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Fifa goes Straße: Der Volta-Modus erinnert nicht nur optisch an das effektvolle Gebolze in Fifa Street. - © EA Sports
Fifa goes Straße: Der Volta-Modus erinnert nicht nur optisch an das effektvolle Gebolze in Fifa Street. | © EA Sports

Games FIFA 20 im Langzeittest: Mehr Spielspaß, aber auch viele Schwierigkeiten

Es ist da - aber ist es auch besser? Unser Test.

Jan Ahlers
16.10.2019 | Stand 16.10.2019, 19:17 Uhr

EA Sports. It's in the game. Wie jedes Jahr. Mehr als 20 Jahre lang flimmern Fußballspieler über die Bildschirme. Mit Zidane, Elber, Ronaldo ging es los, mit Kaka, Ronaldinho und Henry weiter. Wer seine Konsole im Herbst 2019 anwirft, um sich auf die wackere Mission zu begeben, den virtuellen FIFA-Thron zu besteigen oder sich zumindest nicht im Freundeskreis zu blamieren, der setzt auf Kylian Mbappe. Auf Jadon Sancho. Auf Virgil van Dijk. Wir haben „FIFA 20" getestet. Lohnt sich der Kauf für Spätentschlossene? Die Begründung jener, die nicht bereit sind, jährlich 60 bis 70 Euro für die jeweils neueste Version der Fußballsimulation zu bezahlen lautet oft: „Für das Geld gibt es nur ein besseres Spielerupdate." Was die Spielphysik angeht, ist dem beim Vergleich von FIFA 19 und FIFA 20 nicht so – Herausgeber EA Sports hat einige Punkte angepackt. Das Verteidigen ist viel situativer, viel schwieriger geworden. Wer sich an Hurra-Fußball und bedingungsloser Offensive versucht, der sieht in der Verteidigung die Felle rasch davonschwimmen. Von einigen vertrauten Mustern müssen Spielern sich verabschieden Die Torhüterleistung wurde dagegen verstärkt. Ein Tor nach Schema X erzielen, ist (zumindest gegen Online-Gegner) schwierig bis fast unmöglich. Die im Vorjahr viel zu starken „Finesse Shots" spielen eine geringere Rolle, die ähnlich effizienten Kopfbälle bringen fast gar keinen Erfolg mehr und machen Flankenläufe fast unnütz. Bei der Ausführung von Elfmetern und Freistößen kommt ein ganz neuer Ablauf auf die Spieler zu und erfordert Gewöhnungszeit. Das spielerische Gesamtpaket macht FIFA attraktiver, auch wenn sich KI-Gegner selbst auf höheren Schwierigkeiten noch zu leicht überspielen lassen. Noch immer ist die Simulation einsteigerfreundlich als Rivale „Pro Evolution Soccer", noch immer ist es mitentscheidend, möglichst viel Tempo aufzubringen. Und noch immer produziert der Hersteller – leider – viel zu viele Fehler, die den Spielspaß einschränken. Die Behauptung, ein unfertiges Produkt auf den Markt gebracht zu haben, sie ist nicht völlig haltlos. Etliche Probleme, die den Spielspaß schmälern Ein Beispiel: Für die Registrierung zur „Global Series", in der sich die besten E-Sportler miteinander messen, gab es gar ein massives Datenleak, in dessen Zuge private Daten von mehr als 1.600 Teilnehmern versehentlich veröffentlicht worden waren. Im beliebten Ultimate-Team-Modus kam es in den ersten Wochen zu teils massiven Serverstörungen, im Karrieremodus klagen Spieler darüber, dass die besten KI-Gegner aufgrund eines Bugs ständig die Reservespieler in die Startformation beordern – dass Mannschaften wie Bayern München oder Manchester City plötzlich absteigen, ein in der Realität undenkbares Szenario, passiert bei FIFA 20 immer mal wieder. Ein Mitte Oktober veröffentlichtes Update soll diese Probleme beseitigen. Schön sind dagegen die neuen Zwischensequenzen mit Spielerinterviews, die dennoch den Spielspaß senken. Denn bei genauerer Betrachtung sind die Antwortmöglichkeiten auf zahlreiche Fragen schlicht absoluter Blödsinn. EAs erste Priorität war wohl wieder Ultimate Team Kritiker fühlen sich bestärkt in der Auffassung, dass EA Sports ein weiteres Jahr allen voran den lukrativsten Modus „Ultimate Team" weiterentwickelt hat, in dem mit Mikrotransaktionen Hunderte Millionen Euro umgesetzt werden. Gleichwohl klagen FUT-Zocker über mangelnde Inhalte etwa in Form von Wettbewerben, Tagesherausforderungen und SBC-Puzzles. Echte Neuheiten wie der Straßenfußballmodus „Volta", der vor allem für launige Abende im Freundeskreis gemacht ist, gehen angesichts der zahlreichen Baustellen fast unter. Dabei steckt hinter Volta mehr als ein neuer Ableger der einst so erfolgreichen Arcade-Simulation „FIFA Street". So kann ein selbsterstellter Charakter mit seiner Mannschaft stetig verbessert werden, zudem gibt es einen Ligen-Modus, der FUT ähnelt, aber letztlich nicht mit dem „großen Bruder" mithalten kann. Den meisten Spaß macht Volta deshalb gegen fußballbegeisterte Kumpels – obgleich es schwieriger als gedacht ist, zum Torerfolg zu kommen. Juventus heißt hier übrigens "Piemonte Calcio" Die verschiedenen Freundschaftsspiel-Modi, die bei FIFA 19 etabliert wurden, gibt es auch in der aktuellen Version. Nicht jeder von ihnen bot Langzeitspielspaß, so etwa der „Ohne-Regeln-Modus", in dem Spieler konsequenzlos umgegrätscht werden durften, der schnell eintönig wurde. Ähnlich könnte es mit dem neuen Modus „Überraschungsball" laufen – hier wird bei jedem An- und Abstoß, Freistoß und Einwurf eine neue Spielfähigkeit geboostet, zudem zählen Tore teils doppelt und dreifach. Zumindest beim ersten Test aber macht der Modus Laune. Den großen Vorteil gegenüber Simulations-Rivale PES 2020 (hier geht's zum Test) zieht EA Sports aus dem weiterhin umfassenden Lizenzpaket. Einer von wenigen Wermutstropfen ist, dass Juventus Turin exklusiv beim asiatischen Konkurrenten vermarktet wird und „FIFA" daher auf einen ungewöhnlichen Fantasienamen zurückgreifen müssen. Bislang hat die Gamingcommunity „Piemonte Calcio" aber ohne großes Murren aufgenommen. Bleibt nur noch eine letzte Frage zu beantworten: Wer ist der beste Spieler? In der Vergangenheit setzten fast alle FIFA-Zocker auf Cristiano Ronaldo, der das stärkste Gesamtpaket hervorgebracht hatte. Aktuell ist seine Kopfballstärke aber weitestgehend wirkungslos, sodass die Mehrheit der E-Sportler wieder zu Lionel Messi tendiert. Als Dritter im Bunde ist Paris-Stürmer Kylian Mbappé zu nennen. Keiner ist schneller als der 20-Jährige, der im jungen Alter bereits auf eine Gesamtstärke von 89 Punkten kommt und das kommende Fußball-Jahrzehnt maßgeblich prägen dürfte. Fifa 20 ist für PC, PS4 und Xbox One erhältlich und kostet rund 60 Euro.

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