Die Alm lebt - auch weiterhin? Das wollen Unternehmer gewährleisten. Was das bedeutet, erläutert Jörg Rinne. - © Christian Weische
Die Alm lebt - auch weiterhin? Das wollen Unternehmer gewährleisten. Was das bedeutet, erläutert Jörg Rinne. | © Christian Weische

Arminia Kommentar zum Arminia-Rettungspaket: "Riesenchance"

Jörg Rinne, Mitglied der Chefredaktion, ordnet die Lage rund um Arminias Finanzmisere ein

Jörg Rinne

Wir haben längst aufgehört, die Finanzkrisen von Arminia Bielefeld zu zählen. Liquiditätsengpässe und Lizenzschwierigkeiten gehören zu diesem Fußballklub wie sportliche Rettungsaktionen am letzten Spieltag oder wiederkehrende Abstiegstränen. Wer in Ostwestfalen-Lippe Arminia im Herzen trägt, muss ein hohes Maß an Leidensfähigkeit mit ins Stadion bringen. Die Situation ist hausgemacht. Die Vereinsführungen der zurückliegenden Jahre haben selten ein glückliches Händchen gehabt, manche haben schlicht versagt. Immer wieder konnten potente Geldgeber gefunden werden, die dieses Missmanagement korrigiert, Finanzlücken kurzfristig gestopft haben. Doch die Altlasten sind zu schwer, nie hat der Verein eine echte Chance gehabt, Vertrauen zu erwerben, sich von Grund auf neu aufzustellen. Das bittere Ende war längst programmiert. Doch plötzlich ist alles anders: Statt Flickschusterei nimmt im Verborgenen ein Rettungspaket Konturen an, das den Arminen eine Riesenchance bietet. Heimatverbundene und verantwortungsbewusste, aber eben auch fußballverliebte ostwestfälische Unternehmer wollen endlich reinen Tisch machen und planen einen Schuldenschnitt. Das erfordert Opfer. Land und Stadt müssen mit ins Boot, der ein oder andere Euro ist endgültig verloren. Ein "Weiter so" darf es nicht mehr geben Natürlich wird es Kritik hageln, zumal auch Steuergelder beim Schuldenverzicht verwendet werden müssen. Ein schmaler Grat angesichts oft leerer Kassen im Land und im Stadtsäckel und eine schwierige Aufgabe für unsere politischen Entscheidungsträger. Vielleicht helfen die derzeit sprudelnden Steuerquellen über die Skepsis hinweg. Denn ein „Weiter so" darf es nicht mehr geben. Entweder die Region nimmt endgültig Abschied von ihrer Arminia oder sie bietet ihr eine Zukunftsperspektive. Ostwestfalen-Lippe ist erstklassig. Es braucht für seine Einwohner auch Fußball-Events in Bielefeld und Paderborn genauso wie eine blühende Theater-, Konzert- oder Museumslandschaft. Denn eine Region definiert sich über ihre kulturellen und sportlichen Angebote, die Emotionen wecken. Dazu gehört nicht nur, aber auch der Profi-Fußball. Nur so kann ein Wohnort zur Heimat werden. Der Entschuldungs-Plan ist ehrgeizig und verlangt gemeinsames Handeln. Eine zusammenwachsende Region kann dies aber leisten. Es wäre auch ein Vertrauensvorschuss für eine neue Arminia. Und rund um die Schüco-Arena wissen sie nur zu genau, dass sie diesen nicht verspielen dürfen. Alle News aus Arminias Trainingslager in Benidorm:

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