Middle of the Road: Die schottische Sängerin Sally Carr trägt ein typisches 70er-Jahre-Outfit. - © Dietmar Gröbing
Middle of the Road: Die schottische Sängerin Sally Carr trägt ein typisches 70er-Jahre-Outfit. | © Dietmar Gröbing

Bad Lippspringe Oldie Star Festival lockt 2.000 Besucher in Bad Lippspringer Arminiuspark

Alte Recken, junger Sound

Dietmar Gröbing

Bad Lippspringe. Die Landesgartenschau (LGS) macht nicht nur von sich reden, sie macht auch regelmäßig von sich hören. Zuletzt am Samstag, als ein neuerliches Freiluftkonzert Richtung Arminiuspark lockte. Auf dem Bühnenbau standen ausschließlich Solokünstler und Gruppen aus dem Oldiesegment. Kein schlechter Schachzug der Veranstalter, besteht das Publikum der LGS doch zu weiten Teilen aus Damen und Herren im fortgeschrittenen Alter. Und eben diese Damen und Herren sind musikalisch während der 60er und 70er Jahre sozialisiert worden. Also bot man der avisierten Zielgruppe einen ganzen Abend lang Klänge aus ihrer Jugend. Das Angebot fruchtete, denn rund 2.000 Interessierte hatten den Weg zur innerstädtischen Freifläche gefunden. Mit den zu weiten Teilen ergrauten Anwesenden waren vier Topacts in die Badestadt gekommen: Die Solisten Harpo und Chris Andrews sowie die Gruppierungen Middle of the Road und The Rattles. Letztere Gruppe hatte einen kleinen Standortvorteil: Sie kam als einzige aus Deutschland. Und bevorzugte daher eine deutsche Ansprache. Die Musik hingegen war in englischer Sprache gehalten. Weil die Rattles so ihre Gefühle besser zum Ausdruck bringen können. Also hieß es für Sänger und Gitarrist Eggert Johannsen „Come on and sing". Was nebenbei einer der größten Erfolge der Hamburger war. Topseller und Tophit war und ist bis heute „The Witch", wobei der Titel aus dem Jahr 1970 auch die internationalen Charts stürmte. Ebenfalls Dauergast in den Charts war die Band „Middle of the Road". Größter Erfolg der Formation aus dem schottischen Glasgow: „Chirpy Chirpy Cheep Cheep". Der Vogelgeräuschsong war 1971 Vorhut der nachfolgenden Ohrwürmer „Yellow Boomerang", „Soley Soley", „Sacramento" und „Tweedle Dee, Tweedle Dum". Während die Rattles und „Middle of the Road" in voller Besetzungsstärke antraten, waren Chris Andrews und Harpo solistisch unterwegs. Kein Problem für die Routiniers, füllten sie das Auditorium doch problemlos mit ihrem gut ausgebildeten Bühnencharisma. Was zunächst für Harpo galt, der den Abend auf klingende Weise eröffnete. Selbstverständlich Im Repertoire: „Moviestar" und „Horoscope", deren Refrains alle Anwesenden auswendig kannten. Manch einer riskierte am Rande des Geschehens gar ein Tänzchen. Kein Wunder, kommt der Discofox doch scheinbar nie aus der Mode. Genau wie der barfüßig auftretende Schwede, der hier und da seinem Vorbild, dem US-Komiker Harpo Marx, nacheiferte. Über die Vorbilder von Chris Andrews ist nichts bekannt. Was auch nicht nötig ist, dient der 74-jährige Andrews doch zahlreichen anderen Künstlern als Vorbild. Stilprägend waren seine Hits „Pretty Belinda" und „Yesterday Man". Wer letztgenannten Titel auf Chris Andrews bezog, musste sich eines besseren belehren lassen. Der in Dortmund lebende Londoner gehört noch lange nicht zum alten Eisen.

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