Arminias Andreas Voglsammer freut sich über seinen Treffer in Minute 30. - © Wolfgang Rudolf
Arminias Andreas Voglsammer freut sich über seinen Treffer in Minute 30. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Starke Arminia muss dem Weltmeister Tribut zollen

Voglsammer und Klos sorgen auf Seiten des DSC für die Tore / Erste Auswärtsniederlage unter Jeff Saibene

Patrick Albrecht

Bielefeld. Arminia Bielefeld muss sich nach einem starken Auftritt Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 mit 4:3 geschlagen geben. Eine 2:1-Führung zur Halbzeit reichte nicht aus, auch weil Weltmeister Kevin Großkreutz auf Darmstädter Seite eine Gala-Vorstellung hinlegte. Somit musste der DSC das erste Mal unter Jeff Saibene auswärts als Verlierer vom Platz gehen. Im Vergleich zu der 0:4-Pleite gegen den MSV Duisburg veränderte DSC-Trainer Jeff Saibene seine Startelf auf zwei Positionen: Nils Teixeira ersetzte Florian Dick als Rechtsverteidiger, Keanu Staude machte auf der Außenbahn für Christoph Hemlein Platz. Die Zuschauer sahen in der Anfangsphase eine ausgeglichene Partie mit vielen intensiven Zweikämpfen. Die Arminen standen wie gewohnt sehr hoch und störten den Spielaufbau der Lilien mit mehreren Spielern in des Gegners Hälfte. Nach 12 Minuten gab es die erste knifflige Szene zu begutachten: Ein Abschlag von Ortega gelang in die Füße von Mehrem, der Tempo aufnahm und in den Strafraum zog. Arminias Hartherz verfolgte ihn, beide zerrten am jeweils anderen Trikot, bevor Darmstadts Zehner zu Boden ging. Die Darmstädter forderten Elfmeter, Schiedsrichter Badstübner ließ jedoch weiterspielen - wohl zurecht. Arminia mit Vorteilen Die Saibene-Elf erarbeitete sich mit fortschreitender Spieldauer Vorteile in Punkto Ballbesitz (55 zu 45 Prozent) und Zweikämpfe (62 zu 38 Prozent), zeigte sich in der Offensive ebenso wie Darmstadt jedoch zu einfallslos und ohne Durchschlagskraft. Das Spiel blieb weitgehend ereignisarm. Hartherz probierte sich nach 15 Minuten mit einem Linksschuss aus gut 20 Metern, bevor er auf der Gegenseite Darmstadts Rechtsverteidiger Sirigu im letzten Moment am Abschluss hinderte, nachdem sich dieser per Doppelpass mit Großkreutz in den Sechzehner kombiniert hatte (26.). Nach exakt einer halben Stunde sollte dann wie aus dem Nichts die Führung für den DSC fallen: Nach kurz ausgeführtem Eckball schlug Weihrauch den Ball hoch und weit in die Mitte, wo Höhn Arminias Voglsammer für einen Moment aus den Augen verlor, sodass dieser unbedrängt per Volley zum 0:1 einschoss. Direkt nach dem folgenden Anstoß sollten die Arminen die Führung jedoch wieder herschenken: Die Saibene-Elf bekam den Ball am eigenen Sechzehner mehrfach nicht geklärt. Sobiech köpfte ihn schließlich in den Lauf von Großkreutz, der den Ball mit dem Oberschenkel am herauseilenden Ortega vorbeilegte und schließlich zum 1:1 ins leere Tor einschob. Doch nach Rückschlägen zeigen sich die Arminen nicht mehr geschockt, sondern trotzig: Nachdem Börner zunächst einen Kopfball nach einem Weihrauch-Freistoß deutlich zu hoch ansetzte, sollte in der 35. Minute die erneute Führung gelingen. Nach einer Muster-Flanke von Weihrauch von der rechten Seite setzte sich Arminias Klos in der Mitte gegen zwei Gegenspieler durch und köpfte gegen die Laufrichtung von Keeper Hernandes zum 1:2 ein. Nach durchwachsenden ersten 30 Minuten überschlugen sich nun die Ereignisse - auf beiden Seiten. Schiedsrichter verwehrt Vorteil Zunächst suchte Voglsammer von der linken Sechzehner-Kante den Abschluss (39.), eine Minute später setzte Hartherz einen Freistoß aus gut 25 Metern zentraler Position denkbar knapp über das Tor. Dem Freistoß vorausgegangen war jedoch eine Szene, die bei Saibene und Co. für mächtig Ärger sorgte: Altintop brachte Voglsammer zwar zu Fall, doch Schiedsrichter Badstübner unterbrach die Partie, obwohl gleich drei Arminen in Überzahl auf das gegnerische Tor zuliefen. Die Darmstädter wackelten in dieser Phase bedenklich, kamen in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit durch Lacazette und Großkreutz nach jeweiliger Flanke von Rechtsverteidiger Sirigu jedoch noch zu guten Möglichkeiten. Nach Wiederanpfiff machten die Lilien mächtig Druck auf die Arminen und kamen in der 52. Minute schließlich zum Ausgleich: Innenverteidiger Sulu verlängerte einen Kempe-Freistoß von der linken Seite per Hinterkopf Richtung Bielefelder Tor, wo Höhn aus kurzer Distanz zum 2:2 einköpfte. Nur zwei Minuten später antwortete die Saibene-Elf beinahe erneut: Hemlein setzte seinen Kopfball nach Vorarbeit durch Teixeira wenige Zentimeter neben den rechten Pfosten. Das Spiel hatte nach dem Führungstreffer der Arminen aus der 30. Minute deutlich an Fahrt aufgenommen - das setzte sich in der zweiten Halbzeit nahtlos fort. Die Partie war von enormer Intensität geprägt. Die Zweikämpfe wurden kompromisslos geführt, beide Mannschaften zeigten vollen Einsatz. Es musste schließlich die individuelle Klasse von Weltmeister Kevin Großkreutz herhalten, um das Spiel aus Darmstädter Sicht zu drehen. Prietl verlängerte einen Befreiungsschlag von Sirigu unfreiwillig mit dem Kopf und überspielte so seinen Mitspieler Julian Börner. Sobiech kam an den Ball und machte Tempo Richtung Bielefelder Tor. Börner holte auf und kam im letzten Moment dazwischen, doch der Ball fiel Großkreutz vor die Füße. Dieser nahm die Kugel an, legte sie sich mit einer Körpertäuschung gegen Teixeira auf den rechten Fuß und schoss in die rechte Ecke zum 3:2 ein. Saibene brachte in der Folge Staude für Weihrauch, Sporar für Klos sowie Brandy für Voglsammer. Sobiech mit der Vorentscheidung - DSC mit Moral Nach einem eher ungefährlichen Abschluss von Stürmer Sobiech (72.) zogen sich die Lilien etwas zurück, um mehr Räume für ihr Konterspiel zu generieren. Die Bielefelder blieben bemüht, hatten den Schwung aus der ersten Halbzeit aber etwas veloren. Nach Doppelpass mit Kerschbaumer suchte Staude von der Sechzehner-Linie den Abschluss und zielte nur gut einen halben Meter zu weit links. Nachdem Darmstadts Kempe aus 30 Metern zu überhastet abschloss (82.), sorgte Sobiech wenig später für die Vorentscheidung: Nach einem Seitenwechsel von Altintop auf Sirigu fand dieser mit einer weiteren guten Flanke in der Mitte Sobiech, der vor Ortega per Kopf zum 4:2 einnetzte. Darmstadt stand in der Folge noch tiefer und versuchte über Konter für Entlastung zu sorgen. Arminia konnte den Hausherren jedoch nicht mehr wirklich gefährlich werden, zeigte aber Moral und gab sich nicht auf. Mit der letzten Aktion des Spiels sollte sogar noch das 4:3 gelingen: Kerschbaumer steckte im Strafraum zu Prietl durch, der in die Mitte auf Brandy ablegte. Dieser musste aus einem Meter nur noch ins leere Tor einschieben. Direkt danach pfiff Schiedsrichter Badstübner die Partie ab. Arminia Bielefeld muss sich somit nach einer starken Leistung in kämpferischer und zeitweise auch spielerischer Hinsicht der individuellen Klasse von Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 beugen. Besonders Hamit Altintop und Kevin Großkreutz machten am Ende den Unterschied. Für Fabian Klos war es das hundertste Zweitligaspiel im Trikot des DSC. Nach dem Spiel stehen die Arminen in der Tabelle mit zehn Punkten auf dem sechten Platz. Nächste Woche Mittwoch geht es mit einem Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden (Liveticker auf nw.de) weiter. Der Liveticker zum Nachlesen:

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