Die Polizei bat darum, die Plakate nicht eigeninitiativ zu entfernen, da dabei Spuren vernichtet werden könnten. - © Jens Ostrowski
Die Polizei bat darum, die Plakate nicht eigeninitiativ zu entfernen, da dabei Spuren vernichtet werden könnten. | © Jens Ostrowski

Gütersloh Nach Anschlag in Berlin: Hassplakate in Gütersloh aufgetaucht

Staatsschutz prüft Täterschaft

Jens Ostrowski

Gütersloh. Sie klebten auf Stromkästen und Kleidercontainern am Marktplatz, an der Fassade des Wasserturms, auf Straßenschildern, Wegweisern und an vielen anderen Stellen in der Innenstadt: Als Gütersloh Mittwochmorgen erwachte, war die Stadt übersät von Hassplakaten mit islamistischen Inhalten. „Nehmt den Islam an oder sterbt!" und „Berlin war erst der Anfang" war darauf unter anderem zu lesen. Die NW verzichtet bewusst darauf, weitere der menschenverachtenden Inhalte auf den DIN A4 großen Plakaten zu zitieren, um die Hassparolen nicht weiter zu verbreiten (siehe Kommentar). Stadt und Polizei waren am Mittwoch alarmiert. „Wir haben an zahlreichen Stellen mehrere Dutzend Plakate und Spuren sichergestellt", sagte Achim Ridder, Sprecher der Polizei in Bielefeld. Die Streifenbeamten der Polizei Gütersloh stellten Plakatierungen im Bereich von Marktplatz und Amtsgericht, an mehreren Stellen in der Moltkestraße, in der Schulstraße, in der Strengerstraße, in der Berliner Straße und auch an der Bushaltestelle am Rathaus fest. Mitarbeiter des Gütersloher Ordnungsamts waren am Mittwoch den gesamten Vormittag über damit beschäftigt, die Plakate zu entfernen. „Erste Hinweise haben wir schon früh morgens von unserer Stadtreinigung erhalten", sagte Sprecherin Susanne Zimmermann. Erst nach Rücksprache mit der Polizei aber habe die Entsorgung dann begonnen. Das Entfernen gestaltete sich aufgrund des benutzten Klebers an einigen Stellen als schwierig. Auch aufmerksame Passanten versuchten in den frühen Morgenstunden auf dem Weg zur Arbeit Plakate zu entfernen. Die Polizei bat später über Radio Gütersloh darum, die gut gemeinte Eigeninitiative zu unterlassen, da dabei Spuren vernichtet werden, die zu den Tätern führen könnten. Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche wurden die Hassplakate gestern in Gütersloh kontrovers diskutiert. „Da gehen einem viele Gedanken durch den Kopf. Ich weiß nicht, welchem Zweck diese Plakate dienen sollen. Klar ist nur, sie besorgen mich sehr", sagte Dagrun Junkermann. Die Gütersloher Logopädin hatte auf dem Weg in ihre Praxis gestern Morgen zahlreiche Plakate an der Prekerstraße entdeckt. Waren hier islamistische Extremisten am Werk? Oder Neonazis, die nach dem Anschlag in Berlin Hass gegen Flüchtlinge schüren wollen? Oder handelt es sich vielleicht doch nur um einen Dummen-Jungen-Streich? Diese Fragen muss nun der Staatsschutz in Bielefeld klären, der gestern morgen die Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen hat. Die Spur zu den Tätern führt dabei nicht nur nach Gütersloh, sondern auch nach Rheda-Wiedenbrück. Nahe der McDonalds-Filiale an der Bielefelder Straße sind gestern ebenfalls Flugzettel aufgetaucht. „Sie wurden von unseren Beamten entfernt. Diese waren identisch mit dem Plakaten, die wir in Gütersloh gefunden haben", sagte Polizeisprecher Achim Ridder. Der Staatsschutz Bielefeld sucht Zeugen und nimmt Hinweise unter (0521) 545-0, die Gütersloher Polizei unter (05241) 869-0 entgegen. Kommentar Eine Frage 
der Haltung Gerade mal ein paar Hundert Gütersloher dürften die Hassplakate gestern mit eigenen Augen gesehen haben. Verschwindend gering im Vergleich zu Zehntausenden Menschen, die die Medien der Neuen Westfälischen erreichen. Wir haben uns deshalb dazu entschieden, die Plakate nur verfremdet zu veröffentlichen. Wir wollen dokumentieren und berichten, aber nicht dabei helfen, die menschenverachtenden Botschaften zu verbreiten. Denn das würde den Tätern – egal ob islamistisch, rechtsextrem oder durch Dummheit initiiert – in die Karten spielen. Dass Fotos von den Hassplakaten auch in den sozialen Netzwerken im Internet aufgetaucht sind, können wir nicht beeinflussen. Allerdings können wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die dort zu findenden wilden Spekulationen zu den Urhebern der Hassplakate Fehl am Platz sind. Es ist besser, sich auf Fakten zu stützen. Und für die wird der Bielefelder Staatsschutz sorgen.

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