Schon lange in Deutschland: Hassan Jawad, Al-Mahdi-Kulturverein Oeynhausen. - © Ulf Hanke
Schon lange in Deutschland: Hassan Jawad, Al-Mahdi-Kulturverein Oeynhausen. | © Ulf Hanke

Düsseldorf/Bad Oeynhausen Oeynhausener Al Mahdi-Zentrum im Visier des Verfassungsschutzes

Politischer Extremismus: Der muslimische Kulturverein soll der terroristischen Hisbollah nahestehen. Weitere NRW-Schwerpunkte der Hisbollah-Anhänger befinden sich in Münster, im Raum Essen/Bottrop und in Dortmund.

Lothar Schmalen
Ulf Hanke

Düsseldorf/Bad Oeynhausen. Der islamische Kulturverein Al Mahdi baut in Bad Oeynhausen ein Kultur- und Begegnungszentrum für 800 bis 1.000 Gläubige. Das erklärte der Vereinsvorsitzende Hassan Jawad im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Verein taucht seit Jahren im NRW-Verfassungsschutzbericht auf, weil er der extremistischen und israelfeindlichen Hisbollah (Hisb Allah = die Partei Gottes) nahestehen soll. Polizeilich aufgefallen ist das Kulturzentrum allerdings in den vergangenen Jahren nicht, teilten der Staatsschutz Bielefeld und die Stadt Bad Oeynhausen mit. Nachbarn des Kulturvereins, der das Gebäude einer ehemaligen Rollladenfabrik in Bad Oeynhausen erworben hat, berichten von einer lautstarken religiösen Versammlung Mitte September, bei der zehn Tage lang jeden Abend in einem Zelt gebetet wurde. Die schiitischen Muslime begingen die Aschura, den Todestag von Husain ibn Ali, einem Enkel des Propheten Mohammed und wichtigen Begründer ihrer Konfession. Dass der Verein seit Jahren im Verfassungsschutzbericht auftaucht, erklärt der Vorsitzende mit dem Besatzungsregime Israels in Teilen des Libanon. „Israel ist der Feind, wir leisten Widerstand", behauptet Jawad." Der Verein wolle seine Stimme für die schiitische Religion erheben und die Heimatkultur pflegen. Jugendliche sollen hier demnächst Arabisch lernen und den Koran lesen. Kulturzentrum soll im Sommer 2018 fertig werden Das Kulturzentrum soll im Sommer 2018 fertig werden. Derzeit bauen die Mitglieder die Fabrik in Eigenleistung um. Bezahlt wird der Umbau aus Spenden. Das Gebäude hat nach Auskunft von Jawad rund 400.000 Euro gekostet, wovon 265.000 Euro aus dem Verkauf der bisherigen Versammlungsstätte und 150.000 Euro aus einem Bankkredit flossen. Die Zahl der in Deutschland lebenden Hisbollah-Anhänger gibt der Verfassungsschutz mit 950 an, davon 105 in NRW – Tendenz steigend. Größtes Zentrum der Hisbollah-Anhänger in NRW sei Münster. Hier diene das Imam-Mahdi-Zentrum seit mehr als 20 Jahren als Plattform und Begegnungsstätte für Hisbollah-Anhänger. Weitere Schwerpunkte neben Bad Oeynhausen seien in Essen/Bottrop und Dortmund. Die schiitische Hisbollah formierte sich 1982 als Reaktion auf den Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon. Der Iran unterstützt die Hisbollah finanziell und logistisch. Ihr Ziel war anfangs die Errichtung eines islamischen Gottesstaates nach iranischem Vorbild im Libanon. Hisbollah kämpft auf der Seite des syrischen Assad-Regimes Bis heute gehören zu ihren Zielen die Vernichtung Israels sowie die Errichtung einer islamischen Herrschaft über Jerusalem. Die Hisbollah bedient sich auch terroristischer Mittel, ist seit Jahren für Anschläge in Nordisrael verantwortlich. Heute kämpft die Hisbollah auf der Seite des syrischen Assad-Regimes gegen die oppositionellen Verbände. Zu den erbitterten Gegner der schiitischen Hisbollah gehört auch die sunnitsche Terror-Organisation IS. Die Einschätzung des NRW-Verfassungsschutzes: Bei der Hisbollah handelt es sich um eine international gut vernetzte Terror-Organisation, und ihre Aktivitäten in NRW werden deshalb seit Jahren beobachtet. Unter den schiitischen Libanesen herrsche das „diffuse Gefühl einer persönlichen Gefährdung". Hintergrund ist vor allem die zunehmende Sorge vor einer Ausbreitung des Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten in Deutschland. Seit Mitte 2015 gebe es vermehrt Hinweise auf Kämpfer schiitischer Milizen unter den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen. „Bislang liegen keine Erkenntnisse zu geplanten Anschlagsplanungen dieser Personen in Nordrhein-Westfalen vor", heißt es im Verfassungsschutzbericht.

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