Sebastian Lisken und Claudia Böhm vom Radentscheid fahren voran. - © Mike-Dennis Müller
Sebastian Lisken und Claudia Böhm vom Radentscheid fahren voran. | © Mike-Dennis Müller

Bielefeld Großer Andrang auf Bielefelds erstem geschützten Radschnellweg

Dennis Rother
29.06.2019 | Stand 30.06.2019, 15:27 Uhr

Bielefeld. Mitglieder des Radentscheids haben auf einer Beispielstrecke der Artur-Ladebeck-Straße am Samstag gezeigt, wie sie sich die Zukunft fürs Radeln in der City vorstellen. Dafür haben sie den rechten Auto-Fahrstreifen mit Pylonen und Blumentöpfen vom linken abgetrennt und den Radlern nicht nur sprichwörtlich einen "roten Teppich" ausgerollt. In Fahrtrichtung Adenauerplatz mussten sich auf 250 Metern zwischen Betheleck und Mühlendamm ab dem frühen Mittag Autofahrer auf eine Spur einfädeln. Die Aufteilung zwischen 12 und 15 Uhr: links Pkw, rechts Fahrräder. Die Organisatoren um die Sprecher Claudia Böhm und Sebastian Lisken wollten beweisen, dass man auch auf Einfallschneisen sicher Rad fahren könnte - wenn es denn von den Menschen, die an politischen Schalthebeln sitzen, auch durchgesetzt würde. In Osnabrück gibt es geschützte Radschnellwege schon Die Wahl des Ortes bei der von der Polizei begleiteten Aktion - es war eine angemeldete Demo - fiel nicht ohne Grund auf die Artur-Ladebeck-Straße. Es sollte plastisch dargestellt werden, wie der angedachte Radschnellweg zwischen der Innenstadt und Brackwede sowie weiterführend Gütersloh aussehen könnte. "Beispielhaft und wegweisend", so Sebastian Lisken. Und notwendig, ergänzt Andreas Finke. Der Bielefelder, ebenfalls beim Radentscheid engagiert, fährt täglich mit dem Rad nach Gütersloh zur Arbeit. Eine teils enge, unsichere Strecke. Noch. Nur: Wie realistisch sind die Hoffnungen auf eine flächendeckende Umsetzung solcher "protected bike lanes"? Claudia Böhm betont: "In Osnabrück gibt es sie bereits." Laut Radentscheid solle die Stadt nun pro Jahr an Hauptstraßen mindestens fünf Kilometer geschützte Radwege ausweisen. Mindestens 2,3 Meter breit pro Richtung, farbig asphaltiert, baulich getrennt von Autos und Fußgängern. Fünf Kilometer an Radschnellwegen für den Berufs- und Pendelverkehr sollen pro Jahr hinzukommen - und eine grüne Radlerwelle bei einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. "Der Verkehr würde sich verlagern" Klar ist: Viele sorgen sich, dass der Autoverkehr bei der ohnehin angespannten Lage gänzlich zum Erliegen kommt, sollten ganze Fahrstreifen nun noch weggenommen werden.  Laut Sebastian Lisken gehe man allerdings zumindest perspektivisch davon aus, dass Autofahrer mutmaßlich aufs Rad umsteigen würden, wenn man ihnen die geeignete Alternative - in Form einer gut ausgebauten Radinfrastruktur - geben würde. "Der Verkehr würde sich schlicht verlagern", glaubt er. Am Samstag gab es ohne Berufsverkehr jedenfalls keinen größeren Rückstau auf der Auto-Fahrspur. Stattdessen viele staunende, interessierte Blicke aus heruntergekurbelten Fenstern. Radentscheid-Mitglieder, Passanten, aber auch Oberbürgermeister Pit Clausen testeten während der rund drei Stunden dauernden Aktion die außergewöhnliche Strecke. Weitere Aktionen seien bereits geplant, hieß es vom Radlerbündnis.

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