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Wer sind die neuen Rechten, die sich seit dem Höhepunkt der Zuwanderung 2015 gegen Migration und Asylbewerber engagieren? Bielefelder Forscher wollen das jetzt herausfinden. - © Symbolfoto: picture alliance
Wer sind die neuen Rechten, die sich seit dem Höhepunkt der Zuwanderung 2015 gegen Migration und Asylbewerber engagieren? Bielefelder Forscher wollen das jetzt herausfinden. | © Symbolfoto: picture alliance

Bielefelder Online-Umfrage: Bielefelder Forscher suchen Zuwanderungs-Gegner

Institut für Konflikt- und Gewaltforschung will mit Online-Umfrage Radikalisierungsentwicklung im Kontext des Flüchtlingsthemas erforschen

Jens Reichenbach
15.08.2019 | Stand 15.08.2019, 10:27 Uhr

Bielefeld. Seit 2015 – dem Höhepunkt der Flüchtlingszuwanderung – ist eine neue Gruppe von Menschen in Deutschland spürbar, die sich offen gegen Zuwanderung in Deutschland engagiert. Die Wissenschaftler des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld wollen die Motivation dieser neuen rechten Zielgruppe mit einer anonymen Online-Umfrage und über Interviews näher kennenlernen. „Wir gehen davon aus, dass es sich bei dieser Zielgruppe um Personen von nebenan handelt und nicht um langjährig engagierte Rassisten oder Nazis", erklärt Erziehungswissenschaftlerin Hannah Mietke, die dem Projektteam „Sicherheit und Zuwanderung" angehört. „Wir wissen wenig über diese Gruppe. Deswegen wollen wir von ihnen erfahren, warum sie plötzlich gegen Geflüchtete aktiv wurden." Straftäter, die vorher nicht in Erscheinung  getreten sind Teilweise begingen sie sogar Straftaten, obwohl sie vorher in dieser Hinsicht noch gar nicht in Erscheinung getreten sind. Trotz sinkender Tendenz sei die Zahl der Straftaten gegen Asylbewerber oder ihre Unterkünfte immer noch „extrem hoch", sagt Mietke. Die Bielefelder Forscher, die mit dem Zentrum für Rechtsextremismusforschung und Demokratiebildung an der Uni Jena kooperieren, haben zwei konkrete Zielgruppen für ihre qualitative Studie im Auge: Auf der einen Seite gehe es ihnen um Menschen, die in den vergangenen drei Jahren durch Straftaten gegen Geflüchtete oder Asylunterkünfte aufgefallen sind. Warum hetzen sie im Internet und auf Demos? Dabei seien aber nicht nur Gewalttaten gemeint, sondern auch Beleidigungen im Internet. Zur zweiten Zielgruppe gehören Teilnehmer von Anti-Migrations-Demos und Internetnutzer, die online gegen Fremde wettern (Hassreden). An der Online-Umfrage, die bundesweit veröffentlicht werden soll, kann trotzdem jeder teilnehmen, betont die Forscherin. „Auch Personen, die zur Migration positiv stehen, könnten die Fragen beantworten und Kritik an der aktuellen Situation formulieren." Interviews mit Häftlingen: "Sie haben sehr offen gesprochen" Mit einem Teil der Umfrageteilnehmer wollen die Bielefelder Wissenschaftler noch ausführlichere Interviews führen. „Wir haben schon Straftäter in Gefängnissen befragt. Das Feedback war relativ groß", sagt Mietke. „Diese Häftlinge haben sehr offen mit uns über ihre Motivation gesprochen." Die Online-Umfrage der Uni Bielefeld nimmt 5 bis 10 Minuten Zeit in Anspruch.

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