Strahlen Zuversicht aus: Dirk Lemhöfer (v. l.), Karl-Wilhelm Schulze, Felix Lüppens, Dr. Riza Öztürk und Ralf Müller. - © Johnny Dähne
Strahlen Zuversicht aus: Dirk Lemhöfer (v. l.), Karl-Wilhelm Schulze, Felix Lüppens, Dr. Riza Öztürk und Ralf Müller. | © Johnny Dähne

Bielefeld Fußball ist der Motor des Projekts "Integration durch Sport"

Das Projekt versucht, Flüchtlinge im Idealfall in einen Verein einzubinden

Johnny Dähne

Bielefeld. Ralf Müller hatte Muskelkater. Die "Fachkraft für Integration durch Sport" der Sportjugend Bielefeld hatte am Wochenende seine etwas sperrige Berufsbezeichnung an der Umkleidekabine der Almhalle abgegeben und mit Kollegen, Flüchtlingen und Mitgliedern des Fanprojekts ein Fußballturnier gespielt, dessen Folgen er auch ein paar Tage später noch in seinen Beinen spürte. "Da waren einige doch sehr engagiert bei der Sache - und da musste ich mithalten", sagte Müller lachend bei der Vorstellung der neu gegründeten "Netzwerkstelle Sport und Integration". Gemeinsam mit seinem Kollegen Felix Lüppens besetzt er seit August 2016 die beiden hauptamtlichen Stellen "Fachkraft für Integration durch Sport", die der Sportbund vor dem Hintergrund der vielen nach Deutschland und damit auch nach Bielefeld geflüchteten Menschen eingerichtet hat. Dank finanzieller Unterstützung durch die Stadt Bielefeld gibt es die Stellen zunächst befristet für zwei Jahre, wobei das übergeordnete Ziel lautet, Flüchtlinge im Sport und im Idealfall im Verein anzubinden. »Interkulturelle Öffnung ist ein wichtiges Ziel« "Das soll vor allem über niedrigschwellige Angebote gelingen", erklärt Felix Lüppens die Angebote, von denen insbesondere der "Open Sunday", der seit sechs Wochen Kindern ohne Zugang zu einem Sportverein die Möglichkeit gibt, sich für ein paar Stunden zwanglos in einer Sporthalle zu bewegen, auf große Resonanz trifft. Bei der Umsetzung des Projekts tun sich in der Mitarbeit vor allem der SC Bielefeld und der TuS Ost positiv hervor. Ein weiterer wichtiger Punkt der Netzwerkstelle Sport und Integration ist die Gründung des Beirats "Integration und Sport", in dem unter anderem die Bielefelder Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Christa Kleindienst-Cachay sitzt. Bei den konkreten sportlichen Vorlieben fällt den Verantwortlichen des Sportbundes immer wieder auf, dass der Lieblingssport der Deutschen auf der der Flüchtlinge ist. "Beim Besuch der Internationalen Klassen und Schulen fällt auf, dass Fußball der Motor ist. Andere Sportarten werden kaum nachgefragt", erklärt Ralf Müller. Ebenfalls auffällig: Der Frauenanteil bei den Angeboten ist gering. "Die interkulturelle Öffnung ist eines der wichtigsten Ziele unserer Arbeit, damit auch Mädchen und Frauen die Angebote wahrnehmen und sich selbst verwirklichen können", erläutert der Geschäftsführer des Sportbundes Karl-Wilhelm Schulze. Das gleichberechtigte Sporttreiben von Mann und Frau ist eines der Ziele der Kampagne "Beim Sport gelernt" des Landessportbundes - Muskelkater zu haben ist nämlich kein maskulines Privileg.

realisiert durch evolver group