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Hermann Bickhoff mit einem Fotoalbum, in dem die Bilder und Widmungen von Udo Jürgens gesammelt sind. Am 7. Oktober 1965 wünscht der Sänger dem Wirt „alles Gute“. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Hermann Bickhoff mit einem Fotoalbum, in dem die Bilder und Widmungen von Udo Jürgens gesammelt sind. Am 7. Oktober 1965 wünscht der Sänger dem Wirt „alles Gute“. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Bielefeld „Udo Jürgens war mein Freund“

Hermann Bickhoff (82), ehemals Besitzer des Ambassador-Clubs, kämpft noch heute mit den Tränen

Thomas Güntter
23.12.2014 | Stand 07.01.2015, 16:13 Uhr

Bielefeld. Es muss irgendwann im Jahr 1965 gewesen sein. Der Gastronom Hermann Bickhoff, der den Ambassador-Club unterhalb der Sparrenburg betreibt, bekommt einen Anruf von einem Mann, der sagt, dass er ein Konzert gegeben habe, im Christlichen Hospiz übernachten werde und jetzt Hunger verspüre. Ob er im Ambassador noch etwas zu essen bekäme: Bratkartoffeln und ein Filetsteak wären gut. Im Ambassador gibt es bis um 5 Uhr in der Früh zu essen. Wer war das, wollen die Angestellten wissen. „Irgend so ein Typ. Hat gesagt, er wäre Udo Jürgens“, grummelt Bickhoff. Es war Udo Jürgens. Der war damals schon berühmt, hatte aber seinen Durchbruch noch nicht erlebt. Der sollte erst ein Jahr später kommen, 1966 beim Grand Prix Eurovision mit dem Titel „Merci Chérie“. Ins Ambassador kam er mit zwei Musikern, Willi und Siggi Übelherr, sowie dem Schlagzeuger Bob Blumenhofen. Udo setzte sich an den Tresen und sein Teller fiel fast runter. Bickhoff: „Das war ihm damals so peinlich, dass er am liebsten gleich wieder gegangen wäre.“ Udo und seine Musiker bleiben, essen und trinken. Udo am liebsten Wodka Lemon. Am Nebentisch sitzt in dieser Nacht Heinrich Poggemeier, Geschäftsführer des Großhandels für Gastronomie und Hotelgewerbe. Poggemeier schreit: „Ich muss sofort meinen Töchtern Bescheid sagen. wenn die morgen erfahren, wer hier war, und dass ich ihnen nichts gesagt habe, kriege ich einen Riesenärger.“ Bei den Frauen hatte der Sänger schon immer Schlag. Also sagt Poggemeier seinen Töchtern Eveline und Reinhild, die schräg gegenüber wohnen, Bescheid. Die jungen Frauen kommen und staunen. Die Gesellschaft wird immer lustiger. Gegen 3 Uhr morgens wollen Udo Jürgens und die anderen Gäste schwimmen gehen. Also ruft Bickhoff bei Eva-Maria Hesseldieck in Hoberge an. Die hat mit ihrem Mann einen Lebensmittelgroßhandel und eine private Schwimmhalle. Morgens um 4.30 Uhr kommen die Autos mit den Gästen an, die sich nackig, wie der Herrgott sie erschuf, in die gechlorten Fluten stürzen. „So fing das damals an“, sagt Bickhoff und ist plötzlich ganz traurig. Am Sonntagabend hat er die Todesnachricht im Fernsehen vernommen: „Ich kann noch gar nicht glauben, dass er tot ist. Er war doch zwei Jahre jünger als ich.“ Vor dem Bildschirm habe er ein bisschen geheult. „Udo Jürgens war mein Freund“, sagt Bickhoff, so einen finde man nicht wieder. Mehr als 30 Mal habe der Sänger, wenn er in der Nähe war, bei ihm vorbeigeschaut. Egal ob Udo auf der Bühne der Oetkerhalle, später der Stadthalle, in Bad Salzuflen oder in der Eierhalle von Kaunitz auf der Bühne stand und sang. Udo war Bayern-Fan. Franz Beckenbauer war auch sein Freund. „Udo war ein ganz Großer und dabei ist er Mensch geblieben.“ Das ist so ein Moment, wo Hermann Bickhoff mit den Tränen kämpft.

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