Eine Art "Zwangsferien" müssen die Schüler einer Solinger Grundschule hinnehmen: Eine Schülerin hatte sich mit Hepatitis A infiziert. - © picture alliance / Christian Charisius/dpa
Eine Art "Zwangsferien" müssen die Schüler einer Solinger Grundschule hinnehmen: Eine Schülerin hatte sich mit Hepatitis A infiziert. | © picture alliance / Christian Charisius/dpa

Bielefeld Grundschule schließt wegen Infektion: Wie Hepatitis A übertragen wird

Die Zahl der gemeldeten Infektionen ist in Deutschland äußerst gering

Leandra Kubiak

Bielefeld. "Zwangsferien" für 220 Schüler einer Solinger Grundschule: Weil sich eine Schülerin mit Hepatitis A infiziert hat, bleibt die Schule nun mindestens zwei Wochen lang geschlossen. Wie die Stadt auf ihrer Webseite mitteilt, haben der Stadtdienst Gesundheit und die Schulleitung der betroffenen Grundschule gemeinsam vereinbart, dass den betroffenen Kindern aus allen zehn Klassen dringend eine Imfpung empfohlen wird. Da die Ansteckungsgefahr 14 Tage nach der Impfung gebannt sei, könne die Schule ihren regulären Betrieb in zwei Wochen wieder aufnehmen. Ohne Impfung betrage die Inkubationszeit rund vier Wochen. Kinder, deren Eltern der Impf-Empfehlung nicht nachgingen, könnten also erst dann wieder am Unterricht teilnehmen. Infektion durch Nahrung und mangelnde Toilettenhygiene Hepatitis A zählt zu den Erkrankungen, für die die Ständige Impfkommission (STIKO) keine grundsätzliche Empfehlung zur Impfung für jedermann ausspricht. Dass man in solch einem Fall zu einer Impfung aller betroffenen Kinder rät, sei aber nicht unüblich, erklärt Dr. Peter Schmid vom Gesundheitsamt der Stadt Bielefeld. Somit könne verhindert werden, dass sich die Krankheit weiter ausbreitet. Mit Hepatitis A infizieren kann man sich auf zwei Wegen: Zum einen durch die Aufnahme von Nahrung, auf der sich das Virus befindet, zum anderen durch die sogenannte Schmierinfektion. Infizierte scheiden das Virus durch den Kot aus. Wird keine gute Toilettenhygiene eingehalten, kann sich das Virus auf diesem Wege weiterverbreiten. Damit sich die Erkrankung, gerade im Umfeld von Kindergärten und Schulen, nicht verbreiten kann, rät Peter Schmid dazu, Kindern möglichst früh beizubringen, wie wichtig es ist, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen. Weniger als 20 Fälle pro Jahr in Bielefeld Eine zunehmende Verbreitung der Erkrankung sieht Schmid in Deutschland nicht. In den Jahren 2016 und 2017 habe die Zahl der Infizierten in Deutschland jeweils bei rund 1.000 gelegen und sei damit sehr gering. In Bielefeld wurden im Jahr 2016 gerade einmal drei Fälle bekannt, 2017 waren es 19. In diesem Jahr zählte das Gesundheitsamt bislang acht Erkrankungen. Allerdings fügt Schmid auch hinzu, dass eine Infektion - gerade bei Kindern - auch unbemerkt verlaufen könne und so mit einer gewissen Dunkelziffer zu rechnen ist. Symptome einer akuten Infektion mit Hepatitis A sind das plötzliche Einsetzen von Fieber, Unwohlsein und Brechreiz, einige Tage später gefolgt von Gelbsucht. Eine Impfung wird gewöhnlich Erwachsenen empfohlen, die beispielsweise in asiatische oder afrikanische Länder reisen wollen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, sich über verunreinigte Nahrung zu infizieren, wesentlich höher. Wer in Regionen mit hohem Hepatitis-A-Vorkommen reist und keinen Impfschutz hat, kann das Risiko einer Infektion herabsetzen, indem er auf bestimmte Faktoren achtet. So rät das Gesundheitsministerium davon ab, Meeresfrüchte, rohes Fleisch und rohen Fisch zu essen und Wasser zu trinken, das nicht aufbereitet wurde. Anders verhält es sich bei Hepatitis B: Hier empfiehlt das NRW-Gesundheitsministerium eine Impfung im Kindes- oder Jugendalter. Hepatitis B wird durch Blut und Körperflüssigkeiten, also zum Beispiel beim Sexualkontakt, übertragen.

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