Im Zusammenhang mit dem Datenleak wurde ein Tatverdächtiger festgenommen.  - © picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB
Im Zusammenhang mit dem Datenleak wurde ein Tatverdächtiger festgenommen.  | © picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB

Netzwelt Festnahme in Hessen: 20-Jähriger gesteht Daten-Diebstahl

Ein junger Mann hat gestanden, für die aufsehenerregende Veröffentlichung von persönlichen Politiker-Daten verantwortlich zu sein. Er habe aus Ärger über die Politik gehandelt, sagt er.

Wiesbaden (dpa/rtr). Ein 20-jähriger Verdächtiger aus Hessen hat nach Angaben des Bundeskriminalamtes gestanden, massenweise persönliche Daten von Politikern ausgespäht und über Twitter veröffentlicht zu haben. Bei der Vernehmung habe der Mann angegeben, allein gehandelt zu haben, erklärte das BKA am Dienstag in Wiesbaden. Hinweise auf eine Beteiligung Dritter hätten sich bisher nicht ergeben. "Zu seiner Motivation gab der Beschuldigte an, aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben", erklärten die Ermittler. Computer und Datenspeicher des Mannes, die bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellt worden seien, würden derzeit ausgewertet. Der Verdächtige sei mangels Haftgründen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. 154 Menschen in NRW angegriffen Seine Wohnung war am Sonntag durchsucht worden. Den genauen Ort teilte das BKA nicht mit. Rund 1000 Politiker, Prominente und Journalisten sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums von dem Online-Angriff betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden wurden. In NRW sind nach Angaben von Innenminister Herbert Reul (CDU) 154 Menschen von der massenhaften Veröffentlichung privater Daten im Internet betroffen. Unter ihnen seien 137 Bundes- und Landespolitiker, darunter auch vier Mitglieder der schwarz-gelben Landesregierung, sagte Reul am Dienstag in Düsseldorf. Zugleich lobte der Minister den schnellen Ermittlungserfolg des Bundeskriminalamts und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. BKA-Beamte hatten außerdem am Sonntag die Wohnung eines Zeugen in Heilbronn durchsucht. Auch weitere Zeugen wurden vernommen. Seehofer plant IT-Sicherheits-Gesetz 2.0 Bundesinnenminister Horst Seehofer gratulierte den Sicherheitsbehörden, die zuvor stark in der Kritik gestanden hatten, zu ihrem schnellen Ermittlungserfolg. "Durch die gute Zusammenarbeit der Zentralstelle für Internetkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, des Bundeskriminalamts, des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik und der Landespolizeibehörden wurde der mutmaßliche Täter schnell ermittelt", erklärte Seehofer am Dienstag in Berlin. Gleichzeitig warnte Seehofer vor dem Umgang mit sensiblen Daten. Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte an, ein IT-Sicherheitsgesetz 2.0 noch in der ersten Jahreshälfte 2019 vorzulegen. Dadurch solle die IT-Sicherheit für Bürger sichtbar gemacht werden. Ein anderer wesentlicher Punkt sei die Zertifizierung der Geräte, zum Beispiel der Router. Die Bevölkerung solle erkennen, dass es sich um ein Gerät mit höchstmöglichen Sicherheit handle. "Keine größeren Probleme" für BKA Die Ermittler hatten nach Angaben von BKA-Chef Holger Münch keine größeren Probleme, den Urheber des massiven Daten-Skandals ausfindig zu machen. Der Hacker habe Spuren hinterlassen und es den Behörden dadurch nicht sonderlich schwer gemacht, sagte Münch am Dienstag in Berlin. Die Experten des Bundeskriminalamts hätten längst nicht alle ihrer Möglichkeiten eingesetzt. Ein bislang Unbekannter hatte über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_Orbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht. Manche Informationen hatte er auch schon früher ins Netz gestellt. Das wurde allerdings erst in der Nacht zu Freitag öffentlich - und somit auch vielen Betroffenen - bekannt. Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern. Dazu soll in den nächsten Monaten unter anderem ein „Cyber-Abwehrzentrum plus" geschaffen werden.

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