Gute Haltung: Andreas Kreuzer - hier beim Deutschen Championat der Berufsreiter des Vorjahres in Bad Oeynhausen auf Aron S - hat trotz seines geringen Alters schon viele Erfolge gesammelt. Nun zieht es ihn von Borgholzhausen aus nach Herford. - © Egon Bieber
Gute Haltung: Andreas Kreuzer - hier beim Deutschen Championat der Berufsreiter des Vorjahres in Bad Oeynhausen auf Aron S - hat trotz seines geringen Alters schon viele Erfolge gesammelt. Nun zieht es ihn von Borgholzhausen aus nach Herford. | © Egon Bieber

Herford Jockey Andreas Kreuzer wechselt aus Borgholzhausen nach Herford

24-Jähriger hat sich für die Welttour viel vorgenommen

Norbert Herbst

Herford. Es ist gerade einmal eineinhalb Jahre her, da startete Andreas Kreuzer auf der ehemaligen Anlage von Franke Sloothaak im ostwestfälischen Borgholzhausen in die Selbständigkeit - für einen 24-Jährigen ein mutiger Schritt. Doch Ende diesen Monats setzt der Springreiter noch einen drauf: Er verlässt die Anlage, um seine Zelte in Herford neu aufzuschlagen. Das Ambiente dort ist nicht minder pittoresk: Der alte Hof der Reiterfamilie Meyer zu Bexten wird ab April sein neues sportliches Zuhause sein. Wie schon bei seinem Wechsel aus dem Mühlener Stall von Paul Schockemöhle als Bereiter zu Bundestrainer Otto Becker ins münsterländische Sendenhorst und anschließend nach Ostwestfalen, so scheidet Kreuzer auch aus der Lebkuchenstadt im besten Einvernehmen. "Mein Verhältnis zur Besitzerfamilie Nüßing ist weiterhin top. Ich bin ihr sehr dankbar, denn Carola Homringhausen und Peter Nüßing haben mich jederzeit in allen Belangen unterstützt", zieht er eine positive Bilanz seiner Zeit am Teuto. Zudem liegt Herford nicht aus der Welt. Ganze 30 Kilometer Luftlinie trennen die Klein- von der Kreisstadt. Andreas Kreuzer (24), der Attribute wie Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit und Ehrgeiz wie kaum ein anderer auf sich vereint, ist längst in der Selbständigkeit angekommen. Er will und muss expandieren, um seinen reitsportlichen Weg zielorientiert weiter nach vorn gehen zu können. Als er im Spätherbst 2014 aus dem Springsportparadies von Otto Becker nach Ostwestfalen wechselte, fehlte es an manchem Utensil. Davon kann nun nicht mehr die Rede sein. Einer der besten und talentiertesten deutschen Nachwuchsjockeys ist trotz seiner Jugend längst in der Spitzenklasse des Springsports angekommen. Konnte er bisher in Borgholzhausen zwölf Pferde unterbringen, werden es in Herford 20 Hochkaräter sein, die er für den Spitzensport vorbereiten kann. Aus dem Zweiterteam der Gründerzeit - Kreuzer wechselte 2014 zusammen mit dem Becker-Bereiter Rico Lamker nach Ostwestfalen - wird eine Fünfer-Mannschaft. Zwei Pfleger sind bereits hinzugekommen, zudem wird mit Bernd Klein ein weiterer Jockey die Mannschaft verstärken. Letztgenannter soll für seinen Chef die nationalen und Vorbereitungsturniere besuchen, denn Kreuzer plant schon in dieser Saison Großes: Seine Sponsoren, der Hamburger Geschäftsmann Wilhelm Plumpe und dessen Lebensgefährtin Gudrun Krafczyk, werden dafür sorgen, dass ihr Vorzeigereiter in diesem Jahr "sechs bis acht Turniere" der 15-teiligen Global Tour des holländischen Vermarkters Jan Tops besuchen kann. Diese Serie ist das Maß aller Dinge für diejenigen, die im Reitsport das Prädikat "Besonders wertvoll" erwerben wollen. Für die Welttour setzt der 1,87 Meter große Reiter in erster Linie auf den neunjährigen Dunkelfuchs Calvilot, einen Oldenburger von Calvaro Z. Er stammt aus dem Besitz von Paul Schockemöhle und Otto Becker, inzwischen heißt der Eigentümer Wilhelm Plumpe. "Ich kenne das Pferd, seit es fünf Jahre alt ist. Als wir die Chance bekamen, den Wallach zu kaufen, haben wir zugeschlagen", berichtet Andreas Kreuzer. Er bescheinigt dem Vierbeiner das Potenzial für die "ganz große Tour" und hofft den Vorschusslorbeeren auch gerecht werden zu können. Außerdem sieht er sich mit vier weiteren Pferden für höhere Aufgaben bestens gewappnet. Er blickt der Global Tour also voller Zuversicht entgegen. Die Kontakte in die Werrestadt knöpfte Kreuzer über Lars Meyer zu Bexten. Während dessen Zeit als Bundestrainer für den Nachwuchs lernte der Herforder die reiterlichen Fähigkeiten Kreuzers schätzen. "Obwohl Andi sehr groß ist, hat er aufgrund seiner Beweglichkeit und seines Könnens im Sattel alle Chancen, um im internationalen Springzirkus vorn mitzumischen", ist Lars Meyer zu Bexten denn auch von einem weiteren Karrieresprung seines ehemaligen Schützlings felsenfest überzeugt. "Andreas ist gut strukturiert und weiß genau, was er will", urteilt er. Seinen größten sportlichen Erfolg feierte Kreuzer 2011, als er im Sattel von Paul Schockemöhles Lieblingshengst Chacco Blue im Großen Preis von Aachen Dritter wurde. Auch im Jahr eins seiner Selbständigkeit ließ er in den vergangenen zwölf Monaten als Fünfter der Deutschen Meisterschaft in Balve mit La Luna aufhorchen. In diesem Jahr will er noch höher hinaus. Die Grundvoraussetzungen dafür sind gegeben.

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