Bielefeld Lohn für Leidenschaft

EISHOCKEY: Der Bielefelder Karsten Mende von den Iserlohn Roosters wurde zum Manager des Jahres gewählt

Matthias Foede

Bielefeld. "Wir haben alle Chancen, die zu schlagen", sagt Karsten Mende am Telefon. Dabei schwingt in seiner Stimme eine Selbstverständlichkeit mit, als wollte er sagen: "Ich putze mir jeden Morgen die Zähne." Doch in diesen Tagen ist bei Karsten Mende und dem Eishockey-Club Iserlohn Roosters rein gar nichts selbstverständlich oder gar alltäglich. Die Roosters stehen nämlich im DM-Viertelfinale gegen den amtierenden Meister ERC Ingolstadt (Zwischenstand: 1:2). Außerdem erhielt Manager Karsten Mende, der in Gadderbaum geboren und in Senne I aufgewachsen ist, vor Wochenfrist den Titel "Manager des Jahres". Bei der dritten Gala des Deutschen Eishockeys in Mannheim wurde der 47 Jahre alte Karsten Mende vom Fachmagazin "Eishockey News", von den Trainern und Managern aller 14 DEL-Teams sowie von Fachjournalisten und TV-Experten zum "Manager des Jahres" gewählt. "Ich will mich jetzt nicht selber beweihräuchern, aber das ist eine tolle Anerkennung, weil sie von den Kollegen kommt", freut sich der Ex- Bielefelder, der als Aktiver bei der SV Brackwede groß geworden ist. Der ehemalige rechte Verteidiger Mende leitet seit 2000 die Geschicke der Roosters - in den vergangenen Jahren mit konstantem Erfolg. Dennoch gilt die Mannschaft aus dem Sauerland als das Überraschungsteam der Liga. Die Roosters qualifizierten sich als Vorrundensechster direkt für die Play-offs, was nach Platz fünf aus der Saison 2007/08 das zweitbeste Ergebnis der jüngeren Vereinsgeschichte bedeutet. "Mit unserem kleinen Etat haben wir nun in vier Jahren dreimal die Play-offs erreicht. Das ist schon etwas", betont Karsten Mende. Auf den Fußball übertragen hieße dies, der SC Freiburg würde die Etablierten der Bundesliga aufmischen, sich in den Top Ten festsetzen und auch mal den großen FC Bayern München ärgern. Obwohl Mende, wenn es um Fußball geht, lieber über den DSC Arminia spricht und hofft, dass "die bald wieder in der Bundesliga spielen werden". In den jetzt laufenden Viertelfinal-Play-offs wollen die Roosters dem Meister Ingolstadt das Leben so schwer wie möglich machen und mit dem Einzug ins Halbfinale ihren größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern. Die Euphorie in der 95.000 Einwohner zählenden Stadt ist auf jeden Fall riesig. "Alle Bänke und Bordsteine in Iserlohn und am Seilersee sind in den Vereinsfarben Blau und Weiß gestrichen", scherzt Karsten Mende. So mag es der 47-Jährige gerne. "Eishockey ist mein Leben", bestätigt Mende. Für seinen Sport tut er fast alles. Da kommt er auch schon mal an den Teutoburger Wald zurück und jagt mit seinen alten Weggefährten dem kleinen schwarzen Puck hinterher. Zuletzt vor sechs Jahren bei einem Old-Star-Game von SV Brackwede, TSVE und BRSC (Endstand: 6:6). Mit dabei auch: Stefan Genth, Ralf Prante oder Bernhard Sarrach. Vielleicht hat Karsten Mende die Leidenschaft zu dem heißkalten Eishockeysport auch von seinem ebenso legendären wie skandalumwitterten Vorvorgänger Heinz Weifenbach geerbt, der Ende Februar diesen Jahres verstorben ist. "Er hat mir meinen ersten Vertrag beim damals noch ECD Iserlohn gegeben", berichtet Karsten Mende. Weifenbach war Bauunternehmer und ein bankrotter dazu. Weifenbach hinterzog Steuern (2,1 Millionen Mark) und wurde dafür zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt vier Jahren verurteilt. Und Weifenbach sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen, weil er 1987 zu Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi reiste und mit diesem einen über 1,5 Millionen DM dotierten Werbevertrag für dessen "Grünes Buch" abschloss, in dem Gaddafi seine Sicht der Welt darstellt und sich insbesondere von der Demokratie und der westlichen Welt distanziert. Trotz dieser zwielichtigen Kapriolen erlebte der Iserlohner Verein zur Zeit des Heinz Weifenbach seine sportliche Hochzeit. Bestes Ergebnis war ein vierter Platz in der Spielzeit 1985/86. In der aktuellen Serie könnten Karsten Mende und die Iserlohn Roosters - allerdings mit seriösen Mitteln - ein neues Erfolgskapitel hinzufügen, indem sie erneut ins DM-Halbfinale einziehen. Damals skandierten die Fans nach Siegen stets: "Heinz aufs Eis!" In den kommenden Tagen, nach Erfolgen über Ingolstadt, könnte sich diese Forderung in "Karsten aufs Eis" ändern.

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