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Gegen den Zirkus Krone formiert sich in Bielefeld Widerstand. - © Pixabay
Gegen den Zirkus Krone formiert sich in Bielefeld Widerstand. | © Pixabay

Bielefeld Demonstration gegen den Circus Krone in Bielefeld

Bündnis bezeichnet Aktivisten als "fanatische Tierrechtler"

Moritz Trinsch
17.06.2019 | Stand 17.06.2019, 18:29 Uhr

Bielefeld. Circus Krone kommt nach Bielefeld. Vom 27. Juni bis zum 1. Juli öffnet der Zirkus seine Zelte auf der Radrennbahn. Der nach eigener Aussage größte Zirkus der Welt wird mit insgesamt 100 Tieren im Gepäck anreisen, die an neun Terminen die Zuschauer mit Kunststücken, artistischen Meisterleistungen und perfekten Choreographien verzücken sollen. Gegenwind von Aktionsbündnis Um auf das "Leid der Wildtiere im Zirkus" aufmerksam zu machen, veranstaltet der Verein Animal Rights Watch (ARIWA) eine Mahnwache vor dem Zirkuszelt. Gleich vor Beginn der Eröffnungsshow (ab 18 Uhr) konfrontieren sie die Zuschauer mit dem tierischen Elend, dass durch sie zusätzlich unterstützt werde. "Wer das Leid der Tiere lindern will, muss es für die Menschen sichtbar machen", so das Motto von ARIWA. Ebenfalls dabei ist die Bielefelder Hochschulgruppe VENGA - Aktiv für Tierrechte. Bereits 2014, beim letzten Besuch von Zirkus Krone, haben ARIWA und VENGA zusammen demonstriert. Gegenwind bekommen die Tierschützer vom Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Zirkus". Dieser bezeichnet die Demonstranten in einem Dankesbrief an den Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen als "fanatische Tierrechtler", die den Zirkus mit "haltlosen Vorwürfen überziehen und dessen Tierhaltung in einem falschen Licht erscheinen lassen wollen." Vor wenigen Stunden geraten während der Premierenvorstellung des Zirkus Krone in Osnabrück drei Elefanten in der engen Manege aneinander - eines der Tiere stürzt durch das Gerangel in den Zuschauerraum. https://t.co/3LgneBL4sepic.twitter.com/lYdQhekno9 — Lipp. Landes-Zeitung (@lzonline) July 4, 2018 Paprika-Koalition wollte Wildtierzirkusse bereits verbieten Die Paprika-Koalition aus SPD, Grüne, Bürgernähe und Piraten will schon seit mehreren Jahren keinen Wildtierzirkus mehr in der Stadt haben. 2016 verabschiedete sie deshalb einen Beschluss, der es verbietet städtische Flächen für Zirkusse mit Wildtieren bereitzustellen. In einem Eilverfahren hat das Verwaltungsgericht Minden diesen Beschluss allerdings gekippt. Bielefeld würde sich mehrfach gegen übergeordnete Gesetze hinwegsetzen. Nur das Bundesumweltministerium darf laut Tierschutzgesetz "die Zurschaustellung wildlebender Tiere an wechselnden Orten beschränken oder verbieten". Auf Bundesebene zeichnet sich allerdings keine Gesetzesänderung ab. Bereits 2016 forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, ein Wildtierverbot in Zirkussen einzuführen. Der Bundesrat begründet seinen Vorstoß mit zahlreichen Verstößen in der Tierhaltung und den Übergriffen der Tiere auf Menschen. Bislang verhindert ein Streit in der Großen Koalition eine bundesweite Regelung. Die CDU sehe keinen Handlungsbedarf, die SPD setzt sich nur zaghaft dafür ein. Zirkus beschreibt sich als tierfreundlich Zirkus Krone selbst beschreibt sich als tierfreundlicher Zirkus, der die bundesweiten tierrechtlichen Standards einhalte. Mit luftgefederten Spezialtransporten, großzügigen Freigehegen und Beschäftigungsmöglichkeiten gehe man sogar noch darüber hinaus. Auch die gezeigten Kunststücke seien keine Quälerei für die Tiere. "Alle Dressuren basieren auf den natürlichen Verhaltensweisen und Bewegungsabläufen der Tiere", so der Zirkus. "Alles, was die Tiere in der Manege des Circus Krone tun, jede einzelne Bewegung, ist vollkommen natürlich. Die Dressur macht nur möglich, dass sie natürliche Bewegungen auf Kommando ausführen. Das gelingt mit Belohnungen. Beim Löwen etwa mit einem Stück Fleisch", sagt Martin Lacey jr., der beim Circus Krone mit den Löwen auftritt. Im EU-Vergleich: Deutschland zweimal trauriger Spitzenreiter Deutschland ist eines von fünf Ländern in der EU, in denen es keine nationalen Wildtierverbote in Zirkussen gibt. Anders als in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Litauen, komme es allerdings gerade in Deutschland immer wieder zu Unfällen. Nach Angaben der Tierrechtsorganisation PETA gab es in der EU im Zeitraum von 1995 bis 2017 305 Unfällen mit Wildtieren im Zirkus. Knapp die Hälfte davon - 138 Unfälle - ereigneten sich in Deutschland. Auch bei den Todesfällen ist Deutschland EU weit trauriger Spitzenreiter. Insgesamt kamen 27 Menschen ums Leben. Der Circus Krone klagt gegen Ansbach. #BR_querpic.twitter.com/WZReiReQ6s — quer vom BR (@BR_quer) 15. März 2019 Auch in der Bevölkerung wird die Wildtierhaltung in Zirkussen immer öfter hinterfragt. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2014, glauben 82 Prozent nicht daran, dass eine artgerechte Haltung in einem Zirkus möglich ist. Auch viele Bielefelder stehen dieser Art von Unterhaltung skeptisch gegenüber. Bislang ist keine der Veranstaltungen von Zirkus Krone ausverkauft. Klar ist: Trotz Skepsis vieler Bielefelder Bürger und der Paprika-Koalition werden auch in Zukunft weitere Wildtierzirkusse in der Stadt gastieren. Voraussichtlich noch bis 2022. Nicht zuletzt weil die Bundesregierung keine grundlegende Gesetzesreform auf den Weg bringt. Lesen Sie auch: Zirkus Krone kommt nach Bielefeld - und die Stadt bekommt einen Dankesbrief Landwirtschaftsministerin Klöckner sperrt sich gegen Verbot von Elefanten im Zirkus Elefant büxt aus Zirkus Krone aus und spaziert durch Wohngebiet

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