Der Ortskern von Homberg (Ohm). Hier soll der Hacker "0rbit" leben. - © picture alliance/dpa
Der Ortskern von Homberg (Ohm). Hier soll der Hacker "0rbit" leben. | © picture alliance/dpa

Netzwelt Daten-Leak: Dieser kleine Fehler überführte den Hacker "0rbit"

Er hatte die Daten unzähliger Promis und Politiker ins Netz gestellt. Erwischt wurde der 20-jährige Hacker offenbar durch einen eigenen Fehltritt - und den Hinweis eines Zeugen.

Matthias Schwarzer
11.01.2019 | Stand 11.01.2019, 14:05 Uhr

Homberg. "0rbit" ist identifiziert. Hinter dem Pseudonym, das in den vergangenen Wochen unzählige persönliche Daten von Prominenten und Politikern ins Netz gestellt hatte, steht offenbar ein 20-jähriger Schüler aus Hombach (Ohm) in Hessen. Und jetzt ist auch bekannt, wie die Polizei dem jungen Mann auf die Schliche kam. Offenbar gab der 19-jährige IT-Experte Jan Schürlein den Beamten den entscheidenden Tipp. Schürlein kennt "0rbit" aus dem Netz - und hatte seine Erkenntnisse in den vergangenen Tagen immer wieder auf Twitter veröffentlicht. Auch der NW lieferte er Hinweise zum Fall. Am Sonntag durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts seine Wohnung in Heilbronn - seither wird Schürlein als Zeuge geführt. Wie der 19-Jährige dem YouTube-Format Herr Newstime sagte, sei "0rbit" vor allem durch einen dummen Fehler aufgeflogen. Der Hacker hatte bereits vor einigen Jahren mehrere Accounts prominenter YouTube-Stars gehackt. "Dabei ist ihm ein schwerwiegender Fehler unterlaufen", so Schürlein. Die VPN-Software des Beschuldigten habe sich kurzzeitig ausgeloggt und seine echte IP-Adresse offenbart. Täter war offenbar polizeibekannt "Darüber sind die Behörden schon damals an ihn herangelangt und haben 2016 eine Hausdurchsuchung bei ihm durchgeführt", erklärt Schürlein. Konsequenzen habe es seinerzeit aber nicht gegeben. Schürlein selbst gab den Behörden letztendlich den entscheidenden Hinweis: "Ich musste den Beamten nur noch mitteilen: Hey, euer Verdächtiger steht bereits in eurer Polizeiakte. Das einzige, was ihr noch machen müsst ist, zum Wohnort zu fahren." Es habe keine großen Ermittlungen gegeben. "Das war ihr einziger Anhaltspunkt - und damit haben sie '0rbit' drei Stunden später auch geschnappt." Das BKA hat diese Darstellung bislang so nicht bestätigt. Gegenüber dem ARD-Magazin Kontraste sagten Sicherheitsbehörden lediglich, dass die Aussage Schürleins wesentlich zur Identifizierung des Verdächtigen beigetragen habe. "0rbit" selbst tat derweil offenbar alles, um nicht aufzufliegen. Er löschte die kompletten Daten auf seiner Festplatte 32 Mal, hieß es bei einer Sondersitzung des Innenausschusses. Der  junge Mann habe seinen Computer auf einem Recyclinghof "ordnungsgemäß entsorgt", berichten Medien. Böhmermann im Visier des Hackers "0rbit" war am Dienstag in seinem Wohnort in Hessen festgenommen worden. Als Motiv hatte der Schüler Verärgerung über die betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens angegeben. Vor allem durch den Satiriker Jan Böhmermann habe sich der Hacker provoziert gefühlt, erzählt Schürlein dem Magazin Kontraste. Böhmermanns Aktion "Reconquista Internet", mit der er sich gegen eine rechtsradikale Hassbewegung im Netz unter dem Namen "Reconquista Germanica" gestellt hatte, hätte den Hacker offenbar massiv gestört.

realisiert durch evolver group