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Ein Foto, das für Aufsehen sorgte: Die erste Mannschaft des FC Türk Sport salutierte vor einem Bezirksliga-Spiel nach dem Vorbild der türkischen Nationalmannschaft. - © Privatfoto
Ein Foto, das für Aufsehen sorgte: Die erste Mannschaft des FC Türk Sport salutierte vor einem Bezirksliga-Spiel nach dem Vorbild der türkischen Nationalmannschaft. | © Privatfoto

Bielefeld FC Türk Sport kommt nach Militär-Gruß mit 200-Euro-Strafe davon

Nicole Bentrup
08.11.2019 | Stand 08.11.2019, 19:12 Uhr

Bielefeld. Der „Militär-Gruß" des FC Türk Sport vor dem Anstoß des Bezirksliga-Spiels gegen den FC Augustdorf am 13. Oktober hatte große Wellen geschlagen. Vor dem mit Spannung erwarteten Derby gegen den TuS Dornberg hat das Verbandssportgericht des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbands (FLVW) die Strafe für den FC Türk Sport in der „Militär-Gruß-Affäre" bekanntgegeben. Der heimische Bezirksligist muss 200 Euro Strafe an „terre des hommes" zahlen. „Der FC hat in einer Stellungnahme sein Verhalten bedauert und sich von diesem Vorfall distanziert", erklärte Pressesprecher Christian Schubert vom FLVW. Späte Einsicht spielt offenbar eine Rolle Die späte Einsicht hat offenbar bei der Urteilsfindung eine Rolle gespielt. Kurz nach dem Vorfall hatte der Verband empfindliche Strafen angekündigt. Der FC hätte die Möglichkeit, gegen das Urteil, das Sportrichter Markus Seip im schriftlichen Verfahren gefällt hat, Berufung einzulegen. Türk Sports Trainer Ugur Pamuk ist jedoch froh über das milde Urteil und betont: „Da sind wir ja nochmal ganz gut weggekommen." Fußball-Kreisvorsitzender Markus Baumann fand die Höhe der ausgeurteilten Geldstrafe im Verhältnis zu anderen Vorfällen zu gering. So müsse ein Trainer, der zum zweiten Mal aus dem Innenraum verwiesen werde, schon 125 Euro bezahlen: „Sportrichter sind unabhängig, aber solche Urteile machen es dem Kreissportgericht nicht leichter." Grundsätzlich findet Baumann es gut, dass die Geldstrafen an gemeinnützige Einrichtungen gehen. "Wollen uns jetzt auf den Fußball konzentrieren" Auch andere westfälische Klubs, bei denen es ähnlich gelagerte Vorfälle gegeben hatte, haben von Sportrichter Seip milde Urteile bekommen. Hier wurden Geldstrafen zwischen 50 und 300 Euro verhängt. „Im Wiederholungsfall können die Vereine sicherlich nicht mehr mit einer Geldstrafe rechnen", sagt FLVW-Pressesprecher Schubert. Ugur Pamuk versicherte, dass man sich künftig mit solchen politischen Statements zurückhalte: „Wir wollen uns ab jetzt ausschließlich auf den Fußball konzentrieren und keine weitere Angriffsfläche bieten." Zehn Spieler der ersten Mannschaft des FCT hatten vor der Partie gegen Augustdorf am 13. Oktober salutiert. Damals erklärte Ugur Pamuk die Geste wie folgt: „Wir haben eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlages von Halle durchgeführt und danach diese Geste als eine Art Schweigeminute für die gefallenen Soldaten im Krieg zwischen der Türkei und Syrien gezeigt. Das macht man bei uns so." Nach den Geschehnissen und der Veröffentlichung eines Fotos hatte der FC Türk Sport viel Kritik geerntet. In einer Pressemitteilung zeigte sich die Bielefelder CDU besorgt. „Politik und Sport sind ganz klar voneinander zu trennen. Der Salut ist hier in diesem Zusammenhang als politische Aussage zu sehen", hatte Carsten Krumhöfner, Vorsitzender der CDU Brackwede, gesagt. "Man muss Vereinen verdeutlichen, wie sie sich auf Plätzen zu verhalten haben" Politisch motivierte Beleidigungen und Provokationen hätten auf und neben dem Spielfeld keinen Platz. Krumhöfner begrüßte sehr, „dass der Fußball- und Leichtathletik Verband Westfalen (FLVW) ausdrücklich darauf hinweist, dass so ein Verhalten auch auf westfälischen Plätzen nicht zu tolerieren sei und er sich weder für Provokationen noch für Diskriminierungen missbrauchen lasse". Auch Riza Öztürk, SPD-Fraktionsmitglied und gleichzeitig Integrationsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes für den Landesverband Westfalen, hat sich mit dem Fall des FC Türk Sport auseinandergesetzt: „Man muss den Vereinen verdeutlichen, wie sie sich auf den Sportplätzen zu verhalten haben, um einen respektvollen Umgang miteinander zu gewährleisten." Öztürk riet insgesamt zu einer vorsichtigen Betrachtung des Vorfalls: „Diese Geste sollte nicht nur provokant gesehen werden, denn es sind auch kurdisch-stämmige Spieler unter denen, die den Salut-Gruß gezeigt haben."

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