In Reih und Glied: Filmemacher Peter Schanz (r.) erläutert den Laienschauspielern des 15. Preußischen Infanterieregiments aus Minden, die für die Kamera in originalgetreuen historischen Uniformen angetreten sind, wie er sich die Verfolgungsjagd vorstellt. Sie hat der Regisseur als eine der Schlüsselszenen für seinen Film über den Wildschütz Klostermann vorgesehen. - © Hermann Ludwig
In Reih und Glied: Filmemacher Peter Schanz (r.) erläutert den Laienschauspielern des 15. Preußischen Infanterieregiments aus Minden, die für die Kamera in originalgetreuen historischen Uniformen angetreten sind, wie er sich die Verfolgungsjagd vorstellt. Sie hat der Regisseur als eine der Schlüsselszenen für seinen Film über den Wildschütz Klostermann vorgesehen. | © Hermann Ludwig

Kreis Höxter Filmdreh: Mit dem Wildschütz auf der Flucht

An originalen Schauplätzen wurden aufregende Spielszenen um den Wilderer Hermann Klostermann gedreht.Für den letzten Drehtag hatte Filmemacher Peter Schanz einen Trupp preußischer Soldaten verpflichtet

Hermann Ludwig

Kreis Höxter. Die Geschichte vom Wildschütz Klostermann feiert voraussichtlich im April Premiere auf der Kinoleinwand im Warburger Land. Peter Schanz, Filmemacher aus Bad Lippspringe, hat jetzt auf Gut Böddeken bei Wewelsburg die letzten Szenen für sein Filmprojekt „Jäger und Gejagter – Der Wilddieb Hermann Klostermann" abgedreht. Technischer Aufwand Mit hohem technischen und persönlichem Aufwand widmet sich sein Film dem 1839 geborenen Wilderer, der im Hochstift sein Unwesen trieb. „Die Figur hat uns schon lange fasziniert und wir wollten bereits vor geraumer Zeit diesen Film drehen, jetzt hatten wir Zeit, uns des Projekts anzunehmen und konnten das mit Freunden verwirklichen", freut sich Peter Schanz. Mit drei Kameras wird am letzten Drehtag aus verschiedenen Perspektiven gedreht, wie Klostermann und sein Freund Lohoff aus Oesdorf von den Preußen verfolgt werden. Klostermann kann entkommen, sein Jagdkumpan Lohoff bleibt auf der Strecke. Kurze Zeit später wird Klostermann bei Brilon aufgegriffen und später in Paderborn zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. »Was ist Wahrheit und wo beginnt die Dichtung« Die 90-minütige Filmdokumentation zeichnet authentisch und ungeschönt die Laufbahn des Wilddiebs Hermann Klostermann in all seinen spannenden, aber auch widersprüchlichen Facetten nach. „Was ist Wahrheit, wo beginnt die Dichtung?" Mit dieser Frage haben sich Peter Schanz und seine Frau Anke Schanz ausgiebig beschäftigt. „Wir haben viel gelesen, unter anderem den Briefverkehr des Försters von Wrede mit der Obrigkeit", berichtet Anke Schanz. „Wir haben natürlich auch den Klostermann-Experten Hans-Dieter Hibbeln konsultiert", sagt Peter Schanz, der angesichts des bewegten Lebens des Wilderers nur Ausschnitte aus dessen Lebensgeschichte zeigen kann. Die haben es aber in sich. Aufregende Spielszenen an originalen Schauplätzen, an versteckten mystischen Orten wie die Wüstungen Nutlon und Alt-Rhoden, sind mit viel Sorgfalt gedreht worden. Für den letzten Drehtag am vergangenen Wochenende an der malerisch gelegenen Meinolfus-Kapelle hatte Peter Schanz eigens eine Truppe preußischer Soldaten verpflichten können, um die Verfolgungsjagd authentisch wirken zu lassen. Ein Kameraassistent lief im Tross der Preußen mit einem sogenannten Gimbal mit, einer modernen Go-Pro-Kamera-Version. Die mörderische Hatz auf den Wilderer sollte ganz lebensnah erscheinen. Das 15. Preußische Infanterie-Regiment mit dem Leiter Alexander Korff spielte perfekt mit, um die bedrohliche Lage für Klostermann und seinen Kumpanen Lohoff zu veranschaulichen. »Ich habe gesagt, dass ich sie durchs Unterholz jage« Immer wieder hetzten sie über tiefe Waldwege und durch Bachfurten, um die Wilderer zu kaschen. Die weißleinenen Beinkleider waren trotz der Gamaschen bald verschmutzt. „Ich habe denen vorher gesagt, dass ich sie durchs Unterholz jage", meinte Peter Schanz lächelnd. Der Spaß am Dreh war allen anzusehen. „Eigentlich wollten wir für den Film nur die Uniformen ausleihen", berichtet Schanz. „Die Uniformen gibt es aber nur mit Inhalt", habe Alexander Korff von der historischen Soldatentruppe aus Minden bei der ersten Kontaktaufnahme unmissverständlich erklärt. „Bei dem Projekt haben wir gerne mitgemacht, wir waren schon mal im Kloster Dalheim", erzählt Korff. Heimatromane und Berichte machen ihn zu einem »Rinaldo« 40 Laienschauspieler, zumeist aus dem direkten Umfeld der Familie Schanz, und Helfer rund um Co-Produzentin Anke Schanz haben an der 90-minütigen Filmdokumentation mitgewirkt. Die Hauptrolle spielt Julian Jakobsmeyer aus Paderborn, der bei einigen Szenen von Enes Karaca gedoubelt wurde. Michael Vockel-Böhner verkörperte den Schuster Lohoff, der von preußischen Kugeln getroffen, sein Leben am Waldesrand aushaucht. „Wir sind den Forstbehörden wirklich dankbar, dass wir solche Szenen im Wald drehen und wir auch die Waldwege nutzen durften, ansonsten wäre der Film nicht so lebensnah geworden", betont Co-Produzentin Anke Schanz. Seltene Akteneinsichten sowie fundierte Statements von Initiatoren, Geschichts- und Forstexperten geben der Klostermann-Geschichte Gehalt. Dazu lassen beeindruckende heimische Landschaften im Wandel der Jahreszeiten und die einzigartige Flora und Fauna im Hochstift die Legende Klostermann nach 150 Jahren noch einmal lebendig werden. „Ich will in dem Film die Schönheiten der Region zeigen", betont Peter Schanz. So sei im Trailer zum Film auch die Südansicht der Hansestadt Warburg zu sehen. Erste Einblicke gibt es schon in einem kurzen Video: Der Wildschütz kannte sich aus Der Wildschütz kannte sich bestens aus in der Region. Er nutzte die offenen Grenzen von der Egge zum Waldecker Land immer wieder, um seinen Häschern zu entkommen. Die damalige Berichterstattung und Heimatromane wie „Wildschütz Klostermann, ein neuer Rinaldo" machten Klostermann schon bald zum Robin Hood der Egge, der bisweilen die arme Landbevölkerung mit leckerem Wildbret versorgte, das ansonsten nur den Reichen vergönnt war. Für das Königreich Preußen, dem Westfalen damals einverleibt war, mutierte er nach und nach zum Staatsfeind Nummer Eins, der allerdings bei seinen diversen Fluchten immer wieder Unterschlupf fand. Der Film von Peter und Anke Schanz zeigt den Wildschütz aber auch authentisch und ungeschönt als Kriminellen, der auf seine Verfolger schoss. Im Film erhält Klostermann aber auch die Facette des charmanten Helden, der auch bei den Frauen seine Wirkung hatte. Gedreht wurde vor Dutzenden heimischen Kulissen wie den ehemaligen Klöstern in Dalheim und Hardehausen oder an Bierbaums Nagel auf dem Eggekamm bei Borlinghausen. Einige Szenen wurden im Freilichtmuseum in Detmold gedreht. Die Dokumentation zeigt Spielszenen in schwarz-weiß, die von Peter Schanz kommentiert werden. Da wird auf Details geachtet. So mussten die preußischen Soldaten bei den Dreharbeiten ihre modernen Brillen und Armbanduhren in der Tasche verschwinden lassen. »Wie der Wildschütz ums Leben kam, ist ungeklärt« In Farbe wird in dem 90-minütigen Film die wunderbare Natur der Egge und diverse Sehenswürdigkeiten aus der Region gezeigt, in denen der Wildschütz sein Unwesen trieb. Wie der Wildschütz, den die Obrigkeit gern nach Amerika verschifft hätte, am Ende ums Leben kam, ist ungeklärt. Wie Hermann Klostermanns Lebensende im Film aufgearbeitet wird, darauf darf man gespannt sein. Bei Youtube gibt ein Trailer erste Einblicke in die Filmdokumentation „Jäger und Gejagter – Der Wilddieb Hermann Klostermann". Weitere Infos unter www.blautann-film.de.

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