Protest: 580 Menschen sind von der Schließung des Fujitsu-Standortes am Heinz-Nixdorf-Ring betroffen. Sie nahmen an einem Marsch durch die Stadt bis zur Herz-Jesu-Kirche am Westerntor teil. Jeweils montags um 11 Uhr wird auf dem Firmengelände demonstriert. - © Radio Hochstift Höxter
Protest: 580 Menschen sind von der Schließung des Fujitsu-Standortes am Heinz-Nixdorf-Ring betroffen. Sie nahmen an einem Marsch durch die Stadt bis zur Herz-Jesu-Kirche am Westerntor teil. Jeweils montags um 11 Uhr wird auf dem Firmengelände demonstriert. | © Radio Hochstift Höxter

Paderborn Kundgebung von Fujitsu-Mitarbeitern gegen die drohende Schließung

Der Konzern hatte zuvor angekündigt, an der Entscheidung festzuhalten

Sabine Kauke

Paderborn. Die Fujitsu-Mitarbeiter am Heinz-Nixdorf-Ring sind enttäuscht und frustriert: 580 Beschäftigte werden durch die vor vier Monaten angekündigte Schließung des Standortes wohl ihren Arbeitsplatz verlieren. Am Dienstag machten sie sich mit großen Bannern auf zu einem Protestmarsch ans Westerntor. Bürgermeister Michael Dreier kündigte dabei an, sich für die Schaffung neuer Arbeitsplätze einzusetzen, zum Beispiel in Form eines Gründungszentrums. Betriebsratsvorsitzender Andreas Ziebarth verhandelte auch gestern wieder mit Arbeitgebervertretern in Augsburg. "All unsere Vorschläge zum Standorterhalt wurden abgelehnt. Jetzt setzen wir alles daran, die Auswirkungen für die Mitarbeiter abzumildern", sagte er zur NW. "Wir werden unser Fell so teuer wie möglich verkaufen." Konkretere Hoffnung gibt es derzeit nur für die Abteilung Recycling und Remarketing (26 Mitarbeiter), die Fujitsu offenbar verkaufen will, sowie für eine Handvoll Mitarbeiter aus der Forschungsabteilung, die bestehen bleiben soll. Die Mehrheit der Belegschaft schafft seit mehr als 20 Jahren für das Unternehmen, ein Nixdorf-Ableger. Das Durchschnittsalter: 46 Jahre. "Rüdiger Matisz, Leiter der Arbeitsagentur, hat beim Protestmarsch bereits die Vermittlung auf dem heimischen Arbeitsmarkt problematisiert", sagt Ziebarth. Über 300 Beschäftigte sind in der Hardware-Entwicklung tätig. Interview: Camillo Zanghi zum Aus für den Fujitsu-Standort in Paderborn Herr Zanghi, haben Sie Hoffnung, dass mit Protesten die Schließung des Fujitsu-Standortes Paderborn verhindert werden kann? Camillo Zanghi: Die Schließung ist der falsche Weg, das muss man den Japanern immer wieder deutlich machen. Diese Entscheidung ist betriebswirtschaftlich nicht durchdacht und wurde nicht begründet. Doch auch wenn sie klar besiegelt scheint, geht es bis zum letzten Tag immer um alles. Auch wenn die Chancen minimal sind, werden wir kämpfen. Das Unternehmen hat eine soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter. Gab es Gespräche zwischen Fujitsu und der IG-Metall? Zanghi: Nein, keinerlei Austausch. Auch der Betriebsrat wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Es wird ja argumentiert, dass Paderborn der teuerste Fujitsu-Standort sei. Hätte man uns gefragt, wir hätten die ein oder andere Idee gehabt, den Betrieb zu retten. Es gibt genug positive Beispiele, wie man mit Tarifverträgen die Zukunft gestaltet und Arbeitsplätze sichert. Wie schätzen Sie die Chancen für die Fujitsu-Mitarbeiter auf neue Arbeitsplätze in Paderborn ein? Zanghi: Das hängt von der Entwicklung der Region ab. Es ist ja nicht so, dass die Nachfrage gerade riesig ist. Der ein oder andere wird sicher etwas in Unternehmen vor Ort finden, genauso wie dem ein oder anderen von Fujitsu ein Angebot für einen anderen Standort unterbreitet werden wird. Doch eine Kompensation wird es aus heutiger Sicht nicht geben, vermute ich. Was wird jetzt verhandelt? Zanghi: Fujitsu muss nachhaltige Strukturen mitgestalten, um den hochqualifizierten Menschen Perspektiven zu geben. Es geht neben Abfindungen zum Beispiel um Transfergesellschaften und Start-up-Modelle. Wir werden der Stachel sein, falls Fujitsu seine soziale Verantwortung vergisst.

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