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Die Grundschule Brake geht in die digitale Offensive.(Symbolfoto) - © pixabay/wipperfuerth
Die Grundschule Brake geht in die digitale Offensive.(Symbolfoto) | © pixabay/wipperfuerth

Bielefeld Diese Bielefelder Grundschule prescht digital vor

Vom millionenschweren Digitalpakt des Bundes soll bald auch Bielefeld profitieren. Darauf will die Grundschule Brake aber nicht warten und geht einen eigenen Weg.

Ivonne Michel
14.09.2019 | Stand 15.09.2019, 11:12 Uhr

Bielefeld. Die Landesregierung wird rund eine Milliarde Euro für die bessere digitale Ausstattung von Schulen bereitstellen. Vom Digitalpakt soll bald auch Bielefeld profitieren. Für die 44 Grundschulen und die 37 weiterführenden Schulen in Trägerschaft der Stadt steht laut Amt für Schule eine Fördersumme in Höhe von 17.960.415 Euro zur Verfügung. Mit dem Geld bekommen die Schulen die Möglichkeit, die digitale Infrastruktur zu schaffen und in die IT-Ausstattung zu investieren. "Die Schulen müssen bis Ende diesen Schuljahres ihre Medienkonzepte aufstellen, auf dieser Basis stellen wir dann ein Gesamteinsatzkonzept auf", sagt Leiterin Georgia Schönemann. Der Schulträger muss die Fördermittel für konkrete Projekte beantragen. 90 Prozent der Ausgaben werden durch das Land übernommen, der Rest wird vom Schulträger gezahlt. Bielefeld wolle auf jeden Fall die volle Fördersumme von knapp 18 Millionen auszuschöpfen, so Schönemann. Wann die Mittel dann in den Schulen ankommen, könne sie aber aktuell noch nicht sagen. Die pädagogischen Konzepte fehlen Auf die Landesmittel will die Grundschule Brake nicht warten. Sie hat sich als eine von 20 Schulen deutschlandweit gegen 180 Bewerber durchgesetzt und über das Förderprogramm "Schule in der digitalen Welt" des Stifterverbands, der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der Osthushenrich-Stiftung 30.000 Euro gesichert. Die sollen in den kommenden zwei Jahren in die Ausstattung, aber vor allem in die Entwicklung und Umsetzung eines Medienkonzepts und in Fortbildungen für Schüler und Lehrer investiert werden. "Wir stehen ganz am Anfang, bei uns fehlt ganz viel", sagt Schulleiterin Madlen Klarhorst. Die Schule mit 390 Kindern, 241 davon mit Migrationshintergrund, 26 mit Förderbedarf, verfüge gerade mal über zwei Beamer und habe aus eigener Kraft elf iPads angeschafft. Die Kollegen seien hoch motiviert, jedoch auch sehr unsicher. Das hemme. "Im Rahmen des Digitalpakts zahlt die Bundesregierung nur die Hardware", ergänzt Volker Meyer-Gunkel vom Stifterverband. Das Geld kann für besseres Internet, interaktive Tafeln, digitale Arbeits- und Endgeräte wie Laptops und Tablets eingesetzt werden. "Die pädagogischen Konzepte fehlen jedoch." Aber genau die seien immens wichtig, gerade in Zukunft. Gestalten statt konsumieren Da setzt das Projekt an. Jede Schule arbeitet mit einem universitären Partner zusammen. In Brake ist die Uni Bielefeld mit im Boot. "Es gibt viele tolle Möglichkeiten, mit Apps oder Erklärvideos, die heute schon in vielen Schulbüchern als Link aufgeführt sind, die Schüler individuell zu fördern, Lernleistung, Motivation und Begeisterung zu steigern", sagt Andrea Peter-Koop, Professorin an der Fakultät für Mathematik. Zugang hätten die Kinder heutzutage überall. In der Schule gehe es um den bewussten, sinnvollen Umgang mit digitalen Angeboten, um aktives Gestalten statt passives Konsumieren. "Neben der Schule gibt es eine informelle Welt, in der beispielsweise Youtuber Unterrichtsstoff so erklären, dass Kinder das Thema super verstehen", ergänzt Meyer-Gunkel. Diese Inhalte als Lehrer zu kennen und zu nutzen, gehöre auch dazu. Mit geeigneten Medien könne und solle der Lernprozess unterstützt werden. Schule und Digitalisierung, "da treffen zwei Welten aufeinander" Im Netzwerk tauschen die beteiligten Schulen Erfahrungen aus und entwickeln Unterrichtsformate gemeinsam weiter. Die Ergebnisse sollen auch in die Ausbildung der zukünftigen Lehrer einfließen. Zum Programm gehören Coachings mit einem externen Berater. Den Part übernimmt in Brake Julian Michels von der Firma "Pacemaker - Schrittmacher für digitale Schulen". Schule und Digitalisierung, "da treffen zwei Welten aufeinander", sagt Michels, der selbst Lehramt studiert hat. Ziel sei es nicht, am Ende unbedingt überall Tablets zu haben. Vielmehr, den Lehrern Sicherheit zu geben, indem sie wissen, worum es im Einzelnen geht und mit welchen digitalen Hilfsmitteln sie dynamischen, interaktiven Unterricht gestalten und differenzieren können. Digitale Medien kompetent nutzen zu können, sei in Zukunft die Grundlage, erfolgreich am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilnzunehmen. darauf müsse Schule die Kinder vorbereiten. Im nächsten Schritt können dann wiederum auch fitte Schüler Coaches für Lehrer werden. "Wir sind sehr gespannt, was wir in den zwei Jahren erreichen", sagt Klarhorst.

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