Befreiend: Julian Börner steht vor einer Traube von Mitspielern, die Konstantin Kerschbaumer unter sich begraben haben. - © Christian Weische
Befreiend: Julian Börner steht vor einer Traube von Mitspielern, die Konstantin Kerschbaumer unter sich begraben haben. | © Christian Weische

Arminia Trotz Arminias Erfolg über Nürnberg bleibt das Wort Aufstieg tabu

Erst nach weiteren Punkten möchte Saibene Richtung Platz drei schauen

Peter Burkamp

Bielefeld. Diesen Moment genossen die Spieler in vollen Zügen. Vor der Südtribüne feierten Arminias Profis ihren Last-Minute-Sieg über den 1. FC Nürnberg gemeinsam mit den Fans. Die DSC-Anhänger, die sich für ihre Unterstützung ein Extra-Lob von Florian Hartherz abholten („Sie haben uns extrem nach vorn gepeitscht"), stimmten im Überschwang schon Lieder von der Rückkehr in die 1. Liga an. Jeff Saibene ballte nach dem Sieg die Fäuste. Gestik und Mimik des Bielefelder Trainers drückten aus: Wir haben es gepackt! Doch verbal blieb er zurückhaltend. „Es war ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt", sagte er, machte dann aber mehr oder weniger deutlich, dass er keine Abstiegsgefahr mehr sieht: „Wenn man die gesamte Saison betrachtet, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in den verbleibenden acht Spielen keine Punkte mehr holen." 38 sammelte der DSC in 26 Spielen. Schon jetzt hat Arminia einen Zähler mehr auf dem Konto als zum Abschluss der kompletten Vorsaison. Die Punktausbeute findet Saibene „absolut fantastisch". Übermütig wird er nach dem 1:0 gegen den Tabellenzweiten und Aufstiegsanwärter aus Nürnberg aber nicht. Saibene bleibt seiner Linie treu. „Die 38 Punkte kann uns niemand mehr nehmen. Aber soll ich sagen, wir probieren jetzt aufzusteigen? Das würde ich nie sagen. Wir versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen und schauen, was dabei herauskommt." Nahezu jedes Spiel in der Liga ist eng Saibene hätte sicherlich nichts dagegen, wenn es in der Tabelle weiter aufwärts ginge. Er weiß aber auch, dass nahezu jedes Spiel in der Liga eng ist. Genau so gut wie Arminia hätte auch der Club mit einem knappen Sieg nach Hause fahren können. „Mit einem 0:0 hätten wir leben können, aber wir hatten zwei, drei klare Chancen und haben den Sieg sicher nicht gestohlen", betonte Saibene, dass der Sieg zwar glücklich wegen des späten Tores war, letztlich aber nicht unverdient. Seine Mannschaft erkämpfte sich den Dreier durch ein engagiertes Spiel. Bis zum Schluss suchten die Arminen ihre Chance und setzten entschlossen nach. So auch in der 90. Spielminute, als Patrick Weihrauch einen Angriff über die linke Seite einleitet, Fabian Klos den Ball per Kopf von der Außenlinie holte und Manuel Prietl geistesgegenwärtig auf seinen besser postierten österreichischen Landsmann passte. „Das war eine super Kombination", freute sich Kerschbaumer und lobte besonders die Einwechselspieler. „Kerschi muss eine Pferdelunge haben. Ich weiß nicht, wie er das macht: Er läuft 90 Minuten über den Platz und steht am Ende goldrichtig da", sagte Tom Schütz über seinen Teamgefährten. Kerschbaumer hatte schon in Nürnberg mit seinem späten Treffer zum 2:1 (86.) die Partie entschieden. Mittlerweile hat er acht Saisontore auf dem Konto. „Ich habe zu ihm gesagt: Jetzt ist genug", meinte Jeff Saibene ironisch im Hinblick auf den stetig steigenden Marktwert der Leihgabe vom FC Brentford. Die Chance, ihn zu halten, ist minimal, auch wenn der Spieler sich in Bielefeld „sehr wohl fühlt. Ich hoffe, das sieht man auch auf dem Platz", meinte Kerschbaumer, dessen Ablösesumme inzwischen siebenstellig sein dürfte.

realisiert durch evolver group