinen Fußbreit die Straße überlassen." Das Bündnis wolle sich möglichst direkt den Neonazis entgegenstellen und ihren Marsch verhindern, heißt es in einer Mitteilung.

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