Die Puppenserie "Die Dinos" wurde wegen ihres gesellschaftskritischen Humors vor fast 25 Jahren eingestellt. - © picture-alliance
Die Puppenserie "Die Dinos" wurde wegen ihres gesellschaftskritischen Humors vor fast 25 Jahren eingestellt. | © picture-alliance

Klimawandel "Die Dinos" wussten schon vor 25 Jahren, dass die Menschheit eigentlich nicht zu retten ist

Die Puppenserie wurde mehr als zwei Jahrzehnten eingestellt - wegen ihres gesellschaftskritischen Humors. Heute hat man das Gefühl: Bei den Machern muss es sich um Hellseher gehandelt haben.

Matthias Schwarzer

Wer als Kind die Puppenserie "Die Dinos" im Fernsehen sah, der fand vor allem eins lustig: Das Baby. Der Spruch "Nicht die Mama" ist heute weltbekannt, man lachte über den tollpatschigen Dino-Papa Earl Sinclair und die brutale Dino-Oma Ethel. Wer die Serie fast 25 Jahre später noch mal schaut, der kommt vor allem eins: ins Grübeln. Und wer es bis zur letzten Folge schafft, der ist sich sicher: "Die Dinos" wussten vor fast 25 Jahren schon, dass wir eigentlich nicht zu retten sind. Dinodämmerung Irgendwann, hundert Millionen Jahre vor Christus, blickt Dino-Papa Earl zusammen mit seiner Familie in den Sommerhimmel. Der Moderator im Fernsehen kündigt eins der "wunderbarsten Schauspiele" an, die "Mutter Natur zu bieten" habe. Doch die "Schwarmkäfer", auf die die ganze Dinowelt wartet, kommen nicht. "So ein Aufstand wegen der paar Käfer, ist doch völlig egal ob die da sind oder nicht", stellt Papa Earl fest - und bittet seine Familie zum Essen. Später stellt sich heraus: Die Käfer werden nicht mehr kommen. Denn sie wurden durch die Machenschaften der Firma "Treufuß" vernichtet. Der Wildwuchs der Pflanzen, der normalerweise von den Käfern gestoppt wird, wird zur Plage. "Die Dinos" treffen daraufhin eine Reihe ziemlich dummer Entscheidungen, die eine ökologische Katastrophe nach der anderen auslösen. Und der Zuschauer guckt hilflos dabei zu. Die "besorgten Bürger" retten die Erde Ein Krisenstab, der sich (kein Witz!) "die besorgten Bürger" nennt, entscheidet, die Pflanzen aus der Luft zu vernichten - und vernichtet gleich alle anderen Pflanzen mit. Nichts wächst mehr auf der Erde, die Welt versinkt im Staub. Als letzte Maßnahme sprengen die "besorgten Bürger" die Vulkane, damit es Regenwolken und endlich wieder Wasser gibt. Doch die Erde wird in eine große Staub- und Ascheschicht gehüllt - es kommt zu einer Eiszeit. Die Dinos haben nichts mehr zu essen und frieren. Am Ende blickt Familie Sinclair aus dem Wohnzimmerfenster. Papa Earl spricht zu seinem kleinen Sohn und erklärt ihm: "Dein Papa sollte eigentlich auf die Welt aufpassen. Jetzt hat er die Sache ein bisschen versiebt." "Ziehen wir um?", fragt Baby Sinclair. "Nein, wir haben nur diese Welt", sagt Earl. "Aber wir könnten versuchen, sie mit einem großen Föhn wieder aufzutauen." Die letzte Folge der Serie "Die Dinos" wurde am 14. Oktober 1994 ausgestrahlt. Abgesetzt wurde sie zuletzt, weil ihr gesellschaftskritischer Humor den Sendeanstalten zu weit ging. Sonnenschirm für die Erde 24 Jahre später, am 9. August 2018, sendet "Spiegel Online" eine Push-Mitteilung auf die Smartphones seiner Nutzer. "Lässt sich der Klimawandel aufhalten, indem man die Atmosphäre verschattet?" lautet die Überschrift des Artikels. Im Text selbst kommen mehrere Wissenschaftler zu Wort. Es geht um sogenanntes "Geoengineering" (also der technische Eingriff in globale Kreisläufe, oder auch: "experimentelle Chirurgie"). Kann man versuchen, ist aber riskant. Beispielsweise wäre eine Art "Sonnenschirm" für die Erde denkbar. Im All könnte man Geröll oder Segel als Sonnenblocker einsetzen. Alternativ wäre das Ausbringen von Aerosolen in die Atmosphäre möglich, um die vermehrte Bildung von Wolken zu provozieren. Die Eingriffe hätten aber vermutlich negative Folgen. Forscher erwarten mit dem Klimawandel auch Probleme für die Ernährungslage. Spanne man einen Sonnenschirm auf, um den Klimawandel zu bremsen, so senke man auch die Ernteerträge. Die Parallelen zum Serienende der "Dinos" sind unübersehbar. Ob schon jemand den "riesigen Föhn" (oder in diesem Fall: eine riesige Eismaschine) gebaut hat, ist unbekannt. Ebenso, was wir wohl mal unseren Kindern erklären sollen. "Hätten wir mal besser aufgepasst", trifft es aber schon ganz gut.

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