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Ein Foto, das für Aufsehen sorgt: Die erste Mannschaft des FC Türk Sport salutierte vor dem sonntäglichen Bezirksliga-Spiel gegen den FC Augustdorf nach dem Vorbild der türkischen Nationalmannschaft. Eine Geste, die durchaus sportstrafrechtliche Folgen haben könnte. - © Privatfoto
Ein Foto, das für Aufsehen sorgt: Die erste Mannschaft des FC Türk Sport salutierte vor dem sonntäglichen Bezirksliga-Spiel gegen den FC Augustdorf nach dem Vorbild der türkischen Nationalmannschaft. Eine Geste, die durchaus sportstrafrechtliche Folgen haben könnte. | © Privatfoto

Fußball Militär-Gruß auch in Bielefeld: FC Türk Sport droht Verfahren

Fußball: Türk Sport salutiert vor seinem Spiel wie die türkische Nationalmannschaft. Der FLVW positioniert sich und kündigt eine „Null-Toleranz-Politik“ an.

Nicole Bentrup
16.10.2019 | Stand 17.10.2019, 16:11 Uhr

Bielefeld. „Ein militärischer Gruß dient in der Tradition der meisten Streitkräfte sowie in anderen militärisch organisierten oder uniformierten Institutionen als gegenseitige Ehrenbezeugung. Er wird international auf ähnliche Weise ausgeführt, wobei Einzelheiten von Nation zu Nation variieren." So definiert die freie Enzyklopädie Wikipedia das Wort salutieren, das in den letzten Tagen im Profi- wie nun auch im Amateurfußball große Wellen schlägt. In Bielefeld salutierte der FC Türk Sport vor seiner sonntäglichen Partie gegen den FC Augustdorf und erregt damit derzeit die Gemüter. „Ich verstehe nicht, warum es darum so einen Wirbel gibt", sagt Türk Sports Trainer Ugur Pamuk. „Wir haben Sonntag eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlages von Halle durchgeführt und danach diese Geste als eine Art Schweigeminute für die gefallenen Soldaten im Krieg zwischen der Türkei und Syrien gezeigt. Das macht man bei uns so", erklärt Pamuk die fast eine Minute andauerende, militärische Grußgeste seines Teams, die – so Pamuk – auch von einigen Zuschauern am Kupferhammer gezeigt worden sei. Er selbst habe nicht salutiert. „Aber das nur, weil ich noch damit beschäftigt war, die richtige Taktik für das Spiel auszutüfteln." Für Pamuk ist es unerklärlich, warum seitens des Verbandes nicht auch eine offizielle Schweigeminute für die Opfer des Krieges angeordnet worden ist, für die Opfer in Halle aber sehr wohl. Im Übrigen sei es seitens des Vorstandes des FCT nicht zu einer Aufforderung an die Teams gekommen, zu salutieren. Das wird dadurch bestätigt, dass etwa im Spiel der zweiten Mannschaft des FCT gegen den SC Halle ein solcher Gruß ausblieb. „Das kam bei uns aus der Mannschaft heraus", sagt Pamuk. Fußballverband kündigt "null Toleranz" an Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) hat eine allgemeine, offizielle Stellungnahme veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass „der FLVW ausdrücklich darauf hinweist, dass so ein Verhalten auch auf westfälischen Plätzen nicht zu tolerieren ist. Dieses Verhalten entspricht in keiner Weise den Werten und Grundsätzen des Verbandes, denen er sich im § 4 der Verbandssatzung und im auf dem Verbandstag 2019 verabschiedeten Ethik-Kodex verschrieben hat." Der Verband lasse sich weder für Provokationen noch für Diskriminierungen missbrauchen, wie Vizepräsident Manfred Schnieders erklärte. Andree Kruphölter, im FLVW-Präsidium für Rechtsfragen zuständig und Fairplay-Beauftragter, kündigte sportstrafrechtliche Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens vor dem Verbandssportgericht an. „Wir haben eine ganz klare Linie, die besagt: Null Toleranz für solches Gebaren", so Kruphölter, der sich damit dem Vorgehen der anderen Landesverbände anschließt. Pamuk: "Es kann nicht sein, dass wir bestraft werden" Auch Riza Öztürk, Integrationsbeauftragter des FLVW, befürwortet diesen Kurs: „Wir können und müssen Strafen aussprechen, um zu signalisieren, dass wir so etwas nicht dulden. Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit den Vereinen und bieten unsere Hilfe an", heißt es in der öffentlichen Stellungnahme des FLVW. Aber was heißt das jetzt für den FC Türk Sport? Wird dem Bezirksligisten nun der Prozess vor dem Verbandssportgericht gemacht, wie es im Kreis Recklinghausen mit drei Vereinen passiert? Diese Frage stellt sich auch FCT-Cheftrainer Ugur Pamuk: „Es kann ja nicht sein, dass wir bestraft werden, nur weil wir an gefallene Soldaten in unserer Heimat denken. Ich finde es grundsätzlich übertrieben, wie aktuell über diese Sache berichtet wird." Bislang einzig bekannter Fall in Bielefeld Weitere Beileidsbekundungen dieser Art gab es am vergangenen Wochenende auf den Bielefelder Sportplätzen nicht, wie Kreisschiedsrichterausschussvorsitzender Philip Dräger berichtet. „Mir sind keine ähnlichen Verhaltensweisen bekannt", sagt er. Eine offizielle Anordnung, wie sich die Unparteiischen bei solchen Vorfällen zu verhalten haben, gibt es indes in Bielefeld nicht. Laut des Kreisvorsitzenden des Fußballkreises Bielefeld, Markus Baumann, gehe ein solcher Verstoß gegen den Ethik-Kodex in jedem Fall direkt an das Verbandssportgericht – und damit auch der Fall FC Türk Sport.

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