Die Justizvollzugsanstalt Büren. - © Karl Finke
Die Justizvollzugsanstalt Büren. | © Karl Finke

Büren Verein fordert nach Todesfall Psychologen für Abschiebehaft in Büren

Bezirksregierung will ausgeschriebene Psychologen-Stelle besetzen

Björn Vahle

Büren/Detmold. Der Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren" fordert nach einem Todesfall in der Abschiebehaft psychologische Betreuung für die dort Untergebrachten. Die Landesregierung müsse dafür Sorge tragen, dass professionelle Sozialarbeiter und Psychologen eingestellt werden, erklärte der Verein. „Viele Menschen sind in Büren verzweifelt und haben Angst vor der Abschiebung", sagte der Sprecher des Vereins, Frank Gockel. Deshalb seien Sozialarbeiter und Gesprächsangebote für die Inhaftierten nötig. Bislang seien zwar sogenannte Sozialassistenten im Auftrag eines mittelständischen Familienunternehmens im Abschiebegefängnis in Büren beschäftigt, erklärte Gockel. Diese seien in der Vergangenheit oftmals selber überfordert gewesen. Anfang dieser Woche habe sich ein 41-jähriger Georgier in Abschiebehaft in Büren erhängt, erklärte der Verein. Die Umstände des Todes seien noch unklar. Frank Gockel wirft der Anstalt in einer Pressemitteilung vor, versucht zu haben, "den Vorfall möglichst geheim zu halten". „Unser Mitgefühl gilt den Familienangehörigen und Freunden des verstorbenen Mannes", sagte Gockel. Zum Gedenken ruft der Verein zu einer Mahnwache am Freitag vor dem Abschiebehaftgefängnis auf. Psychologen-Stelle bereits ausgeschrieben Die Kreispolizei Paderborn bestätigte den bislang unbekannten Fall ebenso wie die Bezirksregierung Detmold. Der Vorfall habe "große Betroffenheit innerhalb der Einrichtung ausgelöst", heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung. Sozialbetreuer der Einrichtung stünden für die anderen Insassen bereit. Die Bezirksregierung stelle "grundsätzlich die umfassende Betreuung der Untergebrachten sicher". Außerdem sei dem Hilfeverein mehrfach weitere Beratungszeit angeboten worden. Gockel hatte kritisiert, die Anstaltsleitung sei nicht bereit, Nichtregierungsorganisationen "in einem angemessenen Rahmen mit den Inhaftierten reden zu lassen". Dass sie nicht ausreichend für psychologische Betreuung sorge, lässt die Bezirksregierung also nicht gelten. Diese leisteten aktuell vier Sozialbetreuer, sie machten regemäßig Gesprächsangebote, "die auch häufig angenommen werden". Ihre Zahl sei wegen der gewachsenen Zahl an Insassen von drei auf vier aufgestockt worden. Zusätzlich soll die einem Sprecher zufolge bereits "seit mehreren Wochen" ausgeschriebene Stelle eines Psychologen besetzt werden. Jeder Insasse wird psychiatrisch eingeschätzt Grundsätzlich erfolge für alle Insassen "eine erste psychiatrische Einschätzung im Zuge der ärztlichen Eingangsuntersuchung". Gebühren für Seelsorge und Rechtsberatung würden nicht erhoben. Auch die SPD-Opposition im Landtag kritisierte am Mittwoch "Chaos" in der Unterbringungseinrichtung. Offenbar sei das zuständige Flüchtlingsministerium trotz der lange bekannten Berichte über Randale, Selbstverstümmelungen und heimlich verabreichten Beruhigungsmedikamenten an Häftlinge "tatenlos geblieben", sagte der SPD-Integrationsexperte Ibrahim Yetim am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nach einer Sitzung des Integrationsausschusses im Landesparlament. Yetim forderte Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) auf, "endlich für Sicherheit und Ordnung" in dem Gefängnis nahe Paderborn zu sorgen. Die Haftanstalt steht seit längerem in der Kritik. Mehrfach flüchteten Insassen, zuletzt Anfang und Mitte April. Der von Gockel geführte Verein zeigte die Vollzugsleiterin an, wegen angeblicher Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die NRW-Landesregierung hatte Schwierigkeiten eingeräumt und eine Gesetzesnovelle angekündigt, die unter anderem das Bewegungsrecht einschränken und Verstöße von Insassen strenger ahnden. Mit Material von epd und kna.

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