Einbrecher am Werk: Vor allem in der Südstadt und in Lipperreihe haben Menschen derzeit Angst vor Einbrüchen. - © MIK NRW / Jochen Tack
Einbrecher am Werk: Vor allem in der Südstadt und in Lipperreihe haben Menschen derzeit Angst vor Einbrüchen. | © MIK NRW / Jochen Tack

Oerlinghausen Anonymer Aufruf zur Bürgerwehr

In der Facebook-Gruppe „Wir sind Oerlinghausen“ gibt es zunehmend fremdenfeindliche Kommentare. Das Medieninteresse an der Bergstadt nimmt zu.

Sigurd Gringel

Oerlinghausen. Fast täglich meldet die Polizei einen Einbruch oder einen Einbruchsversuch in der Südstadt oder in Lipperreihe. Längst sollte ein Büro in der Südstadt für die Polizei eingerichtet werden. Darauf warten die Bürger noch immer. Sie organisieren sich mittlerweile in WhatsApp-Gruppen und erwecken das Interesse überregionaler Medien. Auf Facebook ruft jemand anonym zu einer Bürgerwehr auf. BÜRO AM FLUGPLATZ Die Neue Westfälische hat im September 2017 die gestiegene Kriminalität im Umfeld der Zentralen Unterbringungseinrichtung publik gemacht. Die Berichte haben angestoßen, dass Landrat Axel Lehmann sich für mehr Polizeipräsenz in Oerlinghausen eingesetzt, der Stadtrat eine Resolution verfasst und der Staatssekretär des Ministeriums für Flüchtlinge die Einrichtung besucht hat. Der dritte Bezirksbeamte ist seit 1. Dezember im Dienst, die Polizei will ihn vorstellen, sobald sein Büro in der Südstadt bezugsfertig ist. Geplant ist, dass in der ehemaligen Rettungswache am Flugplatz ein Büro für den Bezirksbeamten und für ein Ermittlerteam der Wache Lage eingerichtet wird. Eigentümer der Immobilie ist die Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen. Deren Geschäftsführer Rolf Tiemeyer sagt, dass der Vertrag „in trockenen Tüchern" sei, er aber den Einzugstermin nicht kenne. Nach seinen Informationen sollen die Umbauten am Gebäude im laufenden Betrieb stattfinden. Die Räume sollen unter anderem einen barrierefreien Zugang erhalten. Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg konnte die Aussagen noch nicht bestätigen, will aber heute die Anfragen der NW beantworten. MEDIEN BERICHTEN Das Thema „Kriminalität in Oerlinghausen" ist mittlerweile auch in anderen Medien angekommen. Radio, Fernsehen und eine überregionale Wochenzeitung haben berichtet. Ein Privatsender hat Montagmorgen einen etwa vierminütigen Beitrag mit dem Titel „Kleinstadt in Angst" gesendet, Dienstagabend ist ein weiterer Beitrag in einem Magazin des Senders geplant. Und eine neue Interviewanfrage eines Privatsenders liegt der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Lippe schon vor. BÜRGERWEHR In der Facebookgruppe „Wir sind Oerlinghausen", die mehr als 2.800 Mitglieder hat, wurde kontrovers darüber diskutiert, ob Privatfernsehsender ein realistisches Bild der Sorgen der Bürger zeigen oder die momentane Lage als Anlass für reißerischere Beiträge nehmen. Ende vergangener Woche hat ein User anonym in einem Beitrag für eine Bürgerwehr Oerlinghausen geworben. „Es soll keine rechtsradikale Vereinigung sein, wir wollen einfach Präsenz zeigen und der Polizei helfen, da es ja wie bekannt nicht wirklich viele Einsatzkräfte gibt" hieß es unter anderem. Dazu der Vorwurf, dass Vorfälle unter den Tisch gekehrt werden. Michaela Hermany ist seit etwa zwei Jahren eine der Administratorinnen der Gruppe. Früher seien es vorwiegend dubiose Kreditanbieter gewesen, die sie sperren musste. Heute sind es fremdenfeindliche Beiträge, mitunter muss sie Personen aus der Gruppe ausschließen. Es nehme viel Freizeit in Anspruch und sei auch nicht immer leicht zu beurteilen. Am Montagabend wurde zum Beispiel ein Zitat der Politikerin Aydan Özoguz (SPD) gepostet, das nach Auskunft ihres Büro in Berlin gefälscht ist. Bei dem Aufruf zur Bürgerwehr wurde Michaela Hermany skeptisch, hatte kein gutes Bauchgefühl. Also schrieb sie den User, der auch unter „Safe OE" Beiträge einstellte, an. Weil er sich nicht zu erkennen geben wollte, löschte die Administratorin den Aufruf zur Bürgerwehr. Uwe Bauer, Sprecher der Kreispolizei Lippe, findet es „völlig daneben", in Eigeninitiative gegen mutmaßliche Täter vorzugehen. Ein Austausch und gegenseitige Warnungen, wie es die WhatsApp-Gruppen machen, hält er für sinnvoll, wenn die Informationen der Polizei weitergegeben werden, um die Täter zu fassen. Er weist zugleich auf das Recht am eigenen Bild hin. Verdächtige dürfen nicht einfach fotografiert und die Fotos veröffentlicht werden.

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