Für das Vorantreiben der Digitalisierung in Estland, wird der ehemalige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves den Reinhard Mohn Preis erhalten. - © Jelena Rudi Photography
Für das Vorantreiben der Digitalisierung in Estland, wird der ehemalige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves den Reinhard Mohn Preis erhalten. | © Jelena Rudi Photography

Gütersloh Reinhard Mohn Preis geht an ehemaligen Präsidenten Estlands

Toomas Hendrik Ilves, der ehemalige Präsident Estlands, wird für sein Engagement zur Digitalisierung des Landes ausgezeichnet

Marc Schröder

Gütersloh. Der diesjährige Reinhard Mohn Preis zum Thema „Smart Country – Vernetzt. Intelligent. Digital." geht an den ehemaligen estnischen Staatspräsidenten Toomas Hendrik Ilves (63). Mit der Preisvergabe würdigt die Bertelsmann Stiftung Ilves als Vordenker und Antreiber der Digitalisierung in Regierung, Verwaltung und Bildung. Toomas Hendrik Ilves habe während seiner zehnjährigen Präsidentschaft mit seinem politischen Gestaltungswillen wesentlich dazu beigetragen, dass Estland einen außergewöhnlichen Digitalisierungsprozess durchschritten hat, so die Begründung der Bertelsmann Stiftung zur Preisvergabe. Unter ihm gelang es die Digitalisierungsbemühungen der einzelnen Ministerien in einer nationalen Strategie zu bündeln. Schneller Internetzugang und mobiles Breitband für alle, Aufbau digitaler Kompetenzen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sowie eine positive, offene Grundhaltung der Esten gegenüber digitalen Technologien: All dies lässt sich auf das politische Wirken und Engagement von Ilves zurückführen. Beispielhafte Digitalisierung „Estland ist auch für die Digitalisierung in Deutschland ein richtungsweisendes Beispiel", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Für die Esten sind Behördengänge eine absolute Ausnahme. Eine elektronische Identifikation samt digitaler Unterschrift erlaubt es Estlands Bürgern bereits seit 2002, nahezu alle notwendigen Behördenkontakte online zu erledigen. 2005 war Estland die erste Nation, die bei landesweiten Wahlen ihren Bürgern ermöglichte, ihre Stimme elektronisch abzugeben. Selbst Ausländer können eine virtuelle Identität beantragen, mit der sie Firmen gründen, Steuererklärungen machen und Bankgeschäfte erledigen können. Bereits als Botschafter Estlands in den USA 1995 initiierte Toomas Hendrik Ilves ein wegweisendes Projekt zur Förderung der digitalen Kompetenz in seiner Heimat. Das sogenannten „Tiger Leap Program" war der Startschuss, mit dem in Estland das Internet in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Standard-Werkzeug werden sollten. Angefangen bei den Jüngsten: Die Schulen wurden ans Internet angebunden, mit Hard- und Software ausgestattet, die Lehrer geschult. Im zweiten Schritt verankerte Estland das e-Learning im täglichen Stundenplan. Ausgeweitet wurde das Programm dann auf die Hochschulen des Landes. „Toomas Hendrik Ilves hat die Digitalisierung in die Schulen und in den Unterricht gebracht, zehn Jahre vor Erfindung des Smartphones. Er hat erkannt, wie bedeutsam der frühzeitige Erwerb digitaler Kompetenzen ist", sagt Brigitte Mohn. Indem die Esten die Chancen der Digitalisierung als Hebel für Wachstum und gesellschaftlichen Aufbruch zu nutzen versuchen, entwickelten sie einen „gesunden Optimismus, ohne Berührungsängste, aber auch ohne naive Euphorie", so Mohn. Frühzeitig die digitalen Weichen gestellt Die Bertelsmann Stiftung würdigt Ilves auch als einen Politiker, der die Möglichkeiten der Digitalisierung für gesellschaftlichen Aufbruch früh erkannt habe. Als ehemalige sowjetische Teilrepublik hat Estland die frühe und konsequente Digitalisierung auch dazu genutzt, Korruption einzudämmen, den ländlichen Raum infrastrukturell zu fördern und ein offenes Klima der Meinungsfreiheit zu etablieren. Datensicherheit betrachtet Ilves eher als Werkzeug denn als Problem. In seinem Konzept von Datensouveränität sieht er den Bürger als aktiven Gestalter. Nach Ende seiner Präsidentschaft im Oktober 2016 ernannte die Stanford University Toomas Hendrik Ilves zum Gastprofessor am Zentrum für internationale Sicherheit und Zusammenarbeit (CISAC). Für das Weltwirtschaftsforum leitete er das „Blockchain Future Council" und steht seit kurzem dem Ausschuss für Cybersecurity vor.

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