Im neuen Ausstellungsbereich: Zur Eröffnung konnte Heimatvereins-Vorsitzender Johannes Georg (Mitte) auch den Dringenberger Bezirksausschussvorsitzenden Meinolf Tewes (l.) und Bürgermeister Burkhard Deppe begrüßen.  - © Silke Riethmüller
Im neuen Ausstellungsbereich: Zur Eröffnung konnte Heimatvereins-Vorsitzender Johannes Georg (Mitte) auch den Dringenberger Bezirksausschussvorsitzenden Meinolf Tewes (l.) und Bürgermeister Burkhard Deppe begrüßen.  | © Silke Riethmüller

Dringenberg Siebensterner Glasgeschichte(n) in Burg Dringenberg

Eröffnung: Ein neuer Ausstellungsbereich widmet sich der Historieder Glasproduktion im Nachbarort. Zu sehen sind Exponate von 1750 bis 2013

Silke Riethmüller

Dringenberg. Über fast drei Jahrhunderte wurde in Siebenstern Glas produziert. Und die Geschichte des Glasmacherortes ist untrennbar mit der der Nachbargemeinde Dringenberg verbunden. „Viele Menschen aus Dringenberg, Siebenstern und den umliegenden Ortschaften haben in der Glasherstellung ihr Geld verdient. Auch für unsere Gemeinde war es über viele Jahre eine gute Zeit", sagt Johannes Georg, Vorsitzender des Dringenberger Heimatvereins. An diese Erfolgsgeschichte soll der neue Ausstellungsbereich im Burgmuseum erinnern. Im Herbst vergangenen Jahres erreichte die Heimatfreunde aus Dringenberg die Nachricht vom Tod Dieter Meyers aus Bad Salzuflen. „Dieter Meyer war ein Ur-Ur-Enkel des 1906 verstorbenen Siebensterner Glashüttenbesitzers Gustav Becker. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht seine Familiengeschichte und damit auch die Glashüttengeschichte von Siebenstern zu erforschen", berichtet Johannes Georg zur Eröffnung der neuen Ausstellung. Sieben eingestochene Luftblasen als Markenzeichen Mit dem Vermächtnis Dieter Meyers kamen neben zwölf Ordnern mit Dokumenten, Fotos und Informationen auch eine beträchtliche Sammlung alter Gläser in den Besitz des Heimatvereins. „Diese und bereits vorhandene Gläser aus der Beckerschen Produktion brachten uns auf die Idee, hier im Burgmuseum einen Ausstellungsbereich zu gestalten, der sich ausschließlich mit der Glasproduktion in Siebenstern beschäftigt", so Georg. Selbstverständlich gehöre dazu auch die Zeit der Firma Walther Glas von 1951 bis zur Aufgabe der Produktion im Jahr 2013, betont der Heimatvereinsvorsitzende. „Ich freue mich besonders, dass einige ehemalige Waltherglas-Mitarbeiter uns mit Exponaten unterstützt haben", unterstreicht er. Im Jahr 1750 erhielten der Bad Driburger Glasmeister Stenner und seine stillen Teilhaber Johann-Jost und Johann-Christian Becker vom Dringenberger Bürgerrat mit einem Pachtvertrag die Genehmigung, einen 18 Morgen (45.000 Quadratmeter) großen Platz im Forstbezirk Siebenstern für eine Glashütte zu nutzen. Die Gebrüder Becker betreiben zu dieser Zeit bereits vier Glashütten bei Istrup und Brakel. 1759 ist Johann-Christian Becker, der weniger Glasmacher als vielmehr Unternehmer ist, alleiniger Besitzer der Siebensterner Glashütte. Die Hütte wird dauerhafte Produktionsstätte und neben der Fabrik entstehen ein Herrenhaus, ein weitläufiger Park sowie weitere kleine Fachwerkhäuser – die Werkswohnungen der Glasmacher. „Das neue Familienwappen Johann-Christian Beckers zeigt wenig später sieben silberne Sterne auf blauem Schild. Als Markenzeichen werden seine guten Gläser mit sieben eingestochenen Luftblasen, den sogenannten Perlen, gekennzeichnet. Ab 1780 trägt dann auch die Siedlung nachweisbar den Namen Siebenstern", weiß Georg. Nach einem Konkurs im Jahr 1846 gehört die auf gepachtetem Boden stehende Glashütte kurzzeitig der Stadt Dringenberg, bereits ein Jahr darauf wird sie von Eduard Becker zurückgekauft. Mit Hans Becker, der 1915 zum Kriegsdienst einberufen wird und die Produktion nach seiner Rückkehr nicht mehr aufnimmt, endet schließlich die Dynastie der Glasmacherfamilie. Glasproduktion macht Siebenstern zu einem wirtschaftlich bedeutenden Ort „Zwischen 1920 und 1935 hatte die Glashütte wechselnde Besitzer, es gab immer wieder ein kurzes Aufflammen. Zwischendurch wurden hier unter anderem Einmachgläser produziert. Der Absatzmangel führte aber jeweils zur Stilllegung", berichtet der Heimatvereinsvorsitzende. In den Siebensterner Fabrikhallen werden im Jahr 1937 Fahrradrückstrahler, von 1943 bis 1947 Seife und Seifenpulver hergestellt. Danach ist wieder Dringenberg Besitzer der inzwischen maroden Anlage. Ab 1951 beginnt dann die Geschichte von Walther Glas. Die erfolgreiche Glasproduktion macht Siebenstern zu einem wirtschaftlich bedeutenden Ort, die wachsende Zahl der Mitarbeiter führt auch zu einer Neuerschließung des Wohngebiets in unmittelbarer Nähe der Glashütte. Mehr als 300 Bewohner hat der kleine Ort im Jahr 1980. Die Investitionen durch die Übernahme der insolventen Glasax GmbH in Schwepnitz (2006) und der Inn Crystal in Braunau (2007) übersteigen schließlich die Planungen und schon bald steht Walther Glas zum Verkauf. Vier Jahre später erwirbt Otokar Motka die Firma. Die neue Walther Glas Deutschland GmbH gehört jetzt zum Firmenverbund von Bohemia Cristal in Selb und Kavalierglas in Tschechien. 2013 wird die Glasproduktion jedoch endgültig eingestellt und 180 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. „Damit ging auch die Glasgeschichte in Siebenstern zu Ende", schloss Johannes Georg seinen Vortrag zur Eröffnung des neuen Ausstellungsbereiches im Burgmuseum, durch den die Siebensterner Glasgeschichte weiterhin lebendig bleiben soll. Sammlung soll weiter ergänzt werden „Wir sind mit diesem Bereich noch nicht ganz fertig und hoffen, dass die Sammlung auch weiterhin ergänzt wird", sagt Georg. Besonders freuen würde sich der Dringenberger, der während seines Studiums selbst einige Zeit bei Walther Glas gearbeitet hat, über eine alte Gussform aus der Zeit von 1951 bis 1970. „Das wäre ein echtes Highlight für unsere Ausstellung", betont er. Wer noch Exponate beisteuern möchte, der kann sich an den Heimatverein in Dringenberg wenden. Weitere Informationen gibt es unter www.heimatverein-dringenberg.de

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