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Frauen sollen regelmäßig ihre Brust abtasten, um Veränderungen festzustellen. - © picture alliance / dpa Themendienst
Frauen sollen regelmäßig ihre Brust abtasten, um Veränderungen festzustellen. | © picture alliance / dpa Themendienst

Gesundheit Gute Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen für Brustkrebspatienten

Eine Oberärztin vom Klinikum Bielefeld erklärt, warum die Behandlung in einem zertifizierten Brustzentrum wichtig ist

Andrea Sahlmen
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 08:16 Uhr

Bielefeld. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat Brustkrebs. Damit ist sie eine von rund 70.000 Deutschen, die pro Jahr neu am sogenannten Mammakarzinom erkranken. Es ist die häufigste Krebsart bei Frauen, rund 30 Prozent der Erkrankten ist unter 55 Jahre. „Es ist erschütternd, wie viele junge Frauen an Brustkrebs erkranken", sagt Indra Babin, Oberärztin im Brustzentrum am Klinikum Bielefeld. Sie rät allen Frauen, ihre Brust regelmäßig abzutasten und den Mut zu haben, einen Frauenarzt aufzusuchen, wenn etwas auffällig sei. „Veränderungen an der Brust sollten unbedingt ernstgenommen werden", sagt sie. Die schriftliche Aufforderung für alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren an einem Mammographie-Screening teilzunehmen sei wichtig, aber es gebe auch unter und über dem Alter Patientinnen, die gefährdet seien, macht Babin deutlich. Soziales Netzwerk von großer Bedeutung Falls die Diagnose Brustkrebs gestellt wird, ist die Therapie in einem zertifizierten Brustzentrum von Vorteil. Denn dort gibt es neben der medizinischen Versorgung auch andere Angebote, die den Betroffenen helfen sollen, wieder gesund zu werden. Die Psychoonkologie oder der Sozialdienst können bei der Genesung unterstützen, wenn es gewünscht wird. Doch viel muss auch vom Patienten selbst oder aus dessen Umfeld kommen. „Es ist total wichtig, ein Netzwerk zu haben", macht Babin deutlich. „Die Angebote aus dem Brustzentrum können eine Familie niemals ersetzen." Die Psychologie sei schon sehr wichtig, so die Ärztin. Häufig komme die Frage auf, was man jetzt verändern könne. „Patienten sollen Sport machen, sich gesund ernähren und ihre Autonomie behalten", rät die Oberärztin des Klinikums Bielefeld. Immer mehr Möglichkeiten der Behandlung Auch die Bekämpfung der Tumore sei in einem Brustzentrum mit einigen Vorteilen behaftet. „Jeder vierte Chemotherapie- Patient ist bei uns in einer Studie", erklärt Babin. So komme es auch schon einmal vor, dass Patienten in den Genuss von Therapien und Testungen kommen, die es noch nicht auf dem Markt gibt. Ob die Betroffene eine Operation, Bestrahlung oder auch eine Chemotherapie braucht, ist sehr unterschiedlich. Jede Therapie ist auf den Patienten zugeschnitten. „Vieles ist im Wandel", sagt die Ärztin. „Das finde ich beruhigend, denn es gibt immer mehr Möglichkeiten der Behandlung." 80 prozentige Heilungschance Auch wie lange eine Behandlung dauert, ist äußerst unterschiedlich. „Mit einer Chemotherapie kann es bis zu einem Jahr dauern", sagt Babin. Für die Wundheilung nach einer OP könne man rund einen Monat rechnen, Bestrahlung dauert bis zu sechs Wochen, anschließend können Patienten eine Anschlussheilbehandlung machen. Das Ziel ist eine vollständige Genesung der Frauen, die Heilungschancen bei Brustkrebs liegen bei rund 80 Prozent, abhängig vom Patienten, der Art des Karzinoms und der jeweiligen Behandlung. Konkrete Zahlen zu nennen sei deshalb immer schwierig.

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