Ein Bild aus dem Trailer. Bei "Wahre Welle TV" geht es auch um Chemtrails. - © bpb
Ein Bild aus dem Trailer. Bei "Wahre Welle TV" geht es auch um Chemtrails. | © bpb

Wahre Welle TV Verschwörungs-Satire mit Bielefeld-Anteil: Das steckt hinter "Wahre Welle"

Bielefeld hat beim Sender "Wahre Welle TV" eine extra Rolle bekommen

Angela Wiese

Bielefeld. Ein paar Tage lang hat der Online-Sender "Wahre Welle" im Netz tatsächlich Fragen aufgeworfen. Mutmaßungen über einen rechten Verschwörungssender machten die Runde. Nun ist klar: alles Satire. Und Bielefeld ist mittendrin. Reptiloide in Bielefeld In Bielefeld ist es 17 Grad kühl und bewölkt, erfährt der User am Montag auf wahrewelle.tv. Der Newsticker der Seite informiert darüber, dass der kleine Konstantin Júles Gérome aus dem Bällebad im Ikea Bielefeld abgeholt werden möchte. In "Bielefeld Tag & Nacht - Zwischen Freundschaft und Echsenschwanz" streiten in einem vermeintlichen Reality-Format Jugendliche darüber, dass die Erde flach und der neue Freund der Mitbewohnerin ein Reptiloid ist. Verschwörungstheorien, um sie dreht sich beim Projekt "Wahre Welle TV" alles. Neben der Webseite gibt es auch eigene Kanäle auf YouTube und Facebook. Es geht um die Reptiloiden-Theorie um Reptilienwesen in menschlicher Gestalt ebenso wie um "Lügenpresse" und "Islamisierung". Scheinbar alle gängigen Verschwörungstheorien werden hier in überspitzter, humorvoller Weise behandelt. Trailer sorgte für Irritationen Hinter "Wahre Welle TV" steckt die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb). Sie will mit dem Projekt die "Mechanismen des Netzes mit seinen Kategorien wahr/unwahr durchleuchten", wie Pressesprecher Daniel Kraft von der bpb auf Anfrage mitteilt. Dass sie innerhalb weniger Tage zumindest starke Zweifel auslösen und Befürchtungen wecken konnte, bei "Wahre Welle TV" handele es sich möglicherweise um einen rechten Verschwörungssender, beweisen mehrere Berichte und Tweets dazu. Die nun eindeutig als Satire erkennbaren Videos gibt es nämlich erst seit Montag. Davor wies lediglich ein Trailer auf den Sendestart hin, der völlig offen ließ, wer hinter dem Online-Sender steckt und in dem Schlagworte wie Islamisierung, Erwachen und Skandal auftauchen. "Die Idee des Projektes ist es, auf niedrigschwellige Weise ein medienpädagogisches Angebot zu entwickeln, das die Logik von Verschwörungstheorien aufzeigt und die oftmals abstrusen Argumentationen aufdeckt", erklärt Kraft. Die satirische Überspitzung werde dabei bewusst gewählt, um die Medienkompetenz und die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit politischen Themen im Netz zu fördern, so Kraft weiter. Bielefeld passt einfach gut Die Kosten des Projekts beliefen sich bisher auf rund 150.000 Euro, am Ende werden sich die Kosten dann auf etwa 190.000 Euro belaufen, teilt Kraft mit. Der nachhaltige Erfolg des lässt sich zunächst allerdings kaum genau einschätzen. Facebookseite und Youtube-Kanal haben bislang jeweils ein paar Tausend Likes und Aufrufe. Mitarbeiter beantworten Kommentare von Usern. Kraft zufolge seien die Reaktionen im Netz bis jetzt äußerst positiv. Einige Nutzer dagegen fühlten sich hinters Licht geführt, wofür sich die bpb auch gleich entschuldigt. Und Bielefeld? "Bielefeld ist unter Menschen, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen, ein Klassiker und Teil der Internetfolklore", erklärt Kraft. Passt also einfach gut zum Thema. Denn Bielefeld gibt's ja gar nicht, wie eine bekannte Verschwörungstheorie besagt. Darüber allerdings, das sollte den Machern vielleicht jemand sagen, lacht zumindest in Bielefeld schon länger keiner mehr.

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