Dokumentationsstätte Stalag 326: Modell einer Lagerbaracke. - © Birgit Guhlke
Dokumentationsstätte Stalag 326: Modell einer Lagerbaracke. | © Birgit Guhlke

Düsseldorf/Schloß Holte-Stukenbrok Ehemaliges NS-Lager in OWL soll Gedenkstätte werden

Sowjetische Kriegsgefangene: Landtagspräsident André Kuper bildet prominent besetzten Lenkungskreis. Das Ziel ist es, die nationale Bedeutung von Stalag 326 herauszustellen

Lothar Schmalen

Düsseldorf/Schloß Holte-Stukenbrock. Auf dem Gelände des ehemaligen NS-Lagers für sowjetische Kriegsgefangene (Stalag 326) soll eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung entstehen. Diese Aufwertung der bisherigen Dokumentationsstätte hat sich ein neuer überparteilicher Lenkungskreis zum Ziel gesetzt, an dessen Spitze der Präsident des NRW-Landtags, André Kuper (CDU) aus Rietberg, steht. Das 15-köpfige Gremium kommt am Montag erstmals im Rathaus von Schloß Holte-Stukenbrock zusammen und will dann über das weitere Vorgehen beraten. Auf dem Gelände in Stukenbrock, in dessen unmittelbarer Nähe auch der Ehrenfriedhof mit Tausenden Gräbern von Kriegstoten aus der früheren Sowjetunion liegt, befand sich von 1941 bis zur Befreiung durch die US-amerikanischen Truppen am 2. April 1945 ein Kriegsgefangenenlager für sowjetische Soldaten (Stammlager 326), das von der Wehrmacht betrieben wurde. Insgesamt durchliefen dieses Lager 300.000 Soldaten, rund 60.000 kamen wegen der schlechten Behandlung ums Leben. Vom 1. Oktober 1946 bis zum 31. Dezember 1947 nutzten die Briten das Lager zur Inhaftierung von insgesamt 8.885 deutschen Kriegsgefangenen und verdächtigten NS-Kriegsverbrechern. Heute existiert auf dem Gelände eine Polizeischule Von 1948 bis 1970 wurde das Gelände im Auftrag des NRW-Sozialministeriums als Heimstatt für Flüchtige aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches (Sozialwerk Stukenbrock) genutzt. Hier waren insgesamt 220.000 Flüchtlinge, darunter 70.000 unbegleitete Minderjährige, vorübergehend untergebracht. Heute existiert auf dem Gelände eine Polizeischule. Die bisherige Arbeit des Fördervereins Stalag 326 war bundesweit gewürdigt worden, als der damalige Bundespräsident Joachim Gauck die Dokumentationsstätte und den sowjetischen Soldatenfriedhof besuchte. Seitdem ist die Bedeutung der Erinnerungsstätte an die Leiden sowjetischer Kriegsgefangener in Deutschland auch politisch unumstrittener als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Kuper (CDU) und der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht (Bielefeld) bemühen sich schon seit Längerem um eine Aufwertung der bisherigen Dokumentationsstätte. Ziel ist eine profunde wissenschaftliche Aufarbeitung und eine deutlich größere Dauerausstellung auf dem Gelände in Stukenbrock. Ein erster Schritt könnte die Aufstockung der bisherigen Zuschüsse des Landes (zuletzt 85.000 Euro) sein. Für die Weiterentwicklung geht es aber auch um weitere Gelder vom Bund.

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