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Das Videogucken im Netz wird immer beliebter. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen. - © picture alliance
Das Videogucken im Netz wird immer beliebter. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen. | © picture alliance

Bielefeld Accounts, Kosten, Strafen: Das müssen Sie beim Streaming beachten

Viele Streaming-Dienste erlauben die mehrfache Nutzung der Accounts. Das verführt zum Teilen - und kann Bußgelder bis zu 480 Euro zur Folge haben

Teresa Kröger
18.08.2017 | Stand 18.08.2017, 23:35 Uhr

Bielefeld. Donnerstagabend 20 Uhr, Vater und Mutter sitzen im Wohnzimmer und schauen einen Film. Der Sohn Tim (23 Jahre) mit seinem besten Freund verfolgt die beliebte Serie „House of Cards" und die kleine Schwester Emily sieht sich „König der Löwen" an. Das ganze unter einem Account, bei einem Streaming-Dienst. Ist das erlaubt? Und was passiert, wenn Tim plötzlich bei seiner Freundin die Serie weiter schauen will? Oder sie alleine weiter schauen möchte? Die Antwort darauf findet sich in den AGB (Allgemeinen Geschäftsbedingungen). Sie regeln, was genau im Abo enthalten ist und was der Nutzer letztlich darf. Das ist mit den unterschiedlichen Streaming-Diensten möglich Generell gilt: Alle Abos sind unterschiedlich. Viele Dienste wie Netflix bieten Tarife an, bei denen mehrere Profile zeitgleich genutzt werden dürfen. Netflix duldet ausdrücklich „ein Konto mit Freunden oder Familie zu teilen." Dasselbe Profil läuft allerdings nicht gleichzeitig auf zwei Endgeräten. Beim Videoportal Watchever können drei Personen gleichzeitig einen Account nutzen und bei Amazon sind es zwei Personen. Doch bei Amazon ist diese Art der Nutzung gefährlich. Mit den Zugangsdaten kann man nicht nur streamen, sondern auch Filme und Serien kostenpflichtig bestellen. Das lässt sich in der App auch nicht vollständig deaktivieren. Deshalb suchen Mitglieder bei Ebay Kleinanzeigen nach Partnern, mit denen sie sich einen Streaming-Account teilen können. Das ganze nennt sich Account-Sharing und ist zum Beispiel bei Studenten ein Trend, um Geld zu sparen und auf legalem Wege zu streamen. Diese Anbieter ziehen nicht mit Sky und Maxdome lassen das nicht zu. Sie verbieten die Weitergabe von Account-Daten in ihren AGBs. Verstößt man dagegen, ist es ein Vertragsbruch, der mit einem Bußgeld geahndet wird. Laut Rechtsanwalt Christian Solmecke, Spezialist für Medienrecht, wird dieses Bußgeld folgendermaßen berechnet: „Es beläuft sich bei Sky beispielweise auf die doppelte Jahresgebühr. Da es Sky Go nur in Verbindung mit einem Pay-TV Angebot gibt, das in der günstigsten Variante knapp 240 Euro pro Jahr kostet, liegt die Strafe bei mindestens 480 Euro." Streaming von Internetseiten Lange Zeit hielt sich das Gerücht, wer auf kostenfreien Seiten im Internet streame, mache sich nicht strafbar, weil keine Dateien auf dem eigenen System gespeichert würden. Doch laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom April 2017 zählt der Buffering-Prozess, also das Vor-Laden der Daten, als Zwischenspeicherung und ist somit nun ebenfalls rechtswidrig. Nach der Erfahrung des Fachanwalts Christian Somecke gehen die Richter von der Annahme aus, „das sich Nutzer immer dann illegal verhalten, wenn sie von der Rechtswidrigkeit des verbreiteten Streams Kenntnis hatten oder diese hätten haben müssen". Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn sich Internetnutzer einen Kinofilm ansehen, der gerade erst in den Kinos angelaufen ist oder sie wissen, dass die Plattform selbst illegal ist. Bundesliga gucken in der Grauzone Anders verhält es sich bei nicht-offiziellen Bundesliga-Übertragungen im Internet. Handelt es sich um Livestreams von Sky mit deutschen Kommentatoren, wird davon ausgegangen, dass der Zuschauer wissen muss, dass diese illegal sind. Wird der Livestream der Bundesliga auf arabisch oder chinesisch kommentiert, weiß der Zuschauer womöglich nicht, ob die Quelle rechtswidrig ist oder nicht. In solchen Fällen bewegen sich Nutzer in einer rechtlichen Grauzone.

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