Freuen sich über die neue Defibrillator-Weste: Susanne Krappel, Leiterin der klinischen Psychologie, Patient Heinz-Fridel-Hoppmann und Mohammed Sajid Hossain, Chefarzt der Kardiologie (v.l.). - © Foto: Paula Dieker
Freuen sich über die neue Defibrillator-Weste: Susanne Krappel, Leiterin der klinischen Psychologie, Patient Heinz-Fridel-Hoppmann und Mohammed Sajid Hossain, Chefarzt der Kardiologie (v.l.). | © Foto: Paula Dieker

Bad Oeynhausen Eine unscheinbare Weste rettet Leben

Medizin: Das neue Kleidungsstück arbeitet vollkommen autonom. Und erspart vielen Patienten eine riskante Operation am Herzen

Dennis Rüter

Bad Oeynhausen. Heinz-Fridel Hoppmann sitzt entspannt am Tisch. Dabei hat er ein Risiko für Herzrhythmusstörungen, könnte also jeden Moment einen Herzinfakt erleiden. Diese Ruhe ermöglicht Hoppmann eine neuartige Defibrillator-Weste, die die Maternus-Klinik ihren Risikopatienten mit nach Hause gibt. Im Ernstfall veranlasst die Weste selbstständig einen Elektroschock. Die dabei austretende blaue Kontaktflüssigkeit färbt das weiße Hemd. So weiß der Patient im Anschluss, was passiert ist. Danach muss er seinen Arzt aufsuchen, damit die Flüssigkeit wieder aufgefüllt und die Daten des Gerätes ausgewertet werden können. „Die Weste dient Patienten, die eine hohe Gefahr für Herzrhythmusstörungen haben", erklärt Ronny Götze. Er ist Gebietsleiter der Firma Zoll, die das Gerät entwickelt hat. „Das Risiko ist besonders hoch nach einer Operation oder einem Herzinfakt." Studien zeigten, dass das Risiko abnimmt, je länger der Vorfall zurück läge. Innerhalb der ersten ein bis drei Monate danach tragen die Patienten die Weste rund um die Uhr. Zum Duschen dürfen sie sie ausziehen. So sparen sie sich den Aufenthalt in der Klinik. „Etwa 40 Prozent der Patienten verbessern sich durch das Gerät", so Götze weiter. Sie können auf einen internen Defibrillator und die zum Einsetzen nötige riskante Operation verzichten. „Bisher war die Technik Krankenhäusern vorbehalten. Bei Reha-Kliniken sind wir Vorreiter", sagt Mohammed Sajid Hossain, Chefarzt der Kardiologie im Haus. Zurzeit tragen 15 Patienten der Klinik eine Weste. Eingesetzt wird sie seit Januar. Hoppmann trägt sein Exemplar nun seit vier Wochen. „Man muss erst schauen, wie das funktioniert", resümiert er. „Doch man gewöhnt sich daran." Einen Elektroschock brauchte er bisher nicht. Nur einmal bekam Hoppmann einen Schreck: „Das Gerät hatte mich nachts gewarnt, weil ein Kontakt abgefallen war. Dafür weiß ich jetzt, dass es funktioniert." Das Gerät besteht aus einem weißen Hemd, Sensoren, einem Messgerät und einer Ladestation. Es wiegt 700 Gramm und lässt sich für Patienten mit einem Gewicht bis 220 Kilogramm einstellen. Die elektronischen Teile können entnommen werden, um das Hemd zu waschen. Um falsche Bedienung zu verhindern, funktioniert das Gerät vollkommen autonom. Durch gesprochene Anweisungen weiß der Patient immer, wie er es zu bedienen hat. Dazu trägt auch eine zweistündige Schulung bei, die jeder Westen-Träger in der Klinik erhält. ´ Bei Fragen zu der neuen Defibrillator-Weste steht die Maternus-Klinik unter Tel. (0 57 31) 8 50 allen interessierten Herz-Patienten zur Verfügung.

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