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Martin Lacey mit einem Löwen. - © Andreas Zobe
Martin Lacey mit einem Löwen. | © Andreas Zobe

Bielefeld Zirkus Krone in Bielefeld: "Demonstranten machen sich hier lächerlich"

Immer wieder muss sich der Tierzirkus mit seinen Kritikern auseinandersetzen

Moritz Trinsch
27.06.2019 | Stand 28.06.2019, 09:33 Uhr

Bielefeld. Knapp 40 Tierschützer haben jetzt vor dem Zelt des „Circus Krone" demonstriert. Sie protestierten dagegen, dass Tiere für Unterhaltungszwecke „missbraucht" werden. Belege für ein Leiden der Tiere oder konkrete Regelverstöße können sie aber nicht vorlegen. Das liegt auch daran, dass sie sich bislang noch nie die Tierhaltung im Zirkus Krone angeschaut haben, wie sie selbst auf Nachfrage bestätigen. "Löwen sind extrem faul, sie schlafen bis 20 Stunden am Tag" Frank Keller, der Tierschutzbeauftragte des Zirkus, hat dazu eine klare Meinung: „Keiner hat sich die Mühe gemacht hier durchzugehen. Dann würden sie nämlich sehen, wie es den Tieren geht. Die machen sich lächerlich wenn sie hier demonstrieren." Demonstrant Simon Anhut von „Animal Rights Watch OWL" kritisiert dagegen den Gesamtkomplex Tierzirkus. „Egal wie man es dreht. Im Zirkus Krone ist keine artgerechte Haltung möglich." Löwen-Dompteur Martin Lacey jr. findet die Kritik der Tierschützer haltlos. Die Tiere würden sich nicht anders verhalten, als in der Natur auch. „Löwen zum Beispiel sind extrem faul. Sie schlafen 18 bis 20 Stunden am Tag. Wir lassen sie ihren Tag gestalten, nicht andersrum", sagt Lacey. Krones Tierschutzbeauftragter Keller erklärt den enormen menschlichen Einfluss auf die Tiere. Für jedes der 100 Tiere gebe es spezielle Ernährungs- und Bewegungspläne sowie Vitaminpräparate. Die 29 Löwen und Tiger Essen pro Tag 232 Kilogramm Rind-, Hühnerfleisch sowie Innereien. Zudem würden die Tiere deutlich älter als in freier Wildbahn. Löwen werden beispielsweise 26 statt 12 Jahre. "Der Einzige, der Stress hatte, war ich" Bevor neugeborene Löwen erstmals vor Publikum auftreten dürfen, vergehen laut Zirkus mindestens drei Jahre. In Spielgruppen werden ihre natürlichen Vorlieben analysiert. „Manche mögen lieber das klettern, andere sind eher spielerisch unterwegs", sagt Keller. Anhand der sich selbst entwickelten Vorlieben würden dann die Programme erarbeitet. „Das Einzige, was wir machen, ist, dass wir die natürlichen Bewegungsabläufe auf Kommando abrufen", versichert Keller. Besondere Kunststücke gebe es schon seit Jahren nicht mehr. Durch Feuerreifen springende Löwen gehören der Vergangenheit an. Man gehe mit der Zeit. Die Zuschauer wollten so etwas nicht mehr sehen. Heute stehen etwa Elefanten im Mittelpunkt, die sich auf ihre Hinterbeine stellen oder den Rüsselstand machen. In der freien Natur würden sie mit diesen Bewegungen nach Nahrung suchen. Martin Lacey jr. arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Löwen zusammen. Immer wieder muss sich der Engländer praktischen und theoretischen Prüfungen unterziehen. „Er kennt seine Tiere, und er weiß wie er mit ihnen umgehen muss", sagt Keller. Wissenschaftlich nicht nachgewiesen In einer Studie haben Lacey und die Universität Münster das Stressverhalten der Löwen während des Transports von Monte Carlo nach München untersucht. Dafür wurden den Löwen Speichelproben entnommen und auf den Cortisol-Wert untersucht. Dieser ist ein untrügliches Zeichen für Stress. „Der Einzige, der Stress hatte, war ich", erklärt Lacey. „Unseren Tieren geht es gut. Das ist Fakt und von der Wissenschaft belegt." Selbst in ihren Gehegen seien sie angespannter gewesen. Ob die Wildtiere in Menschenobhut sich auf Gefühlsleben wirklich wohl fühlen oder nicht, ist bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Die einzelnen Kommunalverbote hält Keller für den „größten Quatsch". „Entweder wir klagen dagegen oder wir nutzen privates Gelände. Wir kommen auf jeden Fall."

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