Wincor Nixdorf in Paderborn - © Marc Köppelmann
Wincor Nixdorf in Paderborn | © Marc Köppelmann

Paderborn Ex-Wincor-Chef Karl-Heinz Stiller: "Wir brauchen Aufbruchstimmung in Paderborn"

Mit dem Abzug von Fujitsu werden Innovationen in Paderborn nicht weitergeführt

Andrea Frühauf

Paderborn. Immer mehr namhafte Unternehmen kehren der IT-Stadt Paderborn den Rücken. Nun will sich Fujitsu mit der Fujitsu Technology Solutions GmbH (580 Mitarbeiter) aus Paderborn verabschieden. Den Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf (weltweit 9.000 Mitarbeiter, davon 2.000 in Paderborn), der ebenfalls aus dem Unternehmen des Paderborner Computerpioniers Heinz Nixdorf hervorging, will sich der US-Konzern Diebold angeln. Vielleicht weist eines Tages nur noch ein Straßenschild auf das einstige Vorzeigeunternehmen von Heinz Nixdorf hin. Und natürlich das Heinz Nixdorf Institut. Aber Untergangsstimmung will in OWL ob solcher Hiobsbotschaften nicht aufkommen. Gerade die wachsende Bedeutung von Paderborn als Wissenschaftsstandort (Universität, Heinz-Nixdorf-Institut, Frauenhofer-Projektgruppe) sowie die weiteren Hochschulen in OWL sind nach Ansicht von Herbert Sommer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der OWL GmbH, ein Garant dafür, dass „sich forschungsintensive Unternehmen hier erneut ansiedeln werden“. Paderborn bleibe ein wichtiger Standort mit großer Bedeutung für OWL. „Allerdings sind Abgänge von Unternehmen sehr ernst zu nehmen.“Unternehmergeist gefordert Und Ex-Bürgermeister Heinz Paus betont: Die Stärke eines IT-Standortes hänge nicht von zwei, drei großen Unternehmen ab. „Wir haben an die 300 Unternehmen in dieser Branche, darunter auch S & N und dEspace (rund 1.000 Mitarbeiter).“ Auch der Ex-Wincor-Chef und -Aufsichtsratschef Karl-Heinz Stiller steckt den Kopf nicht in den Sand. Er gehört zu den Hauptinitiatoren des Spitzenclusters it’s OWL. Für das Image der Region sei diese Nachricht allerdings nicht so gut. Trotzdem ist die Region nach seiner Ansicht „stark unterwegs“. Stiller fordert Unternehmergeist und eine Aufbruchstimmung, um die Region auch Nachwuchskräften „schmackhaft“ zu machen. „Leider kommen Standortverlagerungen oder Übernahmen immer wieder vor, wenn sich Märkte oder Unternehmensstrategien ändern“, konstatiert Jürgen Jasperneite, Leiter des Hochschulinstituts inIT und des Fraunhofer-Anwendungszentrums IOSB-INA in Lemgo. Aber auch er bleibt optimistisch und ist davon überzeugt, „dass die sehr positive Entwicklung der Technologieregion OWL dadurch nicht beeinträchtigt wird“. Dafür sorgten die mittelständisch geprägte Struktur und der Branchenmix in OWL. Zudem: „Wir von den Instituten und Hochschulen werden durch den Zuschlag für eines der fünf nationalen Kompetenzzentren Industrie 4.0 ab 2016 sehr gute Möglichkeiten haben, um den Mittelstand in der Region bei der Digitalisierung noch besser zu unterstützen“, betont der Wissenschaftler. Wilhelm Schäfer, Präsident der Universität Paderborn, hofft, dass jetzige und künftige Entscheider bei Wincor Nixdorf „den innovativen Charakter der Region und die weltweite Sichtbarkeit berücksichtigen“ werden. „In unserer Region und am IT-Standort Paderborn sind wir seit vielen Jahren meist positive Erfolgsnachrichten gewohnt.“ Allerdings sei es zu früh, um beurteilen zu können, welche Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten von Wincor in Paderborn bleiben werden. Wincor ist mit mehreren Projekten am Spitzencluster beteiligt. Ganz ohne Folgen bleibt der Abzug von Fujitsu nicht. Gregor Engels, Informatiker der Uni Paderborn und Leiter des S-Lab, verheißt: „30 Leute von Fujitsu, die gemeinsam mit Doktoranden der Uni im Futurelab arbeiten, werden verschwinden. Innovationen werden damit nicht weitergeführt.“ Dann werde die Uni mit anderen Unternehmen aus OWL kooperieren. „Aber die kommen dann nicht aus Paderborn.“

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