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Sechs Autos wurden am 4. August im Dürkopp-Viertel Raub der Flammen. Seitdem brannte es noch sechsmal in Mitte - mindestens fünfmal war es Brandstiftung. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Sechs Autos wurden am 4. August im Dürkopp-Viertel Raub der Flammen. Seitdem brannte es noch sechsmal in Mitte - mindestens fünfmal war es Brandstiftung. | © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

Bielefeld Brandstifter auf freiem Fuß: Kripo Bielefeld sucht zwei Männer

Auch der jüngste Brand wurde gelegt. Bis heute hat die Ermittlungskommssion noch keine heiße Spur

Jens Reichenbach
16.08.2019 | Stand 16.08.2019, 12:16 Uhr |

Bielefeld. Die inzwischen beängstigend lange Serie von Brandstiftungen in Bielefeld beschäftigt weiterhin die aufgestockte „Ermittlungskommission Flamme". Wie Polizeisprecherin Hella Christoph bestätigte, handelte es sich auch dem beim jüngsten Paletten- und Lagerbrand am Mittwochmorgen eindeutig um Brandstiftung. Die Ermittler glauben nicht zwingend, dass für alle Brände ein Täter verantwortlich sei. Es könnten sich auch Brandserien überschneiden, wissen die Experten. Einzelne Brände könnten auch Zufall oder von Trittbrettfahrern gelegt worden sein. Auch scheinbar unwichtige Hinweise können zum Täter führen Deshalb bittet die "EK Flamme" zu jedem einzelnen Brandereignis dringend um Hinweise. „Auch was auf den ersten Blick nicht besonders wichtig erscheint, kann später zum Täter führen", betont Christoph. Tatsächlich arbeiten die Kripobeamten genau solche Hinweise bereits ab. Noch ist aber nicht absehbar, ob eine der Spuren oder Hinweise zum Durchbruch führt. Immerhin: Ein Zeuge beobachtete nach dem Brand am Samstag, 10. August, auf dem Baumarkt-Gelände an der Beckhausstraße zwei männliche Radfahrer davoneilen. Die Kripo hofft dringend auf Hinweise zu diesen beiden Männern. Sie sind 30 bis 40 Jahre alt. Einer trug einen roten Strickpullover und sein Begleiter hatte einen Rucksack auf dem Rücken Minderbegabte sind überdurchschnittlich oft unter den Tätern Wie berichtet, versucht die Polizei aktuell eine Serie von neun bis zwölf Brandstiften aufzuklären. Der Sachschaden ist bereits enorm hoch, eine Frau wurde beim Versuch ein Feuer zu löschen verletzt. Der oder die Täter suchten sich bisher eher versteckte Tatorte, die entweder von befahrenen Straßen abgewandt liegen oder ohnehin schwer einsehbar sind. Wollte der Täter damit seine Entdeckung verhindern oder größtmöglichen Schaden anrichten, weil das Feuer dadurch eher spät entdeckt wird? Zum Täterprofil kann man aus der Erfahrung nur wenig sagen: Die meisten Brandstifter sind männlich und sind psychisch völlig gesund. Bei vielen spiele Zerstörungswut eine große Rolle. Der Anteil an Minderbegabten sei aber bei Brandstiftern überdurchschnittlich groß, sagt der forensische Psychiater Carl-Ernst von Schönfeld. Bisherige Brände im Überblick: Samstag, 1. Dezember 2018, 3.15 Uhr, Stadtheider Straße: Auf dem Gelände einer Spedition explodieren zahlreiche Spraydosen, die auf einem abgestellten Sattelauflieger in Brand geraten sind. Zwei weitere Lastwagen dort brennen aus. Die Kripo geht später von Brandstiftung aus. Der Täter bleibt unbekannt. Mittwoch, 10. Juli, 1.45 Uhr, Sudbrackstraße: Brand einiger Paletten auf dem Gelände der Firma Gehring (Alba Gewürze). Die Kripo geht von Brandstiftung aus. Der Täter wurde nicht ermittelt. Mittwoch, 24. Juli, kurz vor Mitternacht, Dürkopp-Viertel: Brandanschlag auf einen Mercedes B-Klasse. Vermutlich ließ der Täter einen Grillanzünder auf einem Vorderrad liegen. Es entstand ein Schaden von einigen 1.000 Euro. Sonntag, 4. August, 0.30 Uhr, Dürkopp-Viertel: Unbekannte zünden unter einem Carport an der Hermann-Kleinewächter-Straße sechs Fahrzeuge an, der Carport brennt ab, das benachbarte Gebäude wird beschädigt. Ein Gutachter bestätigte schnell den Verdacht der Kripo: Brandstiftung. Donnerstag, 8. August, 22.50 Uhr, Wilhelm-Bertelsmann-Straße: Auf einem Abstellplatz geht das Heck zweier Lastwagen in Flammen auf. Die Feuerwehr kann ein Übergreifen auf weitere sieben Sattelzüge verhindern. Sachschaden: 50.000 bis 80.000 Euro. Brandstiftung. Samstag, 10. August, 1.10 Uhr, Fritz-Meister-Weg: Auf der Terrasse eines Mehrfamilienhauses bricht ein Feuer aus, das auf die Wohnung einer fünfköpfigen Familie übergreift, die im Urlaub weilt. Die Wohnung ist nicht mehr bewohnbar. Zwei Nachbarn erleiden Rauchvergiftungen. Ein Gutachter kann als Brandursache einen technischen Defekt nicht ausschließen. Samstag, 10. August, 2.55 Uhr, Beckhausstraße: Auf dem Außengelände eines Baumarktes geht Kaminholz in Flammen auf. Sprinkleranlage und Feuerwehr verhindern einen Großbrand. Die Brandursache ist laut Kripo noch unklar. Nach NW-Informationen soll hier Brandbeschleuniger gefunden worden sein. Dienstag, 13. August, 2.40 Uhr, Fritz-Reuter-Straße:Ein Auto der Marke Hyundai geht in Flammen auf. Ein Ford, der nebenan parkt, wird ebenfalls beschädigt. Dienstag, 13. August, 5.15 Uhr, Meller Straße:Eine mobile Baustellentoilette brennt an der Meller Straße. Die Feuerwehr kann den Brand löschen. Mittwoch, 14. August, 5.20 Uhr, Wilhelm-Bertelsmann-Straße:Holzpaletten einer Spedition gehen in Flammen auf. Das Feuer schlug aufs Dach des Gebäudes über

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